A-ha in Berlin: Klatschen, bis der Oberschenkel brennt

Schön für Morten Harket, Magne Furuholmen und Pål Waaktaar-Savoy, dass die Unplugged-Tour so viele alte Fans anlockt. 8500 Ü-40er (überwiegend zumindest) sind gekommen, um das live zu hören, was A-ha 2017 vermeintlich exklusiv für MTV in Giske, Norwegen eingespielt haben. Die alten Hits in ganz ruhig und dermaßen neuinterpretiert, dass A-ha sie nun in einer Hallen- und im Sommer in einer Open-Air-Reise unters Volk bringen können. „Die musikalische Reise“, die Magne am Montagabend in Berlin ankündigt, fällt allerdings weniger intim aus als erhofft. Weil die Hallen, in diesem Fall die Mercedes-Benz-Arena in Berlin, dann vielleicht doch ein bisschen zu groß sind.

Oft genervt: Morten Harket.

Mit „This is Our Home“ steigen A-ha ein. Auf einer reduzierten Bühne, die – anfangs noch ohne LED-Wand-Gespiele im Hintergrund – kleiner wirkt als der penetrante Mercedes-Stern, der über den Köpfen der Zuschauer hängt. Einen wirklichen Moment der erhofften Unplugged-Nähe wird es an diesem Abend nicht geben, immerhin vereint die Jagd danach Band und Publikum. Doch von heimeliger Stimmung ist die Arena bis zum Ende der Show weit entfernt.

Ein genervter Superstar

Harket schafft es zumindest im ersten Drittel der Show, ein Gefühl von sich in den Saal hinein zu transportieren: Er ist genervt. Und zwar von der Technik in seinem Ohr, er kann sich selbst nicht richtig singen hören und teilt dies dem Publikum mit. Geht dann kurz zum Techniker, verhaut einige Textzeilen und ärgert sich sichtbar über seinen Gesang, den die Zuhörer eigentlich genossen haben. Irgendwann ist das Gefummel am Ohr glücklicherweise beendet und man kann sich endlich darauf konzentrieren, wie sanft Magne die Klaviertasten mit seinen Knöcheln streichelt, anstatt von Mortens Kopfschütteln gebannt zu sein. Magne und Pål halten sich übrigens vornehm zurück, während ihr Sänger mit sich und seinem Sound ringt.

Die Größe der Arena, Harkets Tonprobleme und die sensationell nichtssagenden Muster und Landschaftsaufnahmen auf der LED-Wand hinter der Band schaden dem Konzert aber nicht so sehr, dass der Abend ins Negative kippen kann. Dafür sind die Neuinterpretationen der Songs schlichtweg zu gut. Bis auf „Sox Of The Fox“, der vermeintlich die Essenz der Band enthält, sorgt fast jeder Track für rhythmisches Klatschen (gern an den falschen Stellen), Schwelgen und Tränen, für die sich an diesem Abend ganz bestimmt niemand schämen sollte.

Bei „The Sun Always Shines on TV“, dem Banger via Xylophon, steht die gesamte Arena auf, was sich im Rahmen der Akustik-Show fast wie ein Moshpit anfühlt. Zuvor war Bewegung auf Mutti-Dance im Sitzen und den lässigen Klatscher auf den Herrenoberschenkel beschränkt.

In diesem Moment merkt dann auch endlich Morten, dass er und seine Band hier ein schönes Konzert spielen.

 

 

Frank Hoensch Redferns

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