ME 10/22

Der Musikexpress 10/2022 mit Kraftklub, Shygirl, Yeah Yeah Yeahs & Neu! – die Themen im Überblick

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Zum Einstieg wie immer unser „Making-Of“ aus dem hier beworbenen Printprodukt:

DER OSTEN ROLLT

Bemme, Broiler, Würzfleisch … Als 2007 auf Aggro Berlin der Song „Der Osten rollt“ erschien, rümpften gerade im Westen ob dieser Plattenbau-Hool-Kulisse Joe Rillas viele die Nase. Seitdem ist die popkulturelle Selbstermächtigung der „Ex-DDR“ allerdings immer weiter fortgeschritten. Acts wie Kraftklub und Blond stehen sinnbildlich für nachfolgende Generationen, die ihren Google-Standort weder glorifizieren noch abschütteln, sondern viel eher neu besetzen wollen.

Passend dazu erschien dieses Jahr die Aufarbeitung der Nullerjahre in Schwerin durch Hendrik Bolz (alias Testo von Zugezogen Maskulin) und gerade wurde „Superbusen“, der Debütroman der Autorin und ME-Kolumnistin Paula Irmschler, an sächsischen Theatern uraufgeführt. So ist unsere Kraftklub-Titelstory auch weit mehr als nur die Geschichte zu einer neuen Platte geworden. Freundschaft!

Der Musikexpress 10/2022 – die Themen im Überblick:

Kraftklub – Auf diesem Schiff im Nirgendwo

Schon in seiner Jugend lernt Felix Kummer beide Seiten von Chemnitz kennen: Wo ganze Straßenzüge leer stehen, gibt es reichlich Raum für Subkultur – aber auch für Gewalt. Im Alter von 21 Jahren wird er einer der berühmtesten Söhne seiner Stadt und fällt die Entscheidung, zu bleiben. Immer wieder legt er mit Kraftklub den Finger in die Wunden des Ostens. Als seine Geburtsstadt, die vor der Wende Karl-Marx-Stadt hieß, 2018 tagelang von Faschisten gekapert wird, organisieren sie das wohl wichtigste Konzert seit Jahrzehnten. Alle diese Erfahrungen verhandelt er auf dem vierten Studioalbum seiner Band: KARGO.

Shygirl – Ganz normal anders

Dank ihres kompromisslosen Ansatzes, die Begierde zum Zweck der Selbstermächtigung in den Mittelpunkt ihrer Kunst zu stellen, entwickelte sich Shygirl zur Lieblingsmuse in Fashion und Pop. Weil sie dabei ihre Erscheinung ständig änderte, wirkte die Londonerin wie eine Endlos-Multiplikation ihres Freak-Status. Nun hat sie vom provozierten Voyeurismus erst einmal die Schnauze voll: Auf ihrem ersten Album NYMPH nutzt Shygirl Sex als Folie für radikale Selbsterkenntnis. All eyes on her – und in sie hinein.

Kiew – Nicht aufgeben!

Wie ist das, jung zu sein und kreativ zu arbeiten, in einem Land, in dem Krieg herrscht? In einer Stadt, die immer wieder von der russischen Armee mit Raketen beschossen wird? Die Fotos von Vsevolod Kazarin und Sebastian Wells zeigen junge Künstler*innen aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew – jedoch nicht in Kriegsruinen oder olivgrüner Kleidung, sondern hip gekleidet an Orten, die es zu schützen und zu verteidigen gilt. Genauso, wie Freiheit und Demokratie.

Yeah Yeah Yeahs: „Alles hat sich neu angefühlt!“

Es gibt Bands, da fragt man sich, wenn plötzlich ein neues Album kommt, ob sie jemals weg waren. Die Yeah Yeah Yeahs zählen nicht zu diesen Bands. Zu deutlich sind sie an eine historische Situation gekoppelt, an die frühen Tage der New Yorker Rock-Explosion, Anfang und Mitte der Nullerjahre. Und doch: Da sind sie. Nach fast zehn Jahren Pause kommt jetzt ein neues Album, COOL IT DOWN, eine reife Platte, die eher wenig Punk und viel Synth-Grandezza aufbietet – und neben überlebensgroßen Hymnen wie „Spitting Off The Edge Of The World“ mit Perfume Genius auch mit bestechend leichtfüßigen Popsongs wie „Different Today“ aufwartet.

Makaya McCraven – Neues vom Hexer

Makaya McCraven zählt zu den Hoffnungsträgern einer jungen Jazz-Szene, weil er weit über den Jazz hinausdenkt und -spielt: Als Drummer und Loop-Meister, mit reichlich Interesse am HipHop. Auf seinem neuen Album IN THESE TIMES lässt er seine eigene Geschichte Revue passieren und setzt sie in einen größeren spirituellen Zusammenhang – unterstützt von 15 Musiker*innen.

ME-Helden: Neu! – Weder Kraut noch Rock

Im Düsseldorf der 70er-Jahre gründeten die beiden höchst unterschiedlichen Charaktere Michael Rother und Klaus Dinger das Duo Neu!. Trotz oder gerade wegen ihrer musikalischen und menschlichen Differenzen schufen sie eine experimentelle Musik, die größer ist als die Summe ihrer Teile. Auch 50 Jahre später hallt das Echo von Neu! international nach – als das einer der wichtigsten deutschen Bands.

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