Highlight: Die 700 besten Songs aller Zeiten: Plätze 10 bis 1

Die 700 besten Songs aller Zeiten: Plätze 600 bis 551

Am 13. März 2014 ist sie erschienen, die sage und schreibe 700. Ausgabe des Musikexpress. Und die hatte es in sich: Wir hatten eine prominente zigköpfige Jury aus Musikern wie etwa Lana Del Rey, Mark Lanegan, Danger Mouse, Marteria, Thees Uhlmann, Judith Holofernes, WhoMadeWho sowie aus Autoren, Journalisten und Fachleuten von anderen Magazinen, Tageszeitungen, Radiosendern und Plattenlabels nach ihren Lieblingssongs aller Zeiten gefragt. Herausgekommen war in mühevoller Kleinarbeit nicht weniger als eine Liste mit den 700 besten Songs aller Zeiten inklusive Texten zu jedem (!) dieser Songs, und diese Liste haben wir Euch nach und nach online auf Musikexpress.de/700 präsentiert.

Hier die Einzelteile unserer „700 besten Songs aller Zeiten“ in der Übersicht:

Und hier kommen nach unseren Plätzen 700 bis 651 und 650 bis 601 die Plätze 600 bis 551 im Detail:

600. Iggy Pop – „Lust For Life“

Im Sprint stürmt sie los und hält das atemlose Tempo durch, diese Ode ans Heroin im Allgemeinen und William S. Burroughs’ Prosa im Besonderen. Nach der Implosion der Stooges erfindet sich Iggy neu als Hofnarr des Thin White Duke und setzt sich ein Denkmal mit diesem unwiderstehlichen Powerpop.

599. Nirvana – „All Apologies“

Der zärtlichste Moment auf IN UTERO. Der Song scheint mittendrin kurz in alle Richtungen zu explodieren, lässt es aber nicht zu, vom allgegenwärtigen Feedbackgewitter des Albums überwuchert zu werden. All alone is all we are.

598. Bill Withers – „Lovely Day“

Die oft simple Wirkungskraft von Musik auf ihren Hörer lässt sich sehr gut an diesem Stimmungsaufheller von Bill Withers ablesen. Dank seines warmen Tons will man ihm einfach glauben.

597. Randy Newman – „Love Story (You And Me)“

Hallo, middle class! Randy, in gemächlichem Tonfall, rattert zum Stehgeigerblues den klassischen Lebensentwurf herunter – bis man zum Schluss im Altersheim in Florida vom Stuhl kippt.

596. Stereolab – „French Disco“

Man wähle die EP-Version: die Harmonien sind schon himmlisch, die Gitarren aber rauer, das Schlagzeug treibt mit krautiger Genauigkeit: ein Geniestreich.

595. Hole – „Doll Parts“

Woher hatten die bloß diese großartige Idee, diesen Song ständig auszubremsen? Das macht ihn so cool. Und der Text über Courtneys Verunsicherung, ob Cobain sie tatsächlich liebt – so zerbrechlich.

594. The Miracles – „You Really Got A Hold On Me“

Damit begann die Ära Motown. Obwohl ursprünglich als B-Side erschienen, spielten die Radiojockeys die funky Stehblues-Nummer im ganzen Land.

593. Albert Ayler – „Music Is The Healing Force Of The Universe“

Manisch, intensiv, spirituell. Musik als Therapie für den depressiven Saxofonisten, der ein Jahr später in New Yorks East River ertrank. Blues, Gospel und Folk verbinden sich in Aylers Freejazz mit den gesanglichen Beschwörungen seiner Freundin Mary Maria Parks.

592. George Michael – „Careless Whisper“

Er werde nie mehr tanzen, denn: „Guilty feet have got no rhythm.“ Dieser Schlechtes-Gewissen-Klassiker mit dem prägnanten Saxofon-Solo war George Michaels erste Solosingle, obwohl er zu der Zeit noch bei Wham! war.

591. R.E.M. – „Nightswimming“

Obwohl die fünfte Single von AUTOMATIC … kein großer kommerzieller Erfolg war, entwickelte sich Michael Stipes kleine Story über Tage jugendlicher Unbeschwertheit und Mike Mills liebliche Pianomelodie zu einer der beliebtesten R.E.M.-Balladen überhaupt.

590. Can – „Spoon“

Eine Rhythmusmaschine pluckert, verfremdete Keyboardsounds, Jaki Liebezeits Tribal-Drumming, eigenartige Harmonien und Damo Suzukis lakonischer Gesang sind absolut unkonventionell – aber irgendwie auch Pop, nur eben ihrer Zeit zehn Jahre voraus. Mindestens.

589. Nick Drake – „Things Behind The Sun“

Man hört Nick Drakes zaghafter Stimme auf „Things Behind The Sun“ eine traurige Ungewissheit an. Wohin die führte, wissen wir heute – wohl im Gegensatz zu ihm damals.

588. Die Moritat von Mackie Messer

„Die Moritat von Mackie Messer“ erzählt am Anfang von Brechts „Dreigroschenoper“ die Geschichte des Verbrechers Macheath so eindringlich, dass das von Kurt Weill komponierte Stück zu einem der dauerhaftesten Lieder des 20. Jahrhunderts wurde. In den 50er-Jahren entdeckt der Jazz das Stück für sich und später covern es so unterschiedliche Künstler wie Robbie Williams, Marvin Gaye, Sammy Davis Jr., Nick Cave und Slut.

587. Nina Simone – „House Of The Rising Sun“

Zunächst nimmt Simone die Geschichte eines verkorksten Lebens in New Orleans (das Lied stammt aus dem 18. Jahrhundert) als stimmungsvolle Ballade auf. Später folgen weitere Versionen, allesamt großartig. Den großen Hit damit hatten 1964 aber freilich The Animals.

586. Rufus Wainwright – „Going To A Town“

Vielleicht ist dieser opulent inszenierte Popsong Rufus Wainwrights „Born In The USA“. Eine Hymne, die keine ist, die sich an den Fehlern der eigentlich so geliebten Nation reibt.

585. Nine Inch Nails – „Closer“

Trotz expliziter Lyrics („I wanna fuck you like an animal“) und trotz eines Videos mit einem gekreuzigten Affen wurde der Song zum größten NIN-Hit.

584. Queen – „We Will Rock You“

Bumm-Bumm-Tschack. Beeindruckt vom Publikum eines Konzertes in Stafford, das nach nicht nach einer Zugabe rief, sondern „You’ll Never Walk Alone“ anstimmte, komponierte Brian May die effektivste aller Rockhymnen.

583. Todd Rundgren – „Can We Still Be Friends“

Noch während Todd Rundgren das Ende einer gescheiterten Beziehung seziert, bemüht er sich in diesem leisen, von Keyboards getragenen Schwanengesang, das Verhältnis wenigstens auf platonische Weise aufrechtzuerhalten.

582. Kylie Minogue – „Slow“

Wenn „Can’t Get You Out Of My Head“ die Blaupause ist für all die Teeniestar-Transformationen bis hin zu „Wrecking Ball“, dann ist „Slow“ das Königsstück dieser Kategorie – weil das entscheidende Bisschen sexyer.

581. Orchestral Manoeuvres In The Dark – „Of All The Things Weʼve Made“

Am Anfang waren OMD Kraftwerk-Epigonen, später Radio-Popper. Hier waren sie: ein stoischer Orff’scher Postpunk-Spielkreis. Sehr hübsch!

580. The Cure – „All Cats Are Grey“

Kein typischer Cure-Song. Eine Ambient-Schleife. Überirdische Ruhe. Smith mault nicht, er singt. Nur kurz. Typischer ist das Thema: Isolation. „In the death cell / A single note / Rings on and on and on.“

579. The Bitter Sweets – „What A Lonely Way To Start The Summertime“

Damals eine Obskurität. Doch warum? Girlgroup-Pop, tränenschwer und verzweifelt und mit einem für seine Zeit völlig untypischen Ende. Ein Hit.

578. Justin Timberlake – „SexyBack“

Der futuristische Cyber-R’n’B war nicht nur Timbalands return to form als Produzent, sondern das endgültige „Bye, Bye“ an Timberlakes Boyband-Vergangenheit.

577. Snoop Doggy Dogg – „Gin & Juice“

Das Glaubensbekenntnis des Gangstarap. Wenn heute schmächtige Studenten behaupten, sie seien schwer die Straße am Runterrollen, hart Indo am Smoken und mega Gin-Schorle am Trinken, liegt das an Doggy und Dre. Äh, danke!

576. Dinah Washington – „What A Diff’rence A Day Makes“

Ihre zugleich verträumte und kokettierende Version dieses Songs, in dem eine neuen Liebe graue Straßen in Regenbögen verwandelt, war Washingtons erste Top-10-Single.

575. Neneh Cherry – „Manchild“

Was als kecker Old-School-HipHop-Track beginnt, entwickelt sich mit seinen Streicher imitierenden Keyboardflächen zu einer Art Proto-TripHop.

574. Carole King – „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman“

Ein Standard im Repertoire jeder singenden „Diva“. Ursprünglich vom erfolgreichen Songwriter-Team King/Goffin für Aretha Franklin geschrieben.

573. T.Rex – „Jeepster“

„Jeepster“ war wieder einer von Bolans sexuell aufreizenden Hits, in denen Produzent Tony Visconti den halligen Sun-Records-Rockabilly-Sound mit Bongos und Streichern frisierte. Blaupause für alles, was Black Keys machen.

572. The Smiths – „Please Please Please Let Me Get What I Want“

Wieder einer dieser Sehnsuchtssongs. Wenn Morrissey fleht und leidet, wenn Marr Spur für Spur übereinanderschichtet, schmachtet man automatisch mit.

571. Sam Cooke – „Chain Gang“

Unterwegs auf Tour traf Cooke eine echte „Chain Gang“ – Häftlinge in Ketten, die ihn zu dieser fast beschwingten, aber mit sehnsüchtiger Stimme aufgenommenen Wehklage inspirierten.

570. The Beatles – „Everybodyʼs Got Something To Hide Except Me And My Monkey“

Lennons Bildsprache verweist mehr oder weniger subtil auf Sex, Heroin und Freude, der Song selbst ist eine zackige, fast punkige Blues-Miniatur.

569. The Streets – „Has It Come To This?“

Rap aus UK = grimmiger Grime. Doch dann kam Skinner und schickte seine feinen, originellen Alltagsbeobachtungen über die verschobenen Takte …

568. Small Faces – „(Tell Me) Have You Ever Seen Me“

Stringenter Beat trifft auf vogelwilde Percussion und einen Steve Marriott in Bestform.

567. Cyndi Lauper – „Time After Time“

Die zweite Single, der brüchige Slowbur­ner „Time After Time“, hatte nicht eben einen kleinen Anteil am Riesenerfolg von Laupers Debütalbum.

566. Lightnin’ Hopkins – „Baby, Please Don’t Go“

Das Traditional wurde schon 1935 von Big Joe Williams und später vielen anderen aufgenommen. Aber mit mehr Blues im Herzen und mehr Verzweiflung als Hopkins singt den Song keiner.

565. The Flaminʼ Groovies – „Shake Some Action“

Viele bekanntere Powerpop-Songs wirken wie nach der Blaupause dieses Hits geschrieben: das Snare-Pattern im Refrain, der Melodieverlauf der Lead-Gitarre, der zweistimmige Gesang.

564. Nancy Sinatra & Lee Hazlewood – „Sundown, Sundown“

Wie jeder Song der beiden lebt auch dieser vom Kontrast Sinatras heller Stimme zu Hazlewoods Bariton. Doch sind beide Künstler hier weitaus ernsthafter, verletzlicher und legten damit den Grundstein für die Lana Del Reys dieser Welt.

563. Aretha Franklin – „Respect“

Bei Otis verlangt der Ehemann von der Gattin „etwas Respekt“, vermutlich ein Euphemismus für etwas ganz anderes. Aretha drehte den Song um, spendierte ihm eine unfassbar einprägsame Bridge und verantwortete so einen der größten Soul-Hits aller Zeiten.

562. The Rolling Stones – „Jumpin’ Jack Flash“

Nach Jahren des Mäanderns in psychedelischen Gefilden kehren die Stones dem Swinging London den verlängerten Rücken zu und finden zurück zum Delta Blues, dass es kracht.

561. The Everly Brothers – „All I Have To Do Is Dream“

Mit diesem Lied vom Träumerle konterkarierten die Everlys nicht nur das männliche Draufgänger-Ideal jener Zeit, sondern lieferten auch noch einen bestechenden Harmoniegesang, der Beatles und Beach Boys inspirierte.

560. The Beatles – „Norwegian Wood“

Und wieder strecken sich die Beatles: Erstmals wird eine Sitar in einem Popsong verwendet, erstmals versucht sich Lennon an Poesie und Doppeldeutigkeiten.

559. PJ Harvey – „The Words That Maketh Murder“

Unter dem Eindruck des Afghanistan-Kriegs schuf PJ zusammen mit Mick Harvey und John Parish eine Musik, die den Horror eines Schlachtfelds kontrastiert, aber nicht mildert.

558. The Beatles – „We Can Work It Out“

Ein Paradebeispiel für eine Lennon/McCartney-Koproduktion: Die optimistische Strophe stammt von Paul, die klagende Middle-Eight mit dem Walzertakt am Ende steuerte John bei. Ein makelloser, intelligenter Popsong.

557. De La Soul – „Me Myself And I“

Mit ihrem ersten Song wurden die Jungs aus Long Island zu „Hippie-Rappern“ auf Lebenszeit. „Me Myself And I“ war ihre ureigene Abrechnung mit der Image-Industrie: verschroben, vielschichtig und unbedingt unterhaltsam.

556. Bauhaus – „Bela Lugosi’s Dead“

Ende der 70er-Jahre entwickelte sich der Postpunk immer weiter. Bauhaus waren vorne mit dabei, als Dub-Einflüsse und Dunkelheit kollidierten, um eine ganz neue Musik zu kreieren, zu der man tanzen und sich ritzen konnte.

555. The Notorious B.I.G. – „Suicidal Thoughts“

„When I die, fuck it, I wanna go to hell!“ Der große Charmeur des NY-Gangstarap gewährt seinen Dämonen Freigang. Über einen sinistren Rumpelbeat reimt er von Kanonen und Glücksspiel, Selbsthass und Selbstzerstörung – bis zum finalen Schuss.

554. Prefab Sprout – „Electric Guitars“

Mit sanfter Stimme seziert McAloon einen Männermythos, das hatte er zuvor auch schon mit Löwen, Königen, Autos und Steve McQueen gemacht.

553. Ewan MacColl & Peggy Seeger – „The First Time Ever I Saw Your Face“

Ewan MacColl, der den Folk-Lovesong 1957 für seine spätere Ehefrau Peggy Seeger schrieb, soll alle späteren, wesentlich erfolgreicheren Coverversionen aus tiefstem Herzen gehasst haben. Noch schöner als das Lied ist seine Legende: MacColl, der als Linksaktivist nicht in die USA einreisen durfte, sang es der Amerikanerin Seeger während eines Ferngesprächs vor.

552. Beastie Boys – „Sure Shot“

Das prägende Sample entstammt dem Song „Howlin‘ For Judy“ des US-Jazzflötisten Jeremy Steig. Mit dem Hardcore-Beat darunter zollte DJ Hurricane der Punk-Vergangenheit der Beasties Tribut.

551. Tony Allen With Afrika 70 – „Progress“

Ohne Tony Allen kein Afrobeat. Dessen Essenz gibt’s im Titelsong des zweiten Soloalbums des Drummers: schneidende Bläser, repetetiver Funk-Rhythmus, melodischer Bass, verschlungene Figuren auf (Fela Kutis) Saxofon.


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