DJs stehen nach Auftritten in Saudi-Arabien in der Kritik

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In Saudi-Arabien haben am vergangenen Wochenende (16. bis 19. Dezember) Hunderttausende Besucher*innen am „MDLBeast-Soundstorm“-Festival teilgenommen – für alle vier Abende sollen insgesamt 732.000 Tickets gelöst worden sein. Der Chef der saudi-arabischen Unterhaltungsbehörde Turki al-Scheich sprach von einem „der größten Musikfestivals weltweit“ – trotz der weltweiten Boykott-Aufrufe.

Human Rights Watch hat die Künstler*innen aufgefordert, sich zu der Lage der Menschenrechte in Saudi-Arabien zu äußern. Über die Verletzung jener universellen Naturrechte im Wüstenstaat hat die Crème de la Crème der weltweiten Elektro-Szene gekonnt hinweggesehen – darunter Afrojack, Nina Kraviz, Solardo, David Guetta und Paul Kalkbrenner.

Kultur als Versuch, die Bilanz zu „beschönigen“

Seit etwa vier Jahren versucht Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman, eine gesellschaftliche Öffnung des erzkonservativen Königreichs herbeizuführen. Unter anderem hat er das Fahrverbot für Frauen abgeschafft und Konzerte mit gemischtem Publikum erlaubt. Viele westliche Beobachter*innen vermuten, dass er sein Land vor der Weltöffentlichkeit so in ein rechtes Licht rücken will, während er mit barbarischer Härte gegen Regierungskritiker*innen vorgeht. Human Rights Watch ist beispielsweise der Auffassung, dass der neue Fokus des Landes auf kulturelle Veranstaltungen ein Versuch ist, die Bilanz des Landes zu „beschönigen“.

David Guetta: „Ich spiele nicht für Politiker, ich spiele für Menschen“

Jeff Mills, einer der Väter des Detroit Techno, hatte sich vor seinem Auftritt ausführlich zu seiner Zusage geäußert. Darin distanzierte er sich von der saudi-arabischen Regierung, bezeichnete sie als „primitiv, brutal und gewalttätig“ – wies aber gleichwohl darauf hin, dass es wichtig sei, den Dialog aufrechtzuerhalten.

In eine ähnliche Richtung verteidigte auch EDM-Star David Guetta seine Teilnahme: „Ich spiele nicht für Politiker, ich spiele für Menschen“, sagte er der Nachrichtenagentur AP. „Und es ist mir nicht möglich, nur in Ländern aufzutreten, wo ich hundert Prozent mit den Herrschenden übereinstimme“, fügte er hinzu.


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