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Der deutsche „Playboy“ gibt zu, dass Teile des Morricone-Interviews falsch seien

Update: Der Artikel wurde am Dienstagabend aktualisiert

In der vergangenen Woche erschien ein brisantes Interview im deutschen Playboy-Magazin: Darin wetterte die Filmmusik-Legende Ennio Morricone gegen Quentin Tarantino, die Oscar-Verleihung und sogar gegen die USA an sich. Das Gespräch mit dem 90-Jährigen sorgte international für Schlagzeilen, der Playboy hat Auszüge davon extra vor Erscheinen der Ausgabe unter dem Titel „Tarantino kann mich mal“ auf der hauseigenen Website veröffentlicht (hier die ursprüngliche Meldung).

Am Sonntagabend ruderte Morricone zurück, nachdem seine harschen Worte in den US-Medien aufgegriffen wurden. Auf seiner Website pries er Quentin Tarantino, den er im Interview noch als Ideendieb bezeichnete, als großartigen Regisseur und behauptete, dass er dem Playboy Deutschland nie ein Interview gegeben hätte. Wenig später, ebenfalls am Sonntagabend, veränderte der italienische Komponist sein Statement ein wenig: Die Behauptung, er hätte dem Playboy niemals ein Interview gegeben, war verschwunden. Die abgedruckten Zitate seien aber immer noch erfunden, so Morricone. Das gesamte Statement könnt Ihr hier nachlesen:

Kooperation

Der deutsche Playboy-Ableger ließ sich Zeit mit einer ersten Reaktion auf die schweren Vorwürfe Morricones. Am Montagabend beteuerte aber ein Sprecher, dass das Interview definitiv stattgefunden habe. Beim Playboy wundere man sich aktuell über die Fake-News-Vorwürfe des Komponisten, der 2007 den Oscar für sein Lebenswerk und 2016 den Oscar für die Filmmusik zu Tarantinos „The Hateful Eight“ erhalten hat. Ein Sprecher des Magazins (via Meedia.de):

„Wir wundern uns, dass Komponist Ennio Morricone bestreitet, dem deutschen Playboy ein Interview gegeben zu haben. Tatsächlich hat das Gespräch am 30. Juni 2018 in seinem Anwesen in Rom stattgefunden. Das Interview war über den Konzertveranstalter Semmel Concerts, der ebenfalls bei dem Gespräch anwesend war, für den deutschen Playboy vereinbart. Ähnlich irritiert sind wir darüber, dass Teile der veröffentlichten Aussagen so nicht getroffen worden sein sollen.“

Am Dienstag dann die nächste Wende. In einem Statement räumte Florian Boitin, Chefredakteur des deutschen Playboy-Magazins, Unstimmigkeiten in Bezug auf das Interview ein. Und deutet an, dass der freie Autor Marcel Anders Teile des Interviews frisiert hat:

„Der freie Autor, der das Interview mit Ennio Morricone für uns geführt hat, war uns bislang als renommierter Print- und Hörfunk-Journalist bekannt. Es gab für uns in der Vergangenheit keinen Anlass, an seiner journalistischen Integrität und seinen Fähigkeiten zu zweifeln. Nach jetzigem Kenntnisstand müssen wir jedoch leider davon ausgehen, dass das im Interview gesprochene Wort von ihm in Teilen nicht korrekt wiedergegeben wurde. Wir bedauern, wenn Herr Morricone dadurch in ein falsches Licht gerückt worden sein sollte. Wir arbeiten weiter an der Aufklärung des Sachverhalts und prüfen rechtliche Schritte.“

Anders hat in der Vergangenheit auch für Musikexpress bzw. Musikexpress.de geschrieben.

 

 


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