Spezial-Abo

Von Ponys und Dollars

Ein Dokumentarfilm über das Spannungsfeld zwischen kulturellem Anspruch und Wirtschaftlichkeit in der Festivalindustrie

Interview

Eunique im Interview: „Früher fehlten mir Songs, die Frauen empowern“

von

Nachdem Eunique aufgrund einer privat und beruflich schweren Phase musikalisch eine Pause einlegen musste, meldet sich die gebürtige Hamburgerin, die mit vollem Namen Eunique Cudjo Berkeley heißt, nun mit gleich drei neuen Singles zurück. Dabei fokussiert sie sich insbesondere darauf, ihre Musikalität und ihre unterschiedlichen Facetten hervor zu heben und gleichzeitig anderen Frauen durch ihre Songs Kraft zu schenken. Dieses Jahr erschienen die Songs „Bobby“, „Cut“ und „Lost“, in denen die 25-Jährige empowert und dazu aufruft, sich selbst treu zu bleiben. Im Interview sprachen wir über Realness, Frauenpower und ihr neues Album SPLIT – dies werde „eine Message an jeden, der kurz vor dem Aufgeben steht“ und solle „einfach daran erinnern, dass wir alle gesegnet sind.“

Musikexpress.de: Wie fühlt es sich an, nach einer längeren musikalischen Pause wieder zurück zu sein?

Eunique: Fühlt sich komisch an, aber es ist natürlich schön endlich wieder releasen zu können. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt und wie das Feedback zu meiner neuen Musik sein wird. Selbstverständlich ist es auch schön, Musik für mich oder meine Freunde zu machen, aber ich will von der Welt bewertet werden. Deswegen habe ich auch meine Karriere damit begonnen, Videos mit meiner Musik auf Facebook zu stellen.

Was ist Dir abseits der Bewertungen am wichtigsten bei Deinem Neustart?

Das Wichtigste für mich ist, dass jeder das kriegt wofür er auch gearbeitet hat und sich jeder in meinem Team wohl fühlt. Die Leute um mich herum sollen meine Vision komplett verstehen und Verständnis dafür haben, dass ich gerade durch eine schwierige Phase gegangen bin. In der Hinsicht sollten alle am besten so wenig Ego wie möglich haben – aber die Leute, mit denen ich mich jetzt umgebe, haben auf jeden Fall die richtige Motivation und wir tun alles, um mein Projekt nach vorne zu bringen.

Du hast bereits drei Singles aus Deinem Album SPLIT veröffentlicht. Eine davon ist „Bobby“, darin rappst Du viel über Realness. Wie definierst Du „real“ sein?

Real sein ist für mich, wenn du selbst zu deinen Taten und deinem Charakter zu hundert Prozent 24/7 stehen kannst. In der Hook des Songs sage ich zum Beispiel: „Ich bin so real wie Cardi“. Ich kenne Cardi B noch aus „Love&HipHop“. Bevor sie als Rapperin bekannt wurde, war sie Teil der Reality-Show und obwohl die meisten Menschen in solchen Formaten sich nicht real verhalten oder zu ihrer Meinung stehen, war Cardi B jemand, die ihrem Charakter immer treu geblieben ist. Sie ist sie selbst geblieben und das hat mich sehr inspiriert, weil ich mich dadurch weniger komisch gefühlt habe Sachen anzusprechen. Natürlich kannst du dir damit auch ins eigene Knie schießen, wenn du sagst, was du empfindest. Aber am Ende des Tages kann ich in den Spiegel gucken. Da bin ich nicht mehr wie früher, wo ich vielleicht alles gemacht hätte, damit die andere Person nicht sauer ist.

Video: Eunique – „Bobby“

In der zweiten Single „Cut“ sagst Du auch, was Du heute mit Leuten machst, die nicht real sind. Kannst Du mehr zur Geschichte hinter dem Lied erzählen?

Ja, der Song entstand, als im Hintergrund angefangen wurde zu reden. Es kamen da immer wieder Stories von der Seite und manche Leute dachten sie wären die größten Gangster. Ich habe diese Erfahrung in „Cut“ verarbeitet, weil ich das meiste, was mir passiert, in meine Musik einfließen lasse. Ich liebe es einfach über Dinge zu schreiben, die ich mir vorstelle. Dinge, die man sich allgemein wünscht oder Dinge, die passiert sind. Manchmal ist es auch krass wie langlebig so ein Song sein kann und wie er sich dann irgendwann in der Realität umsetzt. 

Der Song stammt von der FREE EUNIQUE-Platte, die nie erschienen ist. Werden auch andere Lieder von diesem Album auf SPLIT erscheinen?

Ja, ich glaube, es werden noch ein oder zwei weitere Tracks auf meinem kommenden Album erscheinen. Und diese Songs werden auch für sich sprechen, denn sie entstanden auch 2019, als ich eine schwierigere Zeit hatte. Aber auch da hat mich eigentlich die Musik immer gehalten. Wenn ich down oder besonders emotional bin, fließt es komischerweise viel besser bei mir. Even though it’s painful. 

Video: Eunique – „Cut“

Besonders emotional ist auch die Thematik, die Du in „Lost“ ansprichst. Wie kam es, dass Du Dich dazu entschieden hast, über Gewalt gegen Frauen zu rappen?

Leider hatte ich in meiner Jugend schon früh mit Gewalt in meinem Umfeld zu tun. Sei es bei Freundinnen oder durch Geschichten, die man auf den Straßen gehört hat. Besonders 2019 ist mir aufgefallen, dass ich mit Mädels abhing, die bildhübsch und ehrgeizig waren. Jede von ihnen hatte wunderschöne Träume und gleichzeitig erzählten sie mir, dass sie jeden Tag von ihrem Freund geschlagen werden. In solchen Momenten habe ich mich für sie echt schutzlos gefühlt. Allein, dass sie sich mir geöffnet und das erzählt hatten, ist schon eine große Sache. Und heute kommt Corona dazu, was das Thema für mich noch dringlicher macht. Mir geht es gut in meiner Beziehung. Aber es gibt Mädels, die jeden Tag mit ihrem Freund streiten und es dabei handgreiflich wird. Nun müssen gerade sie mit diesen Menschen den ganzen Tag Zuhause verbringen. Es ist ein Gefühl des Verlorenseins und das verarbeite ich in dem Song. Ich habe schon genügend Männer kennengelernt und ihnen gegenüber appelliert, dass sie auch wenn sie selbst nicht so sind, solche Männer ansprechen müssen oder mit ihnen nichts mehr zu tun haben sollten. Gerade weil Männer Frauen bei angeblich falschen Freundinnen häufig zum Kontaktabbruch raten, aber bei ihnen selbst ist es so: „Ja, aber das ist mein Businesspartner, das ist doch mein Kollege, ach, wir waren doch lange im selben Fußballverein.“ Es gibt immer eine Entschuldigung. 

Es ist zudem sehr schwer für Frauen aus einer solchen Situation wieder heraus zu kommen. Sie stecken ja in einer Art Manipulationsblase. Du sprachst in der Vergangenheit auch davon, durch Dein altes Management in so einer Blase gewesen zu sein. Wie kamst Du da wieder raus?

So genau kann ich es nicht sagen, einfach weil ich es auch nicht sagen möchte. Aber man darf sich nicht mental abhängig von den Props und dem Zuspruch seines Gegenübers machen. Irgendwann fühlt er sich bemächtigt, Herr über dein Selbstwertgefühl zu sein. Wenn der Mann zum Beispiel nicht auf Hintern steht und seiner Freundin dann sagt, sie solle mal Sport machen, dann fühlt sie sich gekränkt und fängt auch an Sport zu machen, während der Typ selbst einen Bierbauch hat. Dennoch würde sie sich niemals trauen ihm das Gleiche zu sagen. Das ist der Unterschied und es gibt keine Entschuldigung dafür respektlos oder ein Narzisst zu sein. Da müssen wir Frauen egoistisch genug sein, Nein zu sagen und zu gehen. Just run! Run girl!

In der Pressmitteilung zu „Lost“ bezeichnest Du Frauen als Königinnen, auch in anderen Singles verwendest Du oft diesen Begriff. Was macht eine Königin für Dich aus?

In meiner Definition von Königin geht es mir wirklich nur um das Wort selbst. Ich habe das Gefühl, dass bei diesem ganzen Phänomen von dem König und der Königin alles unfair verteilt ist, alleine die Chance, dass du als Königin beziehungsweise Prinzessin geboren wirst und es dann noch Wertigkeit hat. Wen interessiert es denn heute, wenn du Prinzessin bist? Aber das ist gut für, ich sag mal, uns normales Fußvolk, denn jetzt können wir uns selbst krönen. Du kannst dich selbst einfach Königin nennen in deinen eigenen vier Wänden, in deiner Umgebung oder in deinem Stadtteil, egal wo, du bist die Königin!

Video: Eunique – „Lost“

Musikexpress.de: Nicht nur mit dieser Bezeichnung, aber auch mit Deinen Songs vermittelst Du Frauen Selbstbewusstsein und rappst oft über die Kraft der Frauen. Wo holst du Deine Kraft und Dein Selbstbewusstsein her?

Durch die Frauenrollen, die ich in meinem Leben hatte. Ich habe gesehen, wie sie in schwachen Momenten wie Löwinnen gekämpft haben. Und auch bei mir selbst wird am Ende des Tages der Drang und die Liebe zur Musik immer größer sein als die Hindernisse. Und solange ich noch Melodien in meinem Kopf kreiere, kann mir das auch niemand nehmen. Ich glaube, es passiert auch unterbewusst, dass ich einfach das ansprechen muss, worin ich mich benachteiligt fühle. Deswegen sind diese Dinge auch meine Thematiken, auch weil ich mir selbst früher Lieder gewünscht hätte, die empowernd gewesen wären.

Klingt so, als sei die Musik für Dich Therapie und Trost zugleich?

Ja safe! Aber deswegen bin ich auch um so glücklicher, das wieder teilen zu können, den Vibe von damals und den zu dem ich mich hin entwickelt habe. Das wird sich dann auch bei SPLIT widerspiegeln, denn da geht es genau um diesen „Personalitysplit“.

Was ist Dir bei SPLIT am wichtigsten?

Bei SPLIT ist mir vor allem wichtig, alle meine Facetten und meine Musikalität zu zeigen! Weil alles, was SPLIT und auch Eunique ausmacht, facettenreich ist und ich, egal zu welcher Facette, etwas Klares zu sagen habe. Ich habe in der letzten Zeit verstärkt gemerkt, wie viele Einflüsse ich habe, die ich auch gerne mit meiner Fan-Base und der restlichen Welt teilen möchte.

Welche Message möchtest Du mit SPLIT vermitteln?

SPLIT ist eine Message an jeden der kurz vor dem Aufgeben steht und soll einfach daran erinnern, dass wir alle gesegnet sind. Wir alle haben eine Daseinsberechtigung auf dieser Erde, also: Never give up!

Hört hier Euniques neue Songs „Bobby“, „Cut“ und „Lost“  im Stream. Das Veröffentlichungsdatum ihres Albums SPLIT wurde bislang noch nicht angekündigt. 


Nura bricht „Sing meinen Song“ ab
Weiterlesen