Fusion Festival: Polizei soll sich seit Monaten für Großeinsatz rüsten

Wie es aussieht, steht das Fusion Festival 2019 nicht allein wegen seines angeblich unzureichenden Sicherheitskonzepts unter einem schlechten Stern. „Zeit Online“  liegen nun einige polizeiinterne Papiere vor, die beweisen sollen, dass die Polizei bereits seit einiger Zeit einen umfangreichen Einsatz während des diesjährigen Fusion Festivals plane.

Anfang Mai war ein Streit zwischen dem neubrandenburgischen Polizeipräsidenten Hoffmann-Ritterbusch und dem die Fusion organisierenden Kulturkosmos entbrannt. Grund für den Disput war die Tatsache, dass das Sicherheitskonzept der Festival-Veranstalter, das die vorigen Jahre ohne größere Probleme von den zuständigen Behörden akzeptiert worden war, plötzlich auf unerwarteten Widerstand stieß.

So forderte Hoffmann-Ritterbusch unter anderem die Einrichtung einer zentralen Basis der Polizei innerhalb des Festivalgeländes sowie die Möglichkeit einer anlasslosen Bestreifung. Die Vertreter des Kulturkosmos‘ hatten daraufhin als Kompromiss vorgeschlagen, in Festivalnähe eine Polizeiwache einzurichten.

Dass dies aber anscheinend nicht die einzigen Pläne des Präsidiums waren, soll nun ein Einsatzkonzept der Polizei zeigen, das „Zeit Online“ vorliegt und auf den 12. März 2019 datiert ist. Demnach sollen 100 Beamte sowohl in Uniform als auch zivil rund um die Uhr auf dem Gelände patrouillieren.

Bereits Anfang Februar sollen dem Einsatzkonzept zufolge entsprechende Einsatzkräfte und Technik angefordert worden sein. Das kritisierte Sicherheitskonzept der Festivalveranstalter sei jedoch erst am 28. Februar eingereicht worden.

Insgesamt habe man mit einem Einsatz von rund 1.000 Beamten gerechnet, die sich aus einer Beweis- und Festnahmeeinheit, Mitgliedern einer Einsatzhundertschaft sowie einer Gruppe TMÖL-Beamter (Technische Maßnahmen Öffnen und Lösen) zusammensetzen sollten. Letztere sind normalerweise unter anderem dafür verantwortlich, Demonstranten und Demonstrantinnen, die sich in Gleisbetten angekettet haben, loszuschneiden. Auch Räumpanzer und Wasserwerfer seien dem Konzept zufolge fest eingeplant gewesen.

Einer Sprecherin der Polizei Neubrandenburg zufolge hänge das Ausmaß des tatsächlichen Einsatzes stark davon ab, für welche Aktion man sich situationsbedingt und in Absprache mit den Fusion-Veranstaltern entscheide.

Zusätzlich sorgt nun eine auf Anregung des Polizeipräsidiums Neubrandenburg verfasste Bachelorarbeit für Unmut unter den Festivalliebhabern. Laut „Zeit Online“ sei zwischen Januar und April 2019 von einem Studenten der Polizeifachschule eine Abschlussarbeit verfasst worden, die sich mit der Möglichkeit eines polizeilichen Eingriffs bei dem Lärzer Musikfestival auseinandersetzt.

Die Arbeit samt ungeschwärzter interner Unterlagen des Veranstalters soll von dem Verfasser an seinen Dozenten übergeben worden sein. Dieser unterrichte jedoch nicht nur an der Polizeifachhochschule, sondern sei außerdem ein wegen gefährlicher Körperverletzung verurteiltes ehemaliges AfD-Mitglied.

Der Kulturkosmos hatte sich zuletzt am 8. Mai 2019 in Form einer offiziellen Pressekonferenz ausgiebig zu seiner aktuellen Auseinandersetzung mit Hoffmann-Ritterbusch geäußert.

Das Fusion Festival findet seit 1997 jährlich auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Lärz statt. 2017 legte der Kulturkosmos eine kurze „Kreativpause“ ein, um einige strukturelle und bauliche Änderungen auf dem Festivalgelände realisieren zu können. Ob das Festival auch dieses Jahr wie geplant vom 26. bis 30. Juni stattfinden kann, soll sich noch in diesem Monat klären.


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