Jahresrückblick K-Pop: Diese 10 Songs waren 2021 wichtig

BTS – „Permission To Dance“

Schon im letzten Jahr brachte die komplett englischsprachige Single „Dynamite“ BTS endlich das internationale Airplay, das sie schon lange verdient hätten. 2021 legten sie mit „Butter“ und „Permission To Dance“ nach. Letzteres durften sie sogar in den Heiligen Hallen der Vereinten Nationen performen. Neben Jenna Andrews und Stephen Kirk, die schon „Butter“ mitgeschrieben hatten, war beim Songwriting von „Permission To Dance“ auch Ed Sheeran beteiligt – was natürlich für Schlagzeilen sorgte und den wohl sichtbarsten Brückenschlag zwischen koreanischer und angloamerikanischer Popmusik lieferte. Bis dann wenig später Coldplay die Band für „My Universe“ ins Boot holten. Zur Promotion der Singles waren BTS in den Staaten präsenter als in ihrer Heimat – und krönten die erfolgreiche Eroberung mit ihren Konzerten in Los Angeles Anfang Dezember, bei denen sich große Teile der US-Prominenz tummelten.

Twice – „The Feels“

Auch Twice, die in Südkorea seit Jahren zu den erfolgreichsten K-Pop-Bands zählen, veröffentlichten ihre erste komplett englischsprachige Single „The Feels“, die sie live im US-amerikanischen Frühstücksfernsehen vorstellten. Ihre Produktionsfirma JYP kooperiert seit 2020 mit dem zu Universal gehörenden Label Republic Records und will Twice auch auf dem US-Markt etablieren. Mit Songs wie diesem könnte es klappen: „The Feels“ ist ein unwiderstehlicher Zuckerschock, der wohl den meisten ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte – ob man das nun will oder nicht. Das neue Album von Twice „FORMULA OF LOVE: O+T=<3“ ist überhaupt recht gelungen und hat noch den ein oder anderen Single-Kandidaten in petto.

Stray Kids – „God’s Ddu-Du-Ddu-Du“

Stray Kids haben 2021 einige Banger rausgehauen: „Thunderous“, „Cheese“, „Domino“ … und sie alle könnten in dieser Liste sein. Geschafft hat es ein Mash-up des Stray-Kids-Songs „God’s Menu“ und Blackpinks „DDU-DU DDU-DU“, performt in der TV-Competition „Kingdom“. Das Lied war nur der Auftakt dieses Jahr zu dem, was Stray Kids schon zuvor, aber vor allem danach zu ihrer Stärke gemacht haben und womit sie aus der Masse hervorstachen: unfassbar gut orchestrierte und unterhaltsame Live-Performances. Denn was wirkt wie ein Musikvideo aus mehreren Takes, wurde exakt so live aufgezeichnet. Gerade in Zeiten, wo noch immer der Großteil der Zuschauerinnen und Zuschauer vor einem Bildschirm sitzt, macht sich das bezahlt. Während andere Bands vor großer Videowand tanzen und ein bisschen Nebel pusten, bringen Stray Kids das komplette Programm mit: Requisiten, Bühnenbild, Tänzer, AR, Feuer und Witz. Vor allem bei den diesjährigen MAMAs fielen diese unterschiedlichen Niveaus deutlich auf. Das Gute: Selbst ohne alle Gimmicks gehören Stray Kids mit ihrer Energie zu den Top-Performern der K-Pop-Welt. Und nicht zu vergessen natürlich, wie Stray Kids Ryan Reynolds durch das Aufgreifen von Deadpool als Figur als Fan gewinnen konnten und dadurch noch mehr internationale Aufmerksamkeit gewannen.

Lisa – „Money“

Eine Hälfte von Blackpink machte sich 2021 relativ rar. Oder besser gesagt: Jisoo und Jennie konzentrierten sich eher auf den Prominenz-Influencerinnen-Lifestyle und traten als Models ihrer exklusiven Partner-Brands Chanel und Dior in Erscheinung. Dafür erlebten aber Rosé in der ersten und Lisa in der zweiten Jahreshälfte die Raketenstarts ihrer Solokarrieren. War natürlich klar, dass Songs von Blackpink-Mitgliedern erfolgreich sein werden, aber in welchem Maße erstaunte dann doch. Während Rosé auf „On The Ground“ und „Gone“ K-Pop mit US-Gitarrenpop zusammenbrachte, traf Lisa mit ihrer Lead-Single „Lalisa“ und dem noch stärkeren Rap-Track „Money“ einen Nerv und den richtigen Sound zur Zeit. Vor allem „Money“ entwickelte sich durch Lisas Choreografie und ihre Rap-Skills zum TikTok- und YouTube-Hit.

Hyuna & Dawn  – „Ping Pong“

Einer der besten und verrücktesten K-Pop-Hits kam in diesem Jahr aus dem Hause P Nation – dem Label von „Mr. Gangnam Style“ Psy. Aber „Ping Pong“ von Hyuna und Dawn ist nicht nur wegen seines crazy Videos und dem quietschig-genialen Songwriting spannend. Die beiden sind nämlich seit Jahren ein Liebespaar und wurden wegen dieser Beziehung von ihrer ehemaligen Produktionsfirma vor die Tür gesetzt. Außerdem tanzte Hyuna einst an der Seite von Psy im Clip zu „Gangnam Style“, dem bis dato erfolgreichsten K-Pop-Video aller Zeiten. Psy holte Hyuna und Dawn auf sein neu gegründetes Label, weil er – so sagte er in einem Interview – sich „gerne mit guten Freunden“ umgibt und beide ausgezeichnete Perfomer*innen seien. Das sieht man in diesem Clip sehr deutlich – ein überdrehtes „Ping Pong“-Spiel und ein Liebeslied der etwas anderen Art.

Aespa – „Savage“

Die neue Generation der koreanischen Girlgroups steht schon bereit: Aespa haben mit ihren bisherigen Lead Singles „Black Mamba“, „Next Level“ und „Savage“ schon den ein oder anderen Klickrekord gebrochen – und arbeiten für die Produktionsfirma SM Entertainment an der weiteren Vermählung zwischen Virtual Reality und realem Entertainment. Bei ihrer Performance auf den Mnet Asian Music Awards (MAMA) diesen Monat teilten sie die Bühne für eine Weile gar mit ihren virtuellen Avataren. Kein Wunder, dass Grimes bekennender Fan von ihnen ist und ihrem Manager nach eigener Aussage ständig Mails schreibt, ob man nicht mal was zusammen machen könne. Bei all dem opulenten Futurismus und dem cleveren Move in Richtung Gaming Community, sind aber vor allem die viele Haken schlagenden Songs das Rückgrat ihres Erfolgs. Schon „Next Level“ war ein absoluter K-Pop-Hit, mit „Savage“ springen sie nun gar noch einen Level weiter – um im Bild zu bleiben.

TXT – „0X1=LOVESONG (I Know I Love You) feat. Seori“

Wie wandelbar K-Pop sein kann, haben wir ja bereits in diesem Artikel erläutert. TXT haben in diesem Jahr mit ihrer Ästhetik und mit ihrem Sound den Emo-Faktor im K-Pop beträchtlich erhöht. Schwarze Seitenscheitel, Punk-Shirts, Chucks an den Füßen, schwarze Röhrenhosen – alles dabei, was schon in den Nullerjahren funktionierte. Aber warum auch nicht? Immerhin sind Emo und Pop-Punk überall wieder auf dem Vormarsch – und wenn dabei so catchy Songs rauskommen wie der nicht sehr handlich betitelte „0X1=LOVESONG (I Know I Love You) feat. Seori“, kann man sich ja nun wirklich nicht beschweren.

IU – „Celebrity“

Ihr diesjähriges Album „Lilac“ sei laut IU ein Abschied von ihren 20er-Jahren und ein optimistisches „Hello“ für ihr Leben in den Dreißigern. Lee Ji-eun, wie IU bürgerlich heißt, veröffentlichte ihr Debütalbum „Growing Up“ im Jahr 2009 und ist bis heute mit jedem Album verlässlich in den höheren Regionen der K-Pop-Charts unterwegs. Dabei macht die Schauspielerin und Sängerin eigentlich weiterhin das, was sie schon immer machte: eingängige, warm gesungene, verlässlich catchy geschriebene Popmusik. Mit „Coin“, „Lilac“ und „My Sea“ hätte IU auch noch weitere Favoriten für diese Liste auf dem Album – wir haben uns aber für „Celebrity“ entschieden. Gerade weil dieser Song sehr charmant ein Wort thematisiert, das man auch ihr zuschreiben kann: IU ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten Südkoreas – und wirkt dabei doch in jedem ihrer Videos immer wieder nahbar, charming und auf entspannte Weise selbstsicher in allem, was sie tut.

Stayc – „Asap“

Auch wenn bei K-Pop in diesem Jahr viele wieder zuerst an BTS dachten: 2021 war ein Jahr, das auch und vor allem von Frauenbands in Schwung gehalten wurde. Neben den schon in dieser Liste genannten, die schon eine Weile länger im K-Pop-Game sind, schafften es einige erst 2020 gegründete Bands mit ihren Songs und Konzepten zu punkten. Neben Weeekly sind dabei vor allem Stayc zu nennen, die beide auf überdrehte College-Optik, Lila-Pink-Overkill und Dauerlächeln setzen. Diese betont „sweete“ Inszenierung, von der sich Bands wie Itzy und Blackpink immer mehr verabschieden, scheint also immer noch sehr gut zu funktionieren. Zumindest wenn sie mit guten Songs einhergeht: „ASAP“ zum Beispiel, dessen Titel einen ja eher an Arbeit denken lässt, ist einer jener Songs, die sich so charmant ins Ohr wurmen, dass man sie nicht mehr loswerden will. Und gleich noch mal hören muss. ASAP.

Shinee – „Don’t Call Me“

Rote Haare, offen zur Schau gestelltes Sixpack, Cowboy-Hut. So beginnt das Musikvideo zu „Don’t Call Me“. Dazu ein moderner Sound, der sich trotz seiner Eingängigkeit von den unzähligen Hits anderer Boygroups im K-Pop abhebt. Doch nicht wegen der Ästhetik oder der griffigen englischen Catch-Phrases ist dieses Lied in dieser Liste. Sondern weil Shinee mit diesem Comeback nach drei Jahren Band-Pause (zwischenzeitlich hat vor allem Lee Taemin solo die Fahne hochgehalten) beweisen, dass auch Pop-Bands in Würde altern können. Vielleicht ist es zu früh bei vier jungen Männern um die 30 von Altern zu sprechen, doch vergleicht man Shinee mit ihren nur unwesentlich älteren Label-Kollegen von Super Junior, ist es umso beeindruckender, wie sie es schaffen, ihren viel jüngeren Kollegen und Rivalen in Sachen Style, Tanz und Performance in nichts nachzustehen – ohne sich dabei lächerlich zu machen. Nach 13 Jahren Band-Geschichte, dem Tod eines Mitglieds und drei abgeschlossenen Militär-Diensten ist das keine einfache Sache. Shinee zeigen, was möglich ist und was auch für andere K-Pop-Bands, die gerade erwachsen werden, abseits von Spaß-Musik oder schmalzigen Balladen möglich sein kann.


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