Kool Savas im Video-Interview: „Ich habe nie zugelassen, dass andere definieren, wer ich bin“

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Kool Savas brauch man eigentlich niemandem mehr vorzustellen. Der in den frühen 2000ern selbst ernannte – und anschließend von der Deutschrap-Szene anerkannte – „King of Rap“ hat sich längst seinen Platz in den Annalen deutscher HipHop-Geschichte gesichert. Dieses Jahr feierte der Rapper nicht nur die Premiere seines ersten Buchs „King of Rap: Die 24 Gesetze“, sondern auch das zehnte Jubiläum seines Albums AURA (2011), das ihm seine erste Goldene Schallplatte bescherte.

Hat sich seither an Kool Savas‘ Herangehensweise ans Songwriting etwas grundlegend geändert? Im Zoom-Interview trafen wir den Rapper, der nie müde wurde lyrisch auch unter der Gürtellinie auszuteilen, gut gelaunt in gemütlicher (und vorweihnachtlicher) Wohnzimmeratmosphäre an. Ein Gespräch über seine neu gewonnene Entspannung beim Rappen, seinen Wunsch Hörer*innen zu motivieren und sein Interesse an digitaler (und analoger) Kunst.

Kool Savas und Sängerin Alies bei den Aufnahmen zu dem Song „King“ (Quelle: Jägermeister)

„Ich bin heute viel entspannter beim Songwriting“

Battle-Rap und Competition waren immer ein großer Bestandteil von Savas‘ Musik. Auch wenn sich der Rapper inhaltlich nie ganz von diesem Ansatz verabschiedet hat, scheint bei ihm mittlerweile Ruhe und Frieden eigekehrt zu sein. Bei den immer noch erfolgreich zirkulierenden Deutschrap-„Beefs“ hat er keinen Anteil. Auch sein „King“-Mindset nutzt er heute, um andere Menschen zu inspirieren.

Im Rahmen eines neuen Song-Projekts namens „King“ , das in Zusammenarbeit mit Jägermeister entstand, lud Kool Savas seine Fans ein, die Hook mitzusingen und Teil des Musikvideos zu sein. Dafür nötig waren weder teures Studioequipment, noch Gesangstalent, sondern lediglich ein Smartphone und ein wenig Mut. Die Co-Creation von Savas und seiner Community ist nun draußen und die selbstbewusste Message des Tracks wird von hunderten Fans, dem „Meisterchor“, mitgesungen: „Mir egal, was du denkst/ wer ich bin/ denn für mich/ für mich bin ich King.“

Die Idee dazu entstand wohl bei der Lektüre seines Buches und einer Rekapitulation seines Karriere-Starts:

„Ich wurde zwar nie wirklich gemobbt, aber leider haben aufmunternde Worte auch irgendwie gefehlt. Sogar meine Freunde haben mir gesagt, dass das nichts wird mit der Musik. Glücklicherweise habe ich mich nie so klein gefühlt, wie die mich gesehen haben.“

Es sei nun an der Zeit, etwas zurückzugeben und junge Menschen zu motivieren, an sich selbst zu glauben. Seine Ausflüge in die Popmusik seien dabei kein Mittel zum Zweck, sondern durchaus ernst gemeint.

Kool Savas verbrennt seinen eigenen Text und macht daraus NFT-Kunst

Ein wenig verbrannte Erde hinterlässt Savas am Ende doch. Beziehungsweise Asche. Vor laufender Kamera ließ der Rapper das originale Textblatt zu seinem Song „King of Rap“, der ihn in den frühen 2000ern deutschlandweit bekannt machte, in Flammen aufgehen. Der Hintergrund: Die Vernichtung des physischen Originals steigerte den Wert des Texts als NFT (Non-Fungible Token), was ein vom Künstler authentifiziertes, digitales Kunstwerk beschreibt. Anschließend wurde der Text im Rahmen einer Auktion für 30.000 Euro versteigert und für 150.000 Euro weiterverkauft. Zusammen mit Cro betrat Kool Savas hierzulande mit der Aktion erstmalig die Welt des digitalen Kunsthandels.

 

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Einige Fans zeigten sich schockiert von der Aktion und warfen Savas vor, „Kulturgut“ zerstört zu haben. In diesem Zusammenhang verriet uns Savas im Interview, was ihn an der Welt der NFTs fasziniert und wie er mit der Kritik umgeht:

„Ich verstehe die Kritik zum Teil (…) Aber die letzten Jahre hat sich niemand für dieses Textblatt interessiert und niemand wollte das kaufen (…) Ich werde jetzt nicht alle meine Texte verbrennen, aber es war ein Statement und viele Leute wurden zum ersten Mal an das Thema herangeführt. In ein paar Jahren wird es völlig normal sein, digitale Kunst und ihren Wert in dieser größtenteils noch analogen Welt zu akzeptieren.“

Kool Savas‘ letztes Album AGHORI erschien am 19. Februar 2021. Sein Buch „King of Rap: Die 24 Gesetze“ erschien im September 2021.

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