ME CD Nr. 0810


Mit den neuen Singles von The Gaslight Anthem und The Magic Numbers. Dazu Lieblinge wie Wolf Parade und Stars – und der englische Chartstürmer Plan B.

1. Plan B

„Welcome To Hell“

Wenn das mal nicht, neben Vuvu-Getröte, der Sound des Jahres wird: Grimesoul. Plan Bs zweites Album THE DEFAMATION OF STRICKLAND BANKS verdrängte in seiner ersten Woche im UK-Handel gleich mal die von so vielen so sehnsüchtig erwarteten MGMT und die zumindest von vielen Geschmacksverwirrten sehnsüchtig erwarteten Scouting For Girls, debütierte auf Platz eins und verkauft sich seither wie Amy Winehouse zu ihren besten Zeiten.

Story S. 23, Albumkritik S. 101

2. The Gaslight Anthem

„American Slang“

Die Indie-E-Street-Band. Von wegen! „Es gibt schon ein paar [Springsteen

Story und Albumkritik ME 7/10

3. Stars

„I Died So I Could Haunt You“

Die Kanadier werden ja unbeirrbar als Indie-Band wahrgenommen – und behandelt: Bis heute werden sie in überschaubare Kellerclubs gebucht. Dabei machen sie doch definitionsgemäßen Pop und gehören deswegen ganz woanders hin: in die Pop-Charts, in die Popradio-Playlisten, auf Pop-Möbel wie Thomas Gottschalks Sofa, in die für Popstars errichteten Arenen.

Albumkritik S. 102

4. Wolf Parade

„Cloud Shadow On The Mountain“

Der Erfolg gab ihnen Recht: Das letzte Album der Kanadier, AT MOUNT ZOOMER (Platte des Monats im ME 7/2008), markierte eine Abkehr vom Indiefolk ihrer Frühtage. Synthesizer drängten in den Vordergund, Progstrukturen weichten die herkömmlichen Strophe-Refrain-Strophe-Muster auf. Und jetzt? Mehr davon! EXPO 86 ist noch vertrackter als sein Vorgänger, dunkler, härter, wilder. Wie wenn die Hidden Cameras mit den Sisters Of Mercy saufen gehen. Wohl bekomm’s!

Story S. 10, Albumkritik S. 104

5. Zpyz

„WTF“

Unsere heißeste Newcomerempfehlung des Monats: Ein Berliner Duo, das sich bei Bloc Party, Digitalism, Roxy Music und Chromeo bedient und daraus hypnotischen, großen Pop bastelt. Der Bandname hat übrigens nichts mit Spies, sondern mit Spice zu tun. Genauer: mit den Spice Girls. Denen zollen die Berliner Tribut. Und zumindest eins kann man den Gewürzmädchen lassen: Wenn schon nicht hypnotischer, dann war das teilweise zumindest durchaus großer Pop.

Radar S. 24, Albumkritik S. 104

6. Teenagersintokyo

„Peter Pan“

Teenager sind die Elektro-Popper mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren nicht mehr. Und mit Tokio haben sie auch nicht viel zu tun, alle fünf stammen aus Sydney. Aber ein solcher Name sorgt natürlich für Aufmerksamkeit, und so wurden die Newcomer bereits ins Vorprogramm ihrer Vorbilder The Slits und von CSS gebucht.

Radar S. 25, Albumkritik S. 103

7. The Magic Numbers

„The Pulse“

Warum ihr tolles Debüt THE MAGIC NUMBERS 2005 als „Instant Classic“ gefeiert und sogar für den Mercury Music Prize nominiert wurde, doch das ebenso tolle Nachfolgewerk THOSE THE BROKES nur ein Jahr später sang- und klanglos unterging, damit sollte sich mal die Forschung beschäftigen. Nach vier Jahren wagen die Briten nun ein Comeback mit THE RUNAWAY, das wieder mal alles richtig macht. Jetzt muss nur noch die plattenkaufende Öffentlichkeit mitspielen.

Albumkritik S. 99

8. Roman Fischer

„Lightscapes“

Ganze vier Jahre sind vergangen seit Herrn Fischers letztem Album personare, damals Platte des Monats bei uns. Jetzt legt der gebürtige Bayer und seit geraumer Zeit Wahlberliner nach. Über das stolz Roman fischer benannte Album sagt er: „Die Platte repräsentiert für mich die Großstadt an sich: schnelllebig, aber trotzdem abwechslungsreich und unglaublich bunt.“

Story S. 16, Albumkritik S. 94

9. Sweet Apple

„Do You Remember“

Dreckiger Glamrock von der neuen Band um Dinosaur-Jr.-Legende J. Mascis. Wobei das „um“ hier nur aus marketingtechnischen Gründen steht. Eigentlich ist Mascis bei Sweet Apple vorrangig Schlagzeuger und eigentlich ist das die Band von und „um“ Sänger John Petkovic. Er und Gitarrist Tim Parnin spielen hauptberuflich bei Cobra Verde, die 1997 als Robert Pollards Backingband an dessen Guided-By-Voices-Rockoper MAG EARWHIG! mitwirkten.

Story S. 16, Albumkritik S. 102

10. Superpunk

„Babylon Forever“

Der Closer des aktuellen Albums der Hamburg/Berliner, DIE SEELE DES MENSCHEN UNTER SUPERPUNK, auf dem sie sich mal wieder ungeniert durch die Klassiker der Rockgeschichte spielen: „Ford Escort“ ist „Louie, Louie“, „Das waren Mods“ ist „I Can’t Explain“, „Ich bin nicht so wie jeder andere auch“ ist „I’m Not Like Everybody Else“. Und „Babylon Forever“ ist: genauso unterhaltsam.

Albumkritik ME 6/10