Highlight: Die besten 4K-Fernseher für Netflix, Amazon Prime Video & Co.

Kommentar

Sky, wir müssen jetzt sofort über die Zukunft reden

Wir nutzen die Mediatheken von arte, ARD oder auch ZDF. Wir haben Netflix– und Amazon-Prime-Accounts, demnächst könnten noch Disney+ und Apple TV+ dazukommen. Eigentlich sind wir gut bedient. Warum also noch ein Sky-Abo?

Das Kostenproblem

Für den Pay-TV-Sender muss eine Stange mehr Geld als für die gängigen Streaminganbieter bezahlt werden – zumindest, wenn man neben Filmen auch das Serien- und Sportangebot nutzen möchte. Zum Vergleich: Ein Account bei Netflix kostet zwischen 7,99 und 15,99 Euro, Amazon Prime Video bekommt man entweder für einen Jahresbeitrag von 69 Euro beziehungsweise auch für 7,99 Euro, wenn man pro Monat bucht. Alles sehr übersichtlich. Sky dagegen hat gleich mehrere Paket-Modelle, die auch immer mal wieder zum sogenannten Aktionspreis zu kriegen sind und deshalb unterschiedlich ausfallen. Eine Intransparenz, die besonders bei langjährigen Kunden zum Gefühl geringerer Wertschätzung führt.

Sucht man momentan nach dem Betrag, der beispielsweise für das Komplettpaket Sky Q hingeblättert werden muss, findet man den Aktionspreis 39,99 Euro – anstatt der wohl sonst fällig werdenden 69,99 Euro. So ein Batzen Geld fühlt sich selbst für die größte Film-, Serien- und Sportauswahl keineswegs zeitgemäß an. Aber Sky ist auch das Urgestein, das es schon weit vor den gängigen Streamingdiensten gab (Netflix und Amazon Prime Video zum Beispiel starteten erst 2014 in Deutschland). Schließlich wurde es schon 1991 gegründet, damals noch unter dem Namen Premiere. Doch das Luxusgefühl, das die diversen Inhalte früher ausstrahlten, hat der Sender abseits seiner Sportrechte mittlerweile eingebüßt.

Klar, unter dem Namen Sky Ticket, das vor 2016 noch Sky Go hieß, bietet Sky ein monatlich kündbares Abomodell für 9,99 Euro an, mit dem man zu überschaubarerem Preis ein bestimmtes Segment – Serien oder Filme – streamen kann. Aber dort fangen die anderen Probleme erst an.

Das Technik-Problem

Speziell zum Start der neuen, achten „Game of Thrones“-Staffel lief viel schief. Die HBO-Serie wurde exklusiv von Sky für den deutschen und österreichischen Markt eingekauft. Doch statt eines reibungslosen Ablaufs, kam es aufgrund der hohen Nutzerzahl vermehrt zu technischen Problemen. Auffällig viele Neukunden, die sich extra für „Game of Thrones“ Sky Ticket zugelegt hatten, konnten sich gar nicht erst einloggen oder scheiterten beim Eintippen des nicht funktionierenden Jugendschutzcodes (der in der Regel dem vorab gewählten Passwort gleicht).

Viele konnten bei der ersten Folge auf ihrem Laptop oder Handy nicht von Deutsch auf Englisch switchen, was den Fans der Serie natürlich gar nicht gefiel. Selbst wenn die Plattform nicht gerade rekordverdächtige Zugriffe hat, war es nicht möglich, gleich zu Beginn einen Inhalt im Original mit deutschen Untertiteln zu schauen. Etwas, das im Jahr 2019 eigentlich völlig normal sein sollte. So wie es auch Fakt sein müsste, dass ein Stream ohne Unterbrechung läuft. Doch speziell während der ersten drei Folgen kam es immer wieder beim „GoT“-Schauen zum Buffern. Nach Luxus fühlen sich solche elementaren Probleme sicher nicht an. Gegenüber „Handelsblatt Online“ versicherte der Leiter der Sportkommunikation (!), Dirk Grosse: „Es ist wie bei einem Flugzeug, wenn der Kapitän sagt, dass man wegen eines technischen Problems nicht abheben kann. Dann muss jedes Schräubchen gecheckt werden.“

Doch woran liegt das Tech-Dilemma? Hier schreit alles förmlich „veraltetes Contentsystem!“ Seitdem Sky im Jahr 2009 Premiere ablöste, übernahm man den Kundenstamm sowie auch die Technik. Danach scheint sich nicht viel mehr getan zu haben. Immer wieder kommt neuer Content und Traffic dazu, der das System zur Überlastung bringt. Gegen die Überlastung wird im Folgenden versucht schnellstmöglich vorzugehen, aber die geringfügigen Anpassungen ändern nicht das Grundproblem. Ein neues System müsste aufgesetzt werden, sodass es eben nicht mehr wie bei manchen „GoT“-Guckern zu zwei Stunden Fehlermeldungen kommt.

Das Problem mit der Benutzerführung

Den Nutzern sollte speziell ein leicht zu bedienendes und logisches Menü geboten werden. Wer aktuell eine neue Folge einer Serie auf dem Apple TV (in der tvOS-App von Sky Q) schauen möchte, der muss jedes Mal von vorne anfangen. Was heißt: Man wird zunächst zur Staffelübersicht geführt, muss dann wieder auf die gewünschte Season und weiter auf die nächste Folge klicken. Ein gutes Gedächtnis ist hier von Vorteil. Eine Merk- oder Favoritenliste gibt es nicht auf der Startseite. Lediglich wer einmal mitten in einer Episode oder in einem Film stoppt, wird beim erneuten Starten der App gefragt, ob er fortsetzen möchte. Also vielleicht immer etwas früher stoppen, um sich das nervige Gesuche zu sparen?

Außerdem muss immer wieder aufs Neue auf Englisch umgeskippt werden, wenn man keinen Bock auf die standardmäßige deutsche Einstellung hat. Hier kann sich das System ebenfalls nichts merken. Aber auch die Menüführung gleicht einem Labyrinth. Es kann nur geswipt werden. Wie hilfreich da eine Zurücktaste wäre! Wer hier unter fünf Minuten zum gewünschten Inhalt kommt, sollte einen Pokal gewinnen. Oder ein neues Abo-Paket. Denn wer sich nicht für teures Geld für die Alles-Inklusive-Variante entschieden hat, darf sich eh nur durch eine Kategorie wühlen. Auch so eine Sache, die mächtig altbacken daherkommt.

Das Problem mit der Einstellung

Nur einschränkende Abo-Pakete mit wenig transparenten Preisen und beständige Fehlermeldungen lassen Sky wie einen tattrigen Opa wirken, der die Zeichen der Zeit nicht zu deuten weiß. Während die verschiedenen Streamingmodelle wie Unkraut aus dem Boden schießen und sich beim Kostenpunkt jeweils zu unterbieten versuchen, scheint Sky den Konkurrenzkampf nicht zu bemerken. Oder nicht darauf eingehen zu wollen. Sky tritt auf, als hätten sie wie 1991 noch eine Art Alleinherrschaft über Filme, Dokus, Serien, Sport und Reality TV. Sie agieren ganz nach dem Motto: „Wir haben das schon immer so gemacht, wieso jetzt also etwas ändern?“

Dabei sollte erst einmal ein neues Contentsystem, eine intuitivere Menüführung und danach ein klar kommunizierter und für den gesamten Inhalt geltender, mindestens aber durschaubarerer Abo-Preis festgelegt werden. Wenn das geschehen ist, kann sich auch mehr dem Feld der Eigenproduktionen gewidmet werden. Netflix und Amazon Prime Video sind bei internationalen Preisverleihungen regelmäßig mit ihren dabei – Sky könnte sich hier ebenfalls breiter aufstellen. Mit „Babylon Berlin“, „Das Boot“ und „Der Pass“ haben sie bisher drei deutsche eigene Serien am Start, die immer wieder gut in der Kritik wegkommen und auch mal über eine durchwachsene Serie wie „8 Tage“ hinwegschauen lassen, sogenannte paneuropäische Sky Originals wie „Chernobyl“, „Riveria“, „Gomorrha“, „The Young Pope“, „Britannia“ und „Patrick Melrose“ stehen ebenfalls im Programm. Wenn die Eigenproduktionen weiter ausgebaut würden, hätte der Pay-TV-Sender auch wieder ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal.


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