Missbrauchsvorwürfe: Hollywood-Stars läuten Woody Allens Untergang ein

Während einer Interview-Runde zum aktuellen Stand der „Time’s Up“-Kampagne, die sich gegen sexuelle Belästigung in den USA und vor allem im Showgeschäft einsetzt, sagte Natalie Portman einen kurzen Satz, der den Druck auf Regisseur Woody Allen in Zukunft deutlich erhöhen wird: „I believe you, Dylan“.

Oprah Winfrey, die bei den Golden Globes eine mitreißende Rede für Gleichberechtigung und gegen sexuellen Missbrach gehalten hat, moderierte die Runde, in der unter anderem auch Reese Witherspoon und Lucasfilm-Präsidentin Katheleen Kennedy saßen.

Natalie Portman

Das Gespräch kam – ganz bestimmt nicht zufällig – nach einigen Minuten auf Woody Allen und dessen Adoptivtochter Dylan Farrow, 28. Farrow wirft dem Regisseur vor, sie im Kindesalter sexuell missbraucht zu haben. Woody Allen war bis 1992 mit der Schauspielerin Mia Farrow verheiratet, schon im Sorgerechtsprozess nach der Scheidung warf Mia Farrow Allen vor, die gemeinsame Adoptivtochter missbraucht zu haben.

Beweise dafür gibt es nicht, nur erschütternde Vorwürfe seitens der Familie Farrow, die seit Jahren immer wieder versucht, Allens angebliche Straftaten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „So lange ich mich erinnern kann, hat mein Vater Dinge getan, die ich nicht mochte“, sagte Dylan Farrow beispielsweise in einem Interview 2014.

Allens leiblicher Sohn, Ronan Farrow, war dazu einer der ersten Journalisten, die im Oktober 2017 den Skandal um Harvey Weinstein publik machten. Seine Motivation hinter der Recherche begründete er auch in den Vorwürfen, die seine Schwester Dylan dem gemeinsamen Vater Woody Allen macht.

Allens Ruf ist seit Jahren schon beschädigt, viele A-Liga-Schauspieler arbeiten aber immer noch mit dem Regisseur zusammen – allein schon aus der Unschuldsvermutung heraus. Oder der Aussicht auf Awards-Nominierungen.

Doch werden immer mehr Stimmen gegen Woody Allen laut. Wenn Natalie Portman nun sagt, dass sie Dylan Farrow glaubt, dann stellt sie sich öffentlich gegen den Regisseur. Die anderen Frauen in der Runde schlossen sich mehr oder weniger ausdrücklich an. „Is time really up?“, fragte Dylan Farrow in ihrem Tweet und bezog sich auf Woddy Allen. „Grey’s Anatomy“-Schöpferin Shonda Rhimes antwortete mit einem „I hope so“, das wenig Interpretationsspielraum lässt. Dass sich die Frauen vor laufender Kamera gegen Allen stellen, könnte der Anfang vom Ende der Karriere Woody Allens sein. Sofort nach Ausstrahlung solidarisierten sich etliche Personen mit Dylan Farrow.

Stars distanzieren sich von Allen

Meldungen von Schauspielern, die sich von Allen distanzieren, häuften sich zuletzt. Timothée Chalamet, Hauptdarsteller in „Call Me By Your Name“, hat eine Rolle in Allens kommendem Film „A Rainy Day in New York“ übernommen. Am Montag hat der Schauspieler nun angekündigt, seine Gage aus dem Film an eine gemeinnützige Organisationen zu spenden, darunter auch an „Time’s Up“ und einen weiteren Verein, der sich für die Opfer von Vergewaltigungen einsetzt. Auf Instagram erklärt er seinen Schritt und seinen Lernprozess, der durch die #metoo-Bewegung bei ihm eingesetzt hat:

Zuletzt haben auch andere Filmschaffende, zum Beispiel Greta Gerwig und Rebecca Hall, öffentliche Statements abgegeben, in dem sie ihre Zusammenarbeit mit Woody Allen beteuern – oft aus späterer Solidarität zu den Farrows. Wenn man in Hollywood daran gemessen wird, wie viele Fürsprecher man hat, dann ist Allens Zeit langsam abgelaufen.

Woody Allen selbst bestreitet regelmäßig die Vorwürfe, mit denen er konfrontiert wird. Ermittlungen gegen ihn wurden in der Vergangenheit mehrfach eingestellt. Zuletzt hat Woody Allen vor einer „Hexenjagd“ gegen Männer gewarnt. 

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