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Musik im Kleinformat: Die MP3 wird 20 Jahre alt

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Die digitale Revolution startete in Mittelfranken: Am 14. Juli 1995 wurde am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen mithilfe einer internen Umfrage festgelegt, wie die Dateiendung des neu entwickelten Musikdateiformats MPEG Audio Layer III heißen soll: die MP3 war geboren.

Schon seit Anfang der Neunziger war daran getüftelt worden, wie man Musik ohne hörbaren Qualitätsverlust komprimieren kann, um sie anschließend über Telefonleitungen zu verschicken. Die Lösung fand sich mit dem Verfahren ISO Standard IS 11172-3. Karlheinz Brandenburg gilt als Miterfinder der MP3 und schaffte es damit sogar in die Internet Hall of Fame, obwohl anfangs nicht klar war, ob sich das neue Format durchsetzen würde. Kritiker glaubten, dass es nie ein Abspielgerät für das neue Dateiformat geben würde – wie falsch sie lagen, bewies ihnen spätestens Steve Jobs mit der Entwicklung des iPod.

Für den Siegeszug der MP3 war auch die Musik-Abspielsoftware Winamp verantwortlich. 1997 kam die flexible Shareware auf den Markt, die selbst zum Kult wurde. Musikfans verbrachten Stunden damit, Playlists auf persönlich gestalteten Playern zu erstellen. Als 2013 das Ende von Winamp verkündet wurde, konnten es treue Musikfans kaum fassen. Die MP3 bereitete Labels und Künstlern aber auch Kopfzerbrechen. 1999 startete der illegale Sharingdienst Napster, mit dem sich Musik kostenlos über das Netz beschaffen ließ. Musik in digitaler Form ist seitdem ein umkämpftes Gut, für das Plattenfirmen und Musiker seitdem sogar vor Gericht ziehen.

Die Zukunft der MP3

Der MP3-Algorithmus ist schon seit Längerem überholt. Andere Dateiformate liefern inzwischen bessere Hörqualität bei gleicher Datenrate. Trotzdem dominiert die MP3 den Markt – noch. Das Horten von Musikdateien ist im Laufe der Jahre dank zahlreicher Streamingdienst-Angebote nahezu überflüssig geworden. Selbst offline lassen sich Lieblingstracks mobil abspielen und auf in der Cloud gespeicherte Songs kann mit mehreren Geräten zugegriffen werden. Die digitale Musikbibliothek dürfte somit – wie schon damals die Vinyl-, Kassetten- und CD-Sammlung – bald nur noch ein Liebhaberstück sein.


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