Spezial-Abo

Per Crowdfunding zum Film: Ken Stringfellows Debüt als Schauspieler

von

Das Genre „Mockumentary“ dürfte mittlerweile jedem ein Begriff sein. Ein fiktiver Sachverhalt wird mit den Mitteln des Dokumentarfilms erzählt. Beispiele: Der wunderbare norwegische Fantasy-Film „Trollhunter“, der einen dafür vom Staat angestellten auf der Jagd nach Trollen durch die norwegische Einöde begleitet, Woody Allens „Take The Money And Run“ als frühes Beispiel oder, wohl am bekanntesten, die Rock-„Doku“ „Spinal Tap“. Die filmische Herangehensweise von Claudia Rorarius ist ähnlich – und doch ganz anders. Auch sie löst in ihren Arbeiten gerne die Grenzen zwischen Fiktion und Realität auf.

Doch wo Mockumentarys diese Auflösung eher als humoristisches Tool verwenden, sind die Ziele von Rorarius gänzlich andere: Sie geht gewissermaßen andersrum vor, reichert die Protagonisten eines zunächst einmal fiktionalen Stoffes mit den Charaktereigenschaften ihrer Darsteller an. Fiktion und Wirklichkeit verschmelzen. Das Motto: Mit den Darstellern so tief in den Diskurs gehen, bis deren tatsächliche Emotionen als Rohmaterial für den Film zur Verfügung stehen. Eine radikale Version des Method Actings – mit dem Unterschied, dass die eigene Biografie hier nicht Transportmittel für eine möglichst authentische Darstellung von Emotionen ist, sondern direkt in den Film einfließt.

Klingt kompliziert? Ist es eigentlich überhaupt nicht. Im Prinzip verleiht Claudia Rorarius ihren Figuren mit dieser Balance aus Schauspiel auf der einen und dem Schöpfen aus tatsächlichen Situationen und Gefühlen auf der anderen Seite zusätzliche Glaubwürdigkeit. Wie wunderbar das aufgeht, zeigte sie 2010 mit dem Roadmovie „Chi l’ha visto – Wo bist Du“, das die Geschichte eines Halbitalieners auf der Suche nach seinem leiblichen Vater nachzeichnet. Auf ein Drehbuch im klassischen Sinne wurde dabei verzichtet.

Erzählt wird von der Suche nach den eigenen Wurzeln

„Ken“ soll ähnlich funktionieren. Erzählt wird die Geschichte eines Musikers, der nach Jahren in Europa für eine Tour zurück in seine Heimat, die Vereinigten Staaten, reist – und dort plötzlich seine Stimme verliert. Aus der klar definierten Konzertreise wird also eine ganz andere. Eine, die zur Suche wird – nach den eigenen Wurzeln, nach der eigenen Herkunft, den eigenen Eltern, denn: Ken wurde adoptiert, und spätestens hier beginnt wieder Rorarius’ Wirkprinzip zu greifen. Auch Ken Stringfellow wuchs nicht bei seinen leiblichen Eltern auf und erfuhr davon erst als Erwachsener.



Welches Equipment verwendet eigentlich Robert Smith von The Cure?
Weiterlesen