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Prinz Pi und die Irrungen des Zeitgeistes

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Der Zeitgeist ist schon etwas Seltsames. Die Irrungen und Wirrungen einer Musikerkarriere spiegeln das perfekt wider: Die Anfänge im Untergrund, der Aufstieg zu einer Szenegröße, der Durchbruch bei einem größeren Publikum, das Abwenden der anfänglichen Supporter aus dem Underground, der große Mainstream-Erfolg, das dadurch bedingte Abwenden eines weiteren Teils der frühen Fans, das Abrutschen ins Uncoole. So oft gesehen bei großen (nicht nur deutschen) Musikern – und Friedrich Kautz aka Prinz Pi aka Prinz Porno ist ein perfektes Beispiel.

Kautz begann als Prinz Porno sowas von im Untergrund, dass sein erstes Album „Porno Privat“ überhaupt nie veröffentlicht wurde und nur über das Internet doch zu einem der Kultwerke der deutschen Rapgeschichte wurde. Der Rappername entstammt seinem Sprayernamen, unter Porno oder Porno One „beschmutzte“ Kautz damals Berliner Wände.

VIDEO: Prinz Porno – „Keine Liebe“


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Die Anfänge sind also an Realness kaum zu überbieten. Eigentlich. Andererseits haftete Kautz immer das Image eines Jungen aus besserem Hause an. Aufgewachsen im Besserviertel Steglitz, Absolvent eines Elite-Gymnasiums, in dem er unter anderem Altgriechisch lernte. Die anderen Berliner akzeptierten ihn, weil er ein wirklich guter Rapper war, aber so richtig wurde er nie ein Teil der Szene.

Kautz war immer ein Außenseiter. Mit seiner Liebe zu HipHop war er ja schon auf der Eliteschule umgeben von Oberschicht-Kids, die mit Graffiti und Rap wenig anfangen konnten. Als er sich davon befreite, blieb er auch im Rap der Sonderling. Doch unter Rap-Hörern gibt es auch jede Menge Außenseiter – in den Jahren um die Jahrtausendwende vermutlich sogar noch deutlich mehr als heute. Und so wurde dieser nerdige Typ mit der randlosen Brille und dem Babyface tatsächlich zu einer Identifikationsfigur.

VIDEO: Prinz Pi – „Du bist“


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Im Underground erarbeitet sich Prinz Porno eine äußert stabile Fangemeinde, gehört eine Weile dem legendären Royalbunker an, will trotzdem 2004 seine Rapkarriere beenden. Dann kommt er schon 2005 zurück und erlebt mit den Alben „Teenage Mutant Horror Show“, „Zeit ist Geld“ und „DonnerwetteR“ den ersten richtigen Höhepunkt seiner Karriere. Während in Berlin ansonsten zu der Zeit hauptsächlich mutterfickende (Möchtegern-) Gangster den Ton angeben, legt Porno Wert auf Inhalt und Message. Deshalb dann auch die Umbenennung in Prinz Pi.



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