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Interview

Musiker*innen und der ausgefallene Festivalsommer: 10 Fragen an Provinz

2020 sollte das entscheidene Jahr für sie werden: Provinz wollten ihr Debütalbum WIR BAUTEN UNS AMERIKA auf zahlreichen Festivalbühnen im deutschsprachigen Raum präsentieren. Das Southside Festival, das die vier Bandmitglieder seit ihrem 16. Lebensjahr besuchen, hatte sie dieses Jahr erstmalig im Line-up aufgenommen. Alle Freunde wären da gewesen, die Vorfreude war dementsprechend groß. Jetzt aber wohnen sie wieder Zuhause auf dem Land, sparen dadurch Fixkosten und beim Joggen treffen sie das ganze Dorf im Wald. Zehn Fragen an Vincent Waizenegger und Leon Sennewald von Provinz.

ME: Ihr seid ziemlich hart von den Festival-Ausfällen betroffen, oder ?

Leon: Ja, wir hätten auf rund 40 Festivals dieses Jahr gespielt. Das hätte uns den gesamten Sommer gefüllt von April bis September.

Die Absagen kamen für Euch so überraschend wie für alle anderen Liveacts.

Leon: Absolut. Für uns wäre es das erste, richtig große Tour-Jahr gewesen mit großen Festivals. Wir haben uns krass darauf gefreut. Die Entwicklung zu „Alles wird dicht gemacht“ und dass wir überhaupt gar nicht spielen dieses Jahr, ging sehr, sehr schnell und wirklich darauf vorbereiten konnte man sich nicht.

Welche Folgen haben die Ausfälle konkret für Eure Band ?

Vincent: Finanziell haben sie große Folgen. Wir studieren nichts, wir haben keine Ausbildung gemacht. Es ging so schnell ging mit der Band, dass wir gar keine Zeit und gar keine andere Wahl hatten. Wir haben keinen Plan B und sind daher auch angewiesen auf das Geld, aber mit Landstreicher, unserer Booking-Agentur, sind wir da echt gut aufgestellt. Die buchen schon fleißig fürs nächste Jahr und haben auch schon neue Daten für April 2021 festgelegt und je nachdem wie es jetzt aussieht, können wir spontan reagieren und sagen: „Wir verschieben alles ins Frühjahr.“ Wir hoffen natürlich, dass es nur aufgeschoben und nicht aufgehoben ist und damit auch die finanzielle Lage wieder entspannter wird.

Wie geht es Eurer Crew?

Leon: Denen geht es eigentlich noch schlechter als uns. Unser Tonmann ist wie wir Anfang 20 und hat sich gerade selbständig gemacht. Der kriegt gerade gar keine Aufträge mehr. So geht es wahrscheinlich allen anderen auch. Er hält sich jetzt anders über Wasser. Unsere Crew ist natürlich auch abhängig davon, dass wir live spielen. Dementsprechend hängt alles an einem Faden, der gerade gerissen ist.

Gibt es für Euch als Band etwas, das im Moment dringend geklärt werden muss?

Vincent: Naja, wir wollten ein Album herausbringen am 17. April. Das haben wir nun auf den 14. August verschoben, weil wir das Album live präsentieren wollten und das gehört einfach zusammen für uns. Nach aktuellem Stand ist bis zum 31. August alles dicht und ab dann könnte man wieder live spielen. Die jetzige Zwangspause überbrücken wir mit unserer neuen Single „Diego Maradona“.

Wie sieht bei Euch der neue Alltag aus in der buchstäblichen Provinz?

Leon: Wir haben viel Zeit. Wir treffen uns ganz entspannt morgens um 10:00 Uhr im Proberaum und arbeiten an Songs. Wir sind ja zwangsweise auch viel zuhause, dadurch machen wir alle ein bisschen Sport. Wenn man im Wald joggen geht, trifft man das gesamte Dorf und beim Einkaufen trifft man auch absolut jeden. Ansonsten versucht man die Zeit mit Serien, Büchern und Kochen zu überbrücken.

Befürchtet ihr, dass die komplette Existenz Eurer Band durch die Ausfälle bedroht ist?

Leon: Tatsächlich sehen wir da kein großes Risiko. Es ist ein Dämpfer, ein Einbruch und das macht alles komplizierter und es ist für uns ein blöder Zeitpunkt, weil mit dem Album alles erst so richtig losgegangen wäre. Aber am Ende des Tages verschiebt sich alles nur. Dadurch, dass wir finanziell nichts umplanen, sondern nur aussitzen können oder müssen, werden wir das auf jeden Fall gut überleben.

Man hört ja mittlerweile immer dramatischere Prognosen. Manche Expert*innen sagen sogar, dass es noch Jahre dauern kann, bis Großveranstaltungen wieder stattfinden können. Wie lange könntet ihr Euch über Wasser halten?

Vincent: Wir könnten theoretisch dieses Jahr aussetzen und dann müsste man sich schon echt was überlegen. Klar, wenn man so gruselige Zahlen hört, dann ist es natürlich sehr frustrierend. Wir hoffen einfach, dass die Coronakrise noch dieses Jahr vorbei geht. Wir haben uns aber ehrlich gesagt auch noch keine Gedanken darüber gemacht, wenn es länger als ein Jahr, vielleicht zwei oder drei Jahre so geht. Das wäre echt eine existenzielle Bedrohung, die es zwar jetzt schon ist, aber dann wäre eine andere Dimension erreicht. Dann muss man sich überlegen, wie es weitergehen kann mit der Band.

Hat Euch diese Zeit als Band auch näher zusammengebracht?

Vincent: Ich glaube schon. Auch unser ganzes Team, unser Label und Management. Der Austausch war extrem intensiv. Da haben wir auch dazu gewonnen, was den Zusammenhalt angeht. Der war zwar davor schon da, aber jetzt eben verstärkt. Alle stecken irgendwie in der selben Scheiße und man versucht eben zusammen da raus zu kommen. 

Verändert sich auch Eure Musik, weil ihr zum Beispiel mehr Zeit habt, um neuen Ideen länger nachzugehen?

Vincent: Aktuell hat man einfach mal wieder Zeit ohne Druck und ohne Hintergedanken kreativ zu sein. Wir haben unser Album innerhalb eines Dreivierteljahres geschrieben und da hieß es ständig: „Okay, neuer Song, ist er gut genug?“ Das war immer ein Abwägen, ein sehr rationales Herangehen und jetzt kann man schauen, wo es hin führt und da entstehen neue Ideen. Es ist ein Vorteil, dass die Kreativität jetzt angeregt wird durch Zeit ohne Druck. Das macht schon viel Spaß gerade. Ich weiß aber nicht, ob das unsere Musik großartig verändert.

Gibt es eine Show auf die ihr Euch besonders gefreut hattet?

Leon: Dieses Jahr wäre das Southside Festival unser Highlight gewesen, weil es unser Heimatfestival ist, wo alle mit 16 hingingen und gehen. Wir haben jahrelang schon darüber geredet, wie gern wir auf dem Southside spielen wollen und dieses Jahr war es so weit. Es wären auch viele Freunde da gewesen. Wir hatten viele, geile Auftritte geplant – aber das Southside wäre die Kirsche auf dem Sahnehäubchen gewesen.


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