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Raf Simons verlässt Christian Dior

Nach drei Jahren als Creative Director der Damenkollektionen bei Dior überrascht Raf Simons mit seinem Rückzug. Zu seinen Gründen ist offiziell wenig bekannt. Er wolle sich wieder mehr seinen persönlichen Interessen widmen (Häkeln, Steineklopfen, Gläserrücken, Gärtnerei?) – allem voran: seinem eigenen, gleichnamigen Label.

Tätig gewesen ist Raf für Dior seit April 2012, nach seinem emotionalen Abschied von Jil Sander; dem Minimalismus-Haus widmete er sieben Jahre seines Schaffens. Christian Dior wurde bis zu seiner unehrenhaften Entlassung geleitet von John Galliano – es stand für poetische, aufwendige Designs, für traumartige Visionen. Rafs Motiv, Gallianos Nachfolge anzutreten, war die Herausforderung, die er sah: Bekannt für Minimalismus und Referenzen zu Jugendkulturen, stand sein Werk eher im Widerspruch zur Identität Diors; ganz zu schweigen von seiner mangelnden Erfahrung in Womenswear und der Couture im Besonderen.

Dass Raf die gesuchte Herausforderung bewältigt hat, wird deutlich anhand der Verkaufszahlen. Um sechzig Prozent gewachsen ist der Umsatz der Damenlinie seit seiner ersten Kollektion, der der Couture um achtzehn Prozent – und das trotz (oder gerade wegen) Rafs radikal anderer Herangehensweise. In seiner Rolle bei Dior hat Raf Couture neu definiert: sie von ihrem Pomp befreit, die eigentliche Schneidekunst versteckt. In Anbetracht des Erfolgs war die Aufgabe vielleicht zu einfach.

Vielleicht aber war es Raf auch schlicht zu viel, jedes Jahr sechs Kollektionen produzieren zu müssen. Kaum zwei Monate Vorlauf zu haben für mehr als fünfzig Looks (und ihre Präsentation) war möglicherweise zu wenig für Rafs Vorstellung von Qualität, zu wenig Zeit für Kreativität.

Das Interesse an Raf Simons, seiner Person wie seiner Marke, ist gerade in den letzten fünf Jahren stark gewachsen: Wohl über A$AP Rocky hat Raf seinen Weg in die aktuelle Popkultur gefunden; wir sehen Kanye in seinen Entwürfen und Rihanna – oder wahlweise sämtliche dieser Stars auf Fotos an Rafs Seite. Fraglos wächst mit dem Interesse nicht nur die Nachfrage (Stücke aus alten Kollektionen erzielen heute horrende Preise), es wächst auch der Druck. Auch Rafs kleines Studio in Antwerpen hat in den vergangenen Jahren Zuwachs bekommen, statt mit sechs Assistenten arbeitet er heute mit zehn.

Vielleicht ist Rafs Abschied weniger verwunderlich, bedenkt man diese Fakten – überraschend ist er vor allem, weil die angekündigten Gerüchte fehlten. Vielleicht, ganz vielleicht möchte Raf einfach nur mehr Zeit in seinem Garten verbringen.

Wer die Nachfolge Raf Simons antritt, ist noch unklar.

Raf Simons winkt zum Abschied.


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