Golf Playa Holz

Styleheads/Groove Attack

Man könnte es leicht mit Ironie verwechseln, was die vier Kölner von Golf auf ihrem Debüt an Sounds und Botschaften in unsere übersättigte Welt hinausschießen. Beginnt doch alles mit einem kitschigen Keyboard-Motiv wie aus dem Asia-Restaurant. Dazu haucht Sänger André Dér einen dieser schönen, leeren Sätze, die angeblich so gut die Abgründe der Twentysomethings beschreiben: „Ich will nichts und davon viel.“ Gleich im nächsten Song, „Macaulay Culkin“, einer verschrobenen Popnummer mit leiernden Synthies, tun sich aber die ersten Brüche auf: Hier geht es nicht um den Helden der 90er-Kids, sondern um Erfolg und Misserfolg und die permanente Bewertung von außen. Anstrengend, dieses Jungsein!

Umso schöner, dass Golf diese juvenilen Befindlichkeiten in rauschenden, leichtfüßigen und souveränen Popsongs verhandeln. Sie tragen schöne Titel zwischen sexy („Rot ist die Farbe of Love“) und bodenständig („Hannover“). Sanft schäumt und gluckert die Elektronik, dazu lässige Gitarren und smarte Texte. Alles wogt im genau richtigen Midtempo zum Mitwippen – nur dass, wenn man gerade an den geschmeidigen Whitest-Boy-Alive-Sound denkt, immer irgendwas zu schräg, zu verquer ist. Das aufgekratzte Synthie-Quietschen im tollen „Ping Pong“ etwa. Oder die zerstückelten Geräusche von Klimpergeld, Telefon-Tuten und Tischtennis-Plongs.

Wenn man sich nicht eh schon verknallt hat, ist es spätestens bei der Ausreißer-Liebesballade „Laterne“ um einen geschehen: ein schwärmerisches, irrlichterndes Nachtlied mit Hall, hypnotischem Synthie-Motiv und einer Menge Witz: „Wir waren nicht lang gefahren, als die Laterne kam.“ Dass so eine Zeile romantisch klingt, muss man auch erst mal hinkriegen.


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