Highlight: I don’t like Mondays: 7 Songs, die absolut missverstanden wurden

Album der Woche

Kate Tempest The Book Of Traps And Lessons


American Recordings/Caroline/Universal (VÖ: 14.6.)

Wahrscheinlich wird man schlecht erklären können, warum gerade das vom HipHop-Altmeister Rick Rubin produzierte Album Kate Tempests über größere Strecken beatfrei bleibt. Folgen wir dem Mythos, der Rubin zu dem Mann macht, der das ultimative Ohr für die Essenz einer Musik besitzt, dann kommen wir der Sache näher. Tempest hat in Rubin eine Art Guru gefunden, der ihren Aufnahmen wie durch Handlauflegen einen neuen Weg weist.

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Ihre bisherigen zwei Alben hatten einen genreübergreifenden Ansatz, ihre Dichtkunst fiel mit dem Rumoren der Maschinen und den Beats aus der Box zusammen. Das neue BOOK der Britin beginnt mit schweren Piano-Akkorden und einer computergenerierten Chormusik, bevor Tempest von dem Tag zu berichten beginnt, der jeden Tropfen ihrer Kraft getrunken habe.

„Thirsty“ heißt das Eröffnungsstück, es kommt ohne Beat aus, Kate Tempest verleiht diesen dreieinhalb Minuten das unwirkliche Tempo eines Traumes in und mit ihren Worten. Die Frau ihr gegenüber in der Bar, die sie mit einem Feuerwerk in Zeitlupe vergleicht, die Annäherung, die keine werden soll, zwei Frauen auf dem Weg heim, keine Küsse. Dargeboten in einer Art gregorianischer Liturgie.

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Ein paar Tracks später in „Firesmoke“ begegnen wir einem Spiegelbild jener Frau, oder der Frau, die Tempest liebt, für die sie diesen Song geschrieben hat, der wiederum Beats mit sich führt, die auf einem Gitarrenloop drehen. Es gibt durchaus Bewegung in diesem BOOK OF TRAPS ANDS LESSONS, aber die elf Songs finden mehrheitlich zu einer kammermusikalischen Lesung zusammen, die Nicos DESERTSHORE näher ist als den HipHop-Roots, auf denen Tempest vor Jahren so wortgewaltig zu balancieren begann.

Sie besucht eine nostalgisch plinkernde Music Hall mit literarischen Betrachtungen über die Liebe („I Trap You“), sie produziert sich überschlagende, assoziativ verbundene Wortreihen, die uns auf eine Reise schicken, deren Ziel wir nur erahnen können: „Frankincense, Frankenstein, Francophile, Philistine, Frankly, we are killing time“ („Keep Moving Don’t Move“). Mit dem alttestamentarischen Ernst, den seine Stimme manchmal erreichte, hätte Johnny Cash diese Zeilen auch gut für Rick Rubin singen können.

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