Mine

BAUM

Virgin/Universal (VÖ: 2.2.)

Die Meisterin der Ambivalenz ist auf dem Weg zum Pop-Star.

Alexandra sang einst „Mein Freund, der Baum“. Ein gutes halbes Jahrhundert später verwandelt sich Mine gleich in den guten Freund von früher: „Ich bin so alt, ich bin ein Baum, ich gieß mich selbst, denn ich bin schlau.“ Man kann das Titelstück von BAUM – in der Tradition von Alexandras Song, der die zarten Anfänge der Ökobewegung markiert – lesen als liedgewordenen Ausdruck des heutigen Umweltbewusstseins, aber auch als persönliche Entwicklungsgeschichte.

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Genau das macht wohl Mines Kunst auch auf ihrem nun fünften Album aus: eine Ambivalenz, die sich nicht festlegen lassen will und gerade deshalb in der Breite anschlussfähig bleibt. Zweites Beispiel: „Schattig“, das ein Dialog sein könnte mit einer Politaktivist:in, aber auch eine Auseinandersetzung mit einer klaustrophobischen Beziehung. In „Staub“ verabschiedet Mine ihre Mutter ins Reich der Toten, in „Ich weiß es nicht“ denkt die schwäbische Wahlberlinerin nach über das Leben. Beides sind wundervoll elegische Balladen, karg instrumentiert mal mit Klavier und Cello, mal mit einer einsamen Orgel – aber beide klingen trotzdem üppig, fast verschwenderisch.

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Es ist nicht ganz zu erklären, wie Mine das schafft, wie ihre Sprache einerseits ganz einfach, bisweilen sogar derbe und doch immer poetisch ist, wie ihre Stimme ohne alle Vokalverrenkungen eine immense Tiefe erreicht, und wie sie auf Songkonventionen scheißt und trotzdem jederzeit großartigen, groß geschriebenen Pop konzipiert. Wenn Mine mit BAUM nicht endlich der Popstar wird, der sie schon seit 2019, also seit KLEBSTOFF, eigentlich sein müsste, dann hat es diese Welt nicht verdient gerettet zu werden, von welcher Umweltbewegung auch immer.

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