Ryan Adams Prisoner


Capitol/Universal

Nachdem er auf seinem Track-by-Track-Cover von 1989 den puren Pop der Taylor Swift in Americana und Classic-Rock-Songs übertragen hat, zeigt sich der mittlerweile 41-jährige Ryan Adams auf PRISONER nun wieder einmal sehr stark in der amerikanischen Rock-Tradition verwurzelt: Seine inzwischen 16. Platte klingt geerdet, erwachsen – und ungewohnt clean.

Für die Aufnahmen wurde Produzent Don Was ins Boot geholt, seinerseits für den Großteil der Platten aus dem Spätwerk der Rolling Stones verantwortlich. Auch in den Songs klingen Referenzen auf die ganz Großen des Genres an: Hier hört man mal Tom Petty, da 
Bruce Springsteen heraus. Textlich widmet sich Adams einem klassischen Motiv des Genres, dem Trennungsschmerz. Hoffend auf ein Wiederaufflammen der Liebe, fragt er im Opener: „Do You Still Love Me?“, singt später von der Zeit allein („To Be Without You“), nur um zu konstatieren, dass der persönliche „Breakdown“ unweigerlich bevorsteht.

Ist das Songwriting gewohnt gut, wird musikalisch hingegen zu oft auf bekannte Motive gesetzt: Den durchdringenden 80er-Rock-Sound – stellvertretend auf Songs wie „We Disappear“ und „Outbound Train“ zu hören –, haben beispielsweise The War On Drugs mit dem grandiosen LOST IN THE DREAM vor drei Jahren deutlich besser hinbekommen. Dort war es eben keine schlichte Ehrerbietung an Vergangenes, sondern auch Stück weit eine Übersetzung der Rock-Tradition in unsere Zeit. Adams schwelgt hingegen lieber nostalgisch im Gestern – und trauert somit auf dem Album nicht nur der (imaginären) Verflossenen, sondern auch den alten Tagen des Rock nach. Aber wer kann ihm das schon verübeln?


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