Skepta Konnichiwa


Boy Better Know

von

Man kann die Bedeutung von Boy Better Know kaum hoch genug einschätzen. Wir reden Wu-Tang-wichtig, UGK-wichtig, Drake-wichtig. Das Kollektiv aus London hat nicht nur Grime entscheidend geprägt – die bis heute überzeugendste lokale Adaption des großen Vorbildes aus Amerika – sondern den ursprünglichen Hip-Hop-Gedanken für eine komplett neue Generation frisch gemacht: Sei du selbst, sei immer dope, verbieg dich nicht, schon gar für irgendwelche Labelvögel oder Brandmarkungsbeauftragten.

Skepta und sein Bruder JME leben diese Maxime seit gut 15 Jahren, die letzten zehn davon als Anführer ihrer eigenen Crew BBK. Warum ihr Sound im Jahr 2016 angesagter ist als je zuvor, lässt sich nicht anders als mit einem seltenen Fall von später Gerechtigkeit erklären. Denn verändert haben sie sich über die Jahre kaum, sind allenfalls noch selbstbewusster, noch eigenständiger, noch präziser geworden. Vor allem Skepta ist in einer verblüffenden Spätform; seit zwei Jahren ist jede einzelne Strophe, jeder Auftritt, jeder neue Slang von unvergleichlicher Energie. Das hat ihm Fans auf der ganzen Welt eingebracht. Ein Konzert im Berliner Berghain war unlängst innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft, kurz zuvor hatte ein gewisser Drake auf Instagram sein neues BBK-Tattoo enthüllt – eine, gelinde gesagt, außergewöhnliche Kombination der Verehrung.

Nun ist, nach all den Jahren, Skeptas erstes offizielles Album-Album erschienen. Das von vielen erwartete Crossover-Produkt zum Hype ist KONNICHIWA nicht. Vielmehr ist die Platte ein Manifest der reinen Lehre. Statt Skeppys neuen Kumpels aus Übersee sind wichtige Figuren der Grime-Szene zu hören: Wiley, der große Eigenbrödler; D Double E, das ewig unterschätzte MC-Genie; Novelist, der Newcomer der Stunde; und natürlich die BBK-Bande, die auf „Detox“ das Mic herumreicht, als stünden sie nicht im Prüfstand der Weltöffentlichkeit, sondern in einem feuchten Keller in Ostlondon.

Auf „Lyrics“ heißt es: „Sidewinder, you got air on the roads. Eskimo Dance, you was spitting off-beat. Lord of the Mics, you was spitting that heat. But right now, your bars ain’t on fleek“. Wer keinen blassen Schimmer hat, wovon hier die Rede ist, den hat Skepta auch nicht gemeint – mit diesen Zeilen nicht und mit KONNICHIWA vermutlich auch nicht. Das Album ist keine Anbiederung an den Massenpublikum, sondern eine konsequente Weiterführung der essentiellen Ausdrucksformen des Genres. Kratzbürstige Riddims, Bars am laufenden Band, und immer wieder dieser eine Spruch, der im Rave den „Forward“ einbringt, die wichtigste Trophäe für jeden Grime-MCs.

Selbst der Song mit Pharrell fällt eher in diese Kategorie, die großen Hits der beiden letzten Jahre, „That’s Not Me“ und „Shutdown“, sowieso. Einzig dass daneben nur sieben neue Stücke zu hören sind, ist zumindest für treue Fans eine Enttäuschung. Da wartet man 15 Jahre, und dann: eine bessere EP. Aber Skepta hat sich eben noch nie groß um Erwartungen geschert. That’s not him. Und das ist, wie die Geschichte gezeigt hat, gut so.


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