Highlight: Die 50 besten Punk-Alben aller Zeiten

Slaves Acts Of Fear And Love


EMI/Universal (VÖ: 17.8.)

Nein, die zunehmende Skepsis gegenüber der stramm fortschreitenden Digitalisierung ist wahrlich nicht mehr von der Hand zu weisen. Man lese nur das jüngste Buch des US-amerikanischen Tech-Pioniers Jaron Lanier „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“, der angesichts von Datenmissbrauch und Intransparenz, Manipulation und Verdummung aufzählt.

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Ein ähnlich düsteres Bild zeichnen nun auch Slaves, die auf ihrem, nach Are You Satisfied? (2015) und Take Control (2016), dritten Album musikalisch etwas vom Gaspedal heruntersteigen, dafür aber einen Zeitgeist auseinandernehmen, in dem die Wahrung des schönen Scheins im Netz die analoge Lebensrealität längst dominiert. Gleich der Opener „The Lives They Wish They Had“ haut den Narzissten und Selfie-Posern ihre Instagram-Posen mit böser Verve um die Ohren, während in „Artificial Intelligence“ mit brachialen Riffs bereits die Machtübernahme der Maschinen antizipiert wird.

Aber es geht auch ruhiger. „Photo Opportunity“ klingt sacht im Walzertakt an, um dann als Donnerwalze über den Ennui kapitalistischer Freizeitgestaltung hinwegzufegen; das fast schon liebliche „Daddy“ leuchtet die Kluft zwischen Wunschdenken und aschgrauer Realität aus – und dann ist da ja noch der Titelsong, mit dem Slaves auf regelrecht epische Weise der Behauptung hinterherspüren, dass es so was wie Hass im Grunde ja gar nicht gibt, all unser Handeln vielmehr auf Angst oder Liebe basiere. Interessanter Gedanke eigentlich.   

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