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Taylor Swift Folklore


Taylor Swift/Universal

von

Taylor Swift, eine der erfolgreichsten Künstlerinnen im US-Pop. Aaron Dessner, einer der klügsten Köpfe des US-Indie. Dann auch noch ein Bon-Iver-Feature! Schmale 16 Stunden vor der Veröffentlichung wurde FOLKLORE von der Sängerin in ihren sozialen Netzwerken angekündigt; Dessner schob später in einem Instagram-Post ein paar weitere Informationen nach. Etwa, dass sein Bruder Bryce einige Arrangements beisteuerte und auch The-National-Drummer Scott Devendorf auf dem Album zu hören ist. Keinen ganzen Tag hatte man also, um zu spekulieren, wie dieses Album klingen würde.

Die Kurzversion: FOLKLORE klingt in etwa so, wie man sich das vorgestellt hat. FOLKLORE klingt weiterhin so, wie das Cover es vermuten lässt. FOLKLORE klingt ziemlich großartig.


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Die Langversion: Elf der 16 Songs entstanden gemeinsam mit Aaron Dessner, Jack Antonoff, der in der Vergangenheit nicht nur vielfach mit Swift zusammenarbeitete, sondern auch mit Lorde und Lana Del Rey, zeichnet für die Produktion beziehungsweise Mit-Songwriting fünf weiterer verantwortlich. Man mag die Handschrift der beiden in den jeweiligen Stücken hören, Dessners Trademark-Nichtrock mit seinem leichten Stolpern, den dezenten Störgeräuschen und Verschleppungen und dem Hang zur Dekonstruktion, schiebt sich recht tief in die Musik hinein und ist ebenso interessant wie vielfältig instrumentiert; Antonoff arbeitet behutsamer, näher an der reinen Lehre des Pop.

Auf Taylor Swifts FOLKLORE gibt es keine einzige schwache Nummer

Das „Indie-Album“, das viele vermuteten, ist es dennoch nicht geworden, Swift bleibt im Hause Swift die Chefin, die allermeisten Songs würden auch in ganz simplen Arrangements funktionieren. Was das Album aber sehr wohl charakterisiert, ihm eine Selbstverständlichkeit verleiht, die der Vorgänger LOVER nicht an jeder Stelle besaß, ist ihr Wille – nun, nicht zur Reduktion, wohl aber zu einer Besinnung auf sehr klassische Songs, denen alle Zumutungen der modernen Pop-Welt abgehen: Swift hat Lieder aufgenommen, die als schöner Fluss durch ein spätsommermüdes Zwischenreich fließen; dabei smarte, elektronisch grundierte Indierock-Varianten der vergangenen Jahre ebenso zitieren wie Neunziger-Pop zwischen den Wallflowers und Natalie Imbruglia und Folk, Kammerpop sowie Artverwandtes, vom Laurel Canyon bis ins Greenwich Village.

Mal zärteln sie („Seven“), mal erzählen sie aus dem Bauch eines längst vergangenen Amerikas („The Last Great American Dynasty“), oft berichten sie von der Liebe beziehungsweise dem, was davon so übrig bleibt. Was der Höhepunkt des Albums ist? Schwierig zu sagen, das Retrospektive, das Swifts Textarbeit prägt, führt zu vielen schönen Geschichten. Vielleicht ist es „Illicit Affairs“, die gelungenste Bilanzierung heimlicher Sexualbegegnungen seit Prefab Sprouts „The End Of The Affair“. Womöglich „August“, wo ihre Stimme im Refrain herrlich hüpfend von einer Sommerliebe singt, „sipped away like a bottle of wine“. Kann aber auch sein, dass es „Mirrorball“ ist, in dem die Rolle der Künstlerin als Projektionsfläche untersucht wird.

Ach ja, und dann wäre da ja auch noch das Bon-Iver-Feature: „Exile“ ist auch sehr gut, sitzt aber so früh auf diesem Album, dass man es am Ende schon wieder vergessen hat. Ein bisschen schade. Aber auch ein starker Hinweis darauf, dass es auf FOLKLORE keine einzige schwache Nummer gibt.


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