The Divine Comedy  Office Politics  


PiAS/Rough Trade (VÖ: 7.6.)

von

„I went out for a loaf of bread. Now everything I love is dead.“ Er ist schon ein Cleverfuchs, unser Neil Hannon: Diese Zeilen aus „I’m A Stranger Here“ lassen sich nämlich auch ganz bequem als Reader zum Divine-Comedy-Gesamtwerk lesen. Seit jeher steht das Projekt neben den Zeiten; dieser Oscar-Wilde-Witz, diese Liebe zum guten Garn, diese Üppigkeit im Arrangement; diese leichte Umständlichkeit, die immer den ganz großen Erfolg verhinderte, all das war kurz im Britpop der 90er durchaus angesagt, passte aber schon damals nicht zur Zeit.

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Was Hannon vermutlich egal war und immer noch ist: So ist auch OFFICE POLITICS eine Platte der Beobachtungen aus einem Paralleluniversum. In besagtem steht unsere Welt auf der Kippe. Im Titeltrack und in „Norman And Norma“ ist alles noch mehr oder weniger im Lot; da sind die Lebensläufe und die Arbeitsumstände jene des klassischen Nachkriegsenglands. Man muss angesichts solch kleiner Geschichten an die Kinks denken, an die frühen Blur, eben an all jene, die durchaus konkret aus den vielen Zimmern Großbritanniens erzählten.

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Im weiteren Verlauf klopft aber die Zukunft an; zunächst einmal musikalisch: Hannon schiebt seinen Kammerpop an die Ecken und Enden des Genres, mal extraweit in die Klassik, mal in den Glamrock, mal in den Synthie-Pop der 80er. Vor allem aber inhaltlich, Stücke wie „Infernal Machines“ oder „Psychological Evaluation“ deuten eine finstere Epoche der Entfremdung an.

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Allzu ernst meint Hannon all das natürlich nicht, und so bleibt auch Platz für allerhand Blödsinn, nachzuhören in „The Synthesiser Service Centre Super Summer Sale“, das sich bei der Instrumentierung ausschließlich auf ebenjene verlässt ,und in „Philip And Steve’s Furniture Removal Company“, eine kleine, von Wiederholungen geprägte Soundschleife über die Spedition, die die beiden wohl wichtigsten Komponisten der Minimalmusik gemeinsam betrieben. Herrlich.  

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