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Tune-Yards Sketchy.


4AD/Beggars/Indigo (VÖ: 26.3.)

von

Merrill Garbus hat ihre Hausaufgaben gemacht. Auf dem letzten Album ihres Duos Tune-Yards, I CAN FEEL YOU CREEP INTO MY PRIVATE LIFE, befasste sich die kalifornische Musikerin 2018 unter dem Schock von Trump-Wahl und rechtem Backlash in den USA ausgiebig mit ihrer Rolle in der (Musik-)Welt: nämlich die einer weißen Künstlerin, die mit kehliger Soulstimme zu elektronischer, immer auch global-poppiger Kunstmusik singt.

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Für das Spiel mit etwa westafrikanischen Musikstilen hatte es für Tune-Yards seit ihrem Debüt BIRD-BRAINS von 2009 viel Lob gegeben – aber auch den Vorwurf der kulturellen Aneignung. Nachdem Garbus auf …PRIVATE LIFE zu ausgiebig ihre white guilt bearbeitet hat, beginnt ihr neues Album SKETCHY. nun mit ein wenig feministischer Blasphemie: „Seems like Jesus and Dylan / Got the whole thing wrong / If you cannot hear a woman / Then how can you write her song?“, fragt sie in „Nowhere, Man“. Alle Regler sind auf superdreckig gestellt, es bratzt und rauscht, während dieses Monstrum von einem Retrorock- Soul-aber-irgendwie-auch-Post Genre-Song über einen hereinbricht.

Wie immer gilt dabei bei Tune-Yards: Was vertrackt ist, darf auch so klingen. SKETCHY. ist ein ostentativ kompliziertes, euphorisch nervöses Album, das einen mit seinen ständigen Richtungswechseln herausfordert, aber auch viel Kraft und Groove hat. Ihrem Konzept, als Vokalistin ein rockröhriges, an eine Artpop-Variante von Lenny Kravitz erinnerndes Überwältigungskonzept zu fahren, bleibt Garbus nämlich treu. Dem Nachdenken über Machtverhältnisse auch, wenn auch nicht im ganz so großen Stil wie auf dem letzten Album. Mit dieser Art von Hausaufgaben wird man schließlich nie fertig.


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