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Roskilde Festival 2015: Noel Gallagher zeigt Mittelfinger, Nicki Minaj ihre Unterwäsche und Damon Albarn wird von der Bühne geschmissen

Im dänischen Städtchen Roskilde wohnen etwa so viele Leute wie in Lörrach. Im Gegensatz zur badischen Gemeinde wird die Stadt Roskilde jedoch Anfang Juli einmal komplett auf links gedreht, denn dann findet hier eines der traditionsreichsten Festivals Europas statt, mit sehr großen Namen auf noch größeren, orangenen Plakaten.

The Rolling Stones, Bruce Springsteen und so weiter sind aber nicht der einzige Grund dafür, dass jährlich weit über 100.000 Besucher über den heiligen Roskilde-Rasen wandeln. Liebhaber aktuellerer und speziellerer Musik gleich welchen Genres finden hier jedes Jahr ihre persönlichen Favoriten unter den über 150 Bands; und dass der komplette Gewinn (in diesem Jahr etwa 2,5 Millionen Euro) ausgeschüttet wird, trägt zum guten Festivalgefühl ebenso bei wie die 30.000 Freiwilligen, die als Security, Runner und Servicepersonal für den gemeinnützigen Verein auf dem Festivalgelände arbeiten. Als wohlinformierte Musikexpress-Leser wisst ihr das aber natürlich alles, deshalb haben wir euch hier die fünf wichtigsten Neuigkeiten des aktuellen Roskilde-Jahres zusammengefasst.

Noel Gallagher beim Roskilde Festival 2015

Als erster der britischen „Fab Four“ (Gallagher, McCartney, Albarn, Jamie xx) trat am Mittwoch Noel Gallagher auf, aber wie! Das Publikum reizte ihn gleich zu Beginn, denn neben ohrenbetäubendem Jubel versorgten sie den leidenschaftlichen Miesepeter auch mit einem Schild an dem er sich genüsslich reiben konnte. „Who The Fuck Is Man U?“ stand darauf und entlockte dem Oasis-Kopf ein verschmitztes Grinsen. Seine Antwort war so britisch wie vielsagend. Auffällig umständlich korrigierte er den Sitz seiner Sonnenbrille mit seinem Mittelfinger. Die Setlist bestand zum Großteil aus Oasis-Hits, die dafür Sorge trugen, dass das Konzert des Abends an diesem Mittwoch hier an der Arena stattfand und nicht nebenan auf der Hauptbühne bei Pharrell Williams.

Africa Express beim Roskilde 2015

Das internationale Musiker-Kollektiv unterstützt mit seinen Einnahmen aus Jams und Aufnahmen soziale Projekte in Afrika, so viel zur Theorie. Beim Roskilde Festival bedeutete das am Samstag in der Arena, dass die Live-Kollaborationen zwischen afrikanischen Musikern und Größen wie Graham Coxon, Nick Zinner (Yeah Yeah Yeahs) und Spoek Mathambo eine Dynamik entwickelten, welche sogar den überdimensionierten Rahmen von Roskilde sprengte. Nach über fünf (!) Stunden Live-Musik von Africa Express war Damon Albarn derart euphorisiert, dass er bis ins Morgengrauen Clash-Songs interpretierte und am Ende des Konzerts nicht von der Bühne gehen wollte. Albarn, der schon einige gute Konzerte gegeben und gesehen haben dürfte, musste schließlich mehr oder weniger gewaltsam von seinen Instrumenten und Fans getrennt werden.

Nicki Minaj beim Roskilde 2015

Trug wenig Kleidung und wurde damit zu einer der meistbesprochenen Roskilde-Künstler 2015.

Beercycling beim Roskilde 2015

Das wichtigste Gesprächsthema in diesem Jahr war aber das „ Beercycling“-Projekt. Die Festivalbesucher wurden aufgefordert, ihr Pipi nicht einfach sinnlos in den Boden sickern zu lassen, sondern es stattdessen zu spenden, damit dänische Landwirte ihren Hopfen damit für neues Bier düngen können. In bester Joga-Manier bewerkstelligen die Festivalmacher damit einmal mehr den Spagat zwischen Hipness und Hippietum.

Die anderen: Kendrick Lamar, Florence & The Machine und Muse beim Roskilde 2015

Vier Namen, die bei allen Festivals in Deutschland wohl als Haupt-Act geführt würden, mussten sich hier unter dem größten lebenden Rockstar der Welt einordnen (also nicht dem, der sich selbst dafür hält). Paul McCartney betörte etwa 50.000 Fans mit seinen (und John Lennons) Songs. Die Setlist enthielt alle großen Hits der Beatles sowie ausgewählte Solo- und Wings-Stücke. Dass Macca ausgerechnet „Yesterday“ an diesem Tag erstmals nicht spielte, zeigt wohl, wie sehr den Beatle die aktuelle Diskussion um die Urheberschaft an diesem Titel nervt. Bei seinen größten jungen Fans bedankte sich McCartney, indem er ihnen ihre Schilder-Wünsche erfüllte – so gab er einer jungen Dänin ein Autogramm für ein Tattoo und beschenkte eine andere auf Wunsch mit einer Umarmung („Oh, that’s easy“).

Und wie lautet nun das Fazit?

Jetzt, da ihr alles durchgelesen habt, können wir es ja sagen: Was hier oben steht, ist gelogen. Wenn diese fünf Punkte tatsächlich das Wichtigste bei einem Festival wie dem Roskilde gewesen wären – das viele Geld für Ticket und Verpflegung wäre verschwendet. Aber: Das oben geschriebene bot einen unbezahlbar entspannten Rahmen für leidenschaftliche Diskussionen mit alten Bekannten, eine Zigarette im Schatten, unverhoffte Spontan-Umarmungen mit wildfremden Menschen und ähnliche unvergessliche Momente. Deshalb an dieser Stelle ein kleines, bescheidenes „Tak, Roskilde“.


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