So war’s bei Blur live im Londoner Hyde Park

Zum vierten Mal seit ihrer Reunion 2009 spielen die Britpop-Giganten Blur im Hyde Park ihrer Heimatstadt London – keine andere Band hat diese Grünanlage je zuvor so oft bespielt. Und zum ersten Mal ist der Park nicht ausverkauft. Aber das sieht man nicht. Man sieht sehr, sehr viele Menschen: All the people, so many people. Den meisten ist das für England typische Nieselregenwetter egal. Das Konzert findet im Rahmen des „British Summer Time“-Festivals statt, also benimmt man sich auch so, als wäre Sommer. Sitzt mit klatschnassem Hintern auf der Wiese, die lediglich mit Flip-Flops bekleideten Füße voller Matsch, und trinkt sich mit überteuertem Bier um den Verstand. Wie viele knallvolle Besucher bereits während der Vorbands The Horrors und Metronomy abtransportiert werden müssen! Tatsächlich hat der Regen ein Einsehen und gönnt sich eine Pause, als Blur die Bühne betreten.

In eigentümlicher Verblendung wählen sie den schwächsten Song des neuen Albums – und daher unverständlicherweise zur Leadsingle gekürt – als Eröffnungsstück: „Go Out“. Die Fans meinen’s gut und gehen schulterzuckend mit. Stimmung kommt allerdings erst mit Song 2, also nicht „Song 2“, sondern „There’s No Other Way“, auf. Und was für eine! Sogar Graham Coxons Gitarrenriff wird mitgegrölt. Während man sich in Deutschland immer noch mit Leserbriefen zu den „Schrammelrockern“ von Blur herumschlagen muss, ist die Band im UK Nationalheiligtum. Weltenbummler Damon Albarn ist sich dieses Status bewusst und betont immer wieder, wie gut es sich anfühlt, zu Hause zu sein. „We’re the quintessential London band“, lautet die Überschrift zur aktuellen Blur-Titelgeschichte des Londoner Stadtmagazins „Time Out“. So stark ist die Verbindung der Band zur Stadt, dass sie die heutige Stätte ihrer erneuten Wiederkehr in einer Textzeile auf ihrem Comeback-Album THE MAGIC WHIP auftreten lassen: „Thought I was a spaceman, digging out my heart, in some distant sand dune in Hyde Park“. Die Jubelschreie darauf werden nur noch von den Singalongs zu „Parklife“ und den Woo-hoos in „Song 2“ übertroffen.

Dazwischen platziert die Band, sich der Klassikernatur des Stücks bewusst, den neuen Song „Ong Ong“. Nach Ende der Show wird dessen „I wanna be with you“-Refrain von den beseelten Massen auf der Durststrecke zum nächsten Supermarkt ebenso nachgesungen wie die Volkslieder „Tender“ und „For Tomorrow“. PARKLIFE ist mit sieben Songs das am meisten vertretene Album an diesem Abend. Der von der Band geschmähte Nachfolger THE GREAT ESCAPE ist, neben dem obligatorischen Closer „The Universal“, mit zwei Überraschungen vertreten: „He Thought Of Cars“ und dem aus der Versenkung gezogenen Knaller „Stereotypes“. Auf den Riesenhit „Country House“ wird dagegen verzichtet. Vielleicht einfach nur aus dem Grund, nochmals in den Park zurückkehren zu können.

Blur live im Londoner Hyde Park am 20. Juni 2015 – die Setlist:

Go Out

There’s No Other Way

Lonesome Street

Badhead

Coffee & TV

Out Of Time

Beetlebum

Thought I Was A Spaceman

Trimm Trabb

He Thought Of Cars

End Of A Century

I Broadcast

Trouble In The Message Centre

Tender

Parklife

Ong Ong

Song 2

To The End

This Is A Low

Stereotypes

Girls & Boys

For Tomorrow

The Universal


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