Highlight: Spiel mir ein Lied vom Tod: 10 Songs, die von Serienmördern inspiriert wurden 

The Queen Is Dead: Wie The Smiths die Popkultur beeinflussen

„I want to go down in musical history“, singt Morrissey in „Frankly, Mr Shankly“. Das ist ihm gelungen. Denn wo es Anfang der 90er-Jahre ruhig geworden war um Morrissey und seine frühere Band, klopfte der Hype spätestens zur Jahrtausendwende wieder an.

Oasis, The Libertines, Blumfeld, Belle & Sebastian: Viele Bands beziehen sich auf The Smiths. Gleichzeitig wurden The Smiths zu Stilhelden. Anlässlich des 30. Geburtstags von THE QUEEN IS DEAD zeigte der britische „Guardian“ vor Kurzem, wie vor allem Morrisseys Look von damals die heutige Mode inspiriert, auch bei Künstlern, die eigentlich in ganz anderen Bereichen unterwegs sind: Zayn Maliks und James Blakes gemeinsame Vorliebe für Hemd mit Strickjacke kommt nicht von ungefähr.

Für The Smiths waren popkulturelle Referenzen wie glitzerndes Konfetti: Kaum ein Artwork ohne einen 50er/60er-Jahre-Filmbezug. Das Cover von „Ask“ etwa zeigt die britische Schauspielerin Yootha Joyce in „Fangt uns, wenn ihr könnt!“ (1965), das zu „William, It Was Really Nothing“ eine Szene aus der britischen Komödie „Ein erfolgreicher Blindgänger“ von 1967. Und immer wieder Anspielungen auf vermeintlich typisch Englisches. The Smiths wurden Teil einer nationalen Identität und selbst zur schillernden Referenzkiste. Hier einige Beispiele.

So beeinfluss(t)en The Smiths die Popkultur:

  • „To die by your side is such a heavenly way to die“, summt Zooey Deschanel als Summer Finn Tom Hansen (Joseph Gordon-Levitt) im Aufzug entgegen. Der Beginn einer 500 Tage dauernden Romanze. „500 Days Of Summer“ (2006) ist voll von The-Smiths-Zitaten: Poster, Lyrics und Tom Hansen als leidender Morrissey-Verschnitt. Ein Junge, der „traurige britische Popmusik“ liebt.
  • Apropos „Theres A Light That Never Goes Out“: Im Debütroman von Florian Weber (Sportfreunde-Stiller-Drummer), „You’ll Never Walk Alone“ (2006), ist der Song Leitmotiv und trägt den Romanhelden durch seine Jugend und erste Liebe. Im Kultroman „Trainspotting“ (1993) von Irvine Welsh heißt ein Kapitel so, in dem es ausschließlich um Sex geht. Und bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 in London lief David Beckham mit dem olympischen Feuer unter diesem Motto ein. Very British.
  • Ein weiterer Klassiker der Popkultur ist „Please, Please, Please, Let Me Get What I Want“. Kein anderer Song kann so bittersüß flehend hoffen. Ideal also für Filme: Sowohl in John Hughes’ Coming-of-Age-Klassikern „Ferris macht blau“ und „Pretty In Pink“ (beide 1986), als auch in „500 Days Of Summer“ oder als halbgares Cover von Clayhill am Ende von „This Is England“ (2006). Der Film behandelt die Skinhead-Kultur in den 80ern, und spielt nebenbei in der Heimatregion der Smiths.
  • „How Soon Is Now?“ war schon ’85 eine gute Frage. Leicht abgewandelt stellt sie 2003 Marc Spitz. In seinem Roman „Wann nur, wenn nicht jetzt?“ (Original: „How Soon Is Never?“) versucht ein Musikjournalist, The Smiths zusammenzuführen. Auch Hollywood kennt den Song: In „Hautnah“ (2004) strippt Natalie Portman dazu. Und dann gab es da noch dieses unsägliche t.A.T.u.-Cover (2002). Auch wenn Morrissey es angeblich „wunderbar“ fand und glaubt, dass in jedem eine russische Lesbe steckt. Irgendwie.
  • Für alle Rebellen: „The Boy With The Thorn in His Side“. Blumfeld singen in „So lebe ich“ (1999) vom „Dornenboy“.
  • „This Charming Man“ als stählerner Superheld: Der brasilianische Illustrator Butcher Billy übersetzt in seinen Arbeiten Figuren der Populärkultur in eine Bildsprache, die an die Cover von DC- oder Marvel-Comics erinnert. Neben Morrissey nahm er sich auch The Cure und Billy Idol vor. Die Grafiken sind als Poster erhältlich.
  • „Asleep“ mag ein Gute-Nacht-Lied sein, kann aber weitreichendere Bedeutung besitzen. Unter anderem als dieser eine Song, den jeder hat, etwa im Coming-of-Age-Roman „Vielleicht lieber morgen“ (1999) von Stephen Chbosky.
  • „The story is old. But it goes on“: Zum Beispiel mit Mark Ronson, der 2007 „Stop Me If You‘ve Heard This One Before“ coverte. Die Smiths sind Mainstream- und Indie-tauglich. Das demonstriert auch die Coverband Mexrrissey, die nichts anderes macht, als die melancholische Musik von The Smiths in das Jetzt der mexikanischen Gesellschaft zu pflanzen. Oder das Duo Shakespears Sister, das sich nach dem gleichnamigen Smiths-Song benannt hat. Oder aber die subtilen Anspielungen in TV-Serien, wie den „Gilmore Girls“, wenn die Hauptfigur Rory Gilmore Smiths-Fans trifft und sie nach ihrem Lieblingssong fragt. Oder wenn Casper in „XOXO“ (2011) rappt: „Nur nicht stressen lassen, kurz vergessen machen. Auf dem Boden liegen, Smiths-Platten sprechen lassen.“

Ihr wollt mehr The Smiths wissen und darüber, wie die größte Band der Achtziger zerbrach? Na dann auf zum Kiosk:

Der neue Musikexpress mit The Smiths, Nicolas Jaar, Peter Doherty und Justice

Umfrage: Welches Album von The Smiths ist Euer liebstes?


„I AM NOT A DOG ON A CHAIN“: Morrissey kündigt neues Album an
Weiterlesen