Boom Tschak: C:>„DE:BUG“ – kein Nachruf zum Magazin-Ende

Ein ungeschriebenes Journalistengesetz besagt, dass niemals die Namen von Mitbewerbermagazinen im eigenen genannt werden sollen. Weil: Würden wir hier die Existenz von „Intro“, „Spex“, „Groove“ etc. nicht leugnen, würden wir unsere Leser auf diese Magazine aufmerksam machen, und die würden dann genau dorthin abwandern. Und zwar scharenweise. Ziemlicher Quatsch. Schöne Grüße an dieser Stelle an Thomas Venker, Linus Volkmann, Torsten Groß und Heiko Hoffmann in den real existierenden Chefetagen dieser real existierenden Musikmagazine.

Ja, Leser, du musst ganz stark sein: Es gibt mehr als ein Musikmagazin. Aber ein ganz bestimmtes wirst du wohl in Zukunft nicht mehr am Kiosk finden. „De:Bug“, das 1997 gegründete Magazin für „elektronische Lebensaspekte“. „De:Bug“ war schon immer mehr als eine Zeitschrift, anfangs: Zeitung, für (elektronische) Musik, sondern widmete sich ganzheitlichen Betrachtungen analoger Menschen in einer digitalen Welt: Musik, Mode, Kunst, Internet, Gadgets.

In einem Blog-Beitrag kündigte Gründer und Chefredakteur Sascha Kösch Mitte März nach mehr als 16 Jahren das Ende des Magazins an – falls sich nicht ein Käufer findet. In seiner Begründung hätte Kösch ruhig ein wenig deutlicher werden können. Was er wahrscheinlich sagen wollte: Immer weniger Menschen kaufen Printmagazine, immer weniger Kunden schalten Anzeigen. Ein Musikmagazin ist sogar mit der – als gegeben vorausgesetzten – Bereitschaft der Mitarbeiter zur Selbstausbeutung wirtschaftlich schwer am Leben zu halten.

Kurz nachdem der Blogeintrag online ging, begann – erwartungsgemäß – die Welle der Beileidsbekundungen im Netz anzurollen. Was einer gewissen heuchlerischen Komponente nicht entbehrte. Hätten alle, die jetzt das potenzielle Ende der Zeitschrift beklagen, die aktuelle Ausgabe gekauft, hätte die Druckerei wahrscheinlich Sonderschichten fahren müssen.

Diese Kolumne ist in der Mai-Ausgabe 2014 des Musikexpress erschienen.

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