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David Bowie: Der Stern über seiner Schulter

Zuletzt stand er 2006 mit Alicia Keys auf der Bühne und sang „Changes“, bei einer Wohltätigkeitsgala in New York. Es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt gewesen sein. Mit Gattin Iman und Tochter Lexi lebte er, wenn er nicht gerade mit ihnen durch die Welt reiste, in seinem Apartment in Manhattan. Dort konnte Bowie sich weitgehend unbehelligt bewegen. Sein Management bestand seit Jahrzehnten im Grunde nur aus der extrem loyalen Coco Schwab. Die Plattenfirma selbst hatte es Schwab erst wenige Tage zuvor wissen lassen, dass THE NEXT DAY am 8. März 2013 veröffentlicht werden sollte. Und plötzlich, ganz plötzlich, war Bowie wieder da. Als wäre er nie weg gewesen. Wozu sicher auch die Single „Where Are We Now?“ beigetragen hat, in der Bowie sich – überraschend nostalgisch – durch eine Aufzählung von Orten und Namen in jenem Westberlin dekliniert, dem er seine Wiederauferstehung gegen Ende der 70er-Jahre zu verdanken hat.

Alicia Keys and David Bowie during Conde Nast Media Group Presents
David Bowie 2006 auf der Bühne mit Alicia Keys.

Nicht weniger zeichenreich geriet die zweite Single „The Stars Are Out (Tonight)“ und vor allem das zugehörige Video, in dem David Bowie und Tilda Swinton ein alterndes Ehepaar spielen, das von jüngeren Versionen ihrer selbst bedrängt wird. In einer Szene wirft Swinton ein Tratschblatt in den Müll, auf dessen Titelbild unter der Zeile „Alien lives next door“ David Bowie zu sehen ist – mit kahlem Schädel. Seine Krebs-Diagnose erhält er allerdings erst im Frühjahr 2014. Dass es Krebs ist, erfahren seine engsten Mitarbeiter erst im Lauf der Projekte, die Bowie jetzt mit großer Schaffenswut in Angriff nimmt. Es folgen 18 Monate konzentrierter Arbeit, die am Ende mit BLACKSTAR in ein derart würdiges Finale mündet, für das es kaum andere Beispiele in der Rockgeschichte gibt.

Zunächst komponiert er für Johan Rencks TV-Serie „The Last Panthers“ mit „Blackstar“ die Titelmusik. Bei einem Besuch des Schweden in New York eröffnet Bowie ihm jedoch, dass die Idee hinter diesem Stück noch viel größer ist. Ob Renck denn nicht auch das Video für eine lange Version des Songs drehen wollen würde? Es sei allerdings damit zu rechnen, dass er aufgrund seiner Chemotherapie nicht immer fit genug für den Dreh ist, so Bowie. Möglicherweise bräuchten sie ein Double für ihn. Zur gleichen Zeit stürzt Bowie sich in die Planung, Komposition und Inszenierung des Musicals „Lazarus“. Bowie wirkt bei den Castings mit, ist bei den Proben dabei, macht sich Notizen. Das Stück basiert auf dem Roman „The Man Who Fell To Earth” von Walter Tevis, die Titelrolle in der Verfilmung von Nicolas Roeg spielte er 1976 selbst. Auch „Lazarus“-Regisseur Ivo van Hove erklärte Bowie schon 2014, dass er die Premiere des Stücks vermutlich nicht mehr erleben werde.

KMazur WireImage


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