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Deshalb hassen Fans „Star Wars: Die letzten Jedi“ und fordern ein Remake

Lucasfilm und vor allem Disney haben vor dem Release von „The Last Jedi“ mit einem sicher nicht gerechnet: mit einer Kontroverse. Immerhin gelang 2015 mit „Das Erwachen der Macht“ der finanziell erfolgreichste Konsensfilm aller Zeiten, der neue Fans für „Star Wars“ gewann und selbsterklärte Fans der ersten Stunde versöhnte. Nun ist die aktuelle, achte Episode der Sternensaga in den Kinos angelaufen und wird ausgerechnet von vielen Hardcore-Fans regelrecht gehasst. Nun startet der Film im Heimkino, die Diskussionen werden wieder aufflammen.

US-Kritiker und Geld sprechen eigentlich eine eindeutige Sprache: „The Last Jedi“ sei laut Presse ein Triumph, die halbe Milliarde Einspiel nach weniger als einer Woche unterstreicht den Erfolg von Regisseur Rian Johnson – obwohl Einspielergebnisse in Zeiten von „Fast & Furious 7“ (1,6 Milliarden US-Dollar) nicht mehr viel über die Qualität eines Films aussagen. Was den vermeintlichen Triumph schmälert: Auf „imdb“ und der einflussreichen Seite „Rotten Tomatoes“ hat „The Last Jedi“ einen eher niedrigen Schnitt in der Zuschauerbewertung. Auf „Rotten Tomatoes“ mit 55 Prozent Zustimmung sogar einen katastrophalen.

Kritiker schießen gegen Fans

Was solche Prozente wert sind, lässt sich schwer ablesen. Immerhin werden viele „Star Wars“-Fans schnell kindisch und wählen direkt die geringste Bewertung, auch wenn sie Teile des Films eigentlich schätzen. Ausgerechnet namenhafte Filmwebseiten heizen eine Debatte um „The Last Jedi“ unnötig an, schießen teils auch gegen die Fans, die doch gar nicht erst wilde Theorien über Reys Eltern oder Snokes Herkunft hätten aufstellen sollen – dann wären sie von einigen Twists weniger enttäuscht. Kritiker verteidigen also einen Mainstream-Film gegenüber enttäuschten Enthusiasten, eine bizarre Situation. Zumal Disney Fan-Theorien während des Marketings bewusst befeuert. Doch allein die Tatsache, dass es anscheinend ungewöhnlich viele enttäuschte Fans gibt, dürfte Disney und Regisseur Rian Johnson zu denken geben. Auf Twitter gibt es tausende Einträge wie diesen:

Kooperation

Ein verärgerter Fan mit besonders großem Wunsch nach Aufmerksamkeit startete sogar eine Petition, die die Löschung von „The Last Jedi“ aus dem Kanon der Filmreihe und ein sofortiges Remake fordert. Die Petition wird natürlich nichts bewirken, das tun sie nie. Allerdings hat Wut-Fan Henry Walsh schon längst 10.000 Stimmen für sein Anliegen gesammelt. Und Disney gemeinsam mit anderen Anklägern auch indirekt erreicht. Das Unternehmen, das zuletzt Fox gekauft hat und damit zum Monopolisten aufsteigt, reagierte via Funktionär Dave Hollis  auf verärgerte Fans der „Star Wars“-Reihe:

„Rian Johnson, the cast, and the Lucasfilm team have delivered an experience that is totally ‘Star Wars’ yet at the same time fresh, unexpected and new. That makes this a ‘Star Wars’ film like audiences have never seen – it’s got people talking, puzzling over its mysteries, and it’s a lot to take in, and we see that as all positive, that should help set the film up for great word-of-mouth and repeat viewing as we enter the lucrative holiday period.“

Man beachte, dass Hollis es nicht schafft, ohne das Wort „lukrativ“ auf die Zuschauer einzugehen. Und die Lukrativität des Franchises, das Disney mit Spin-offs und den bereits angekündigten Episoden 10-13 ausschlachtet, ist auch ein Baustein für die heftige Kritik, die alteingesessene Fans nun haben. „Die letzten Jedi“ wurde von den lautesten enttäuschten Fans nicht etwa für den langweiligen Side-Plot mit Finn und Rose, den nicht immer passenden Humor oder das etwas schlampige Storytelling (was wir in unserer Kritik anmerkten) kritisiert, jedenfalls nicht primär. Vielmehr geht es Leuten wie dem Petitions-Starter Walsh um eine grundlegende Entscheidung, die in „The Last Jedi“ getroffen wurde.


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Achtung, Spoiler: Rian Johnson, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat, beendete (fast vollständig) die lange „Star Wars“-Tradition der Blutlinie. In „Star Wars“ werden Kräfte und Verantwortung von Eltern an ihre Kinder weitergegeben, die Heldin Rey ist aber schlichtweg ein „Nobody“, der die Macht nutzen kann. Des Weiteren zeigt die letzte Szene des Films einen Jungen, der beiläufig mit Hilfe der Macht einen Besen in seine Hand fliegen lässt. Ergo: Die Macht gehört nicht mehr exklusiv den Skywalkers und einigen vereinzelten Familien im Universum, sondern ab sofort jedem.

Für Disney ist diese Drehbuchentscheidung eine Goldgrube, können sie doch dadurch unendlich viele neue Helden entstehen lassen und in den Mittelpunkt eines „Star Wars“-Films stellen. Die Reihe kapselt sich geschickt von den alten Darstellern wie Mark Hamill ( Luke stirbt in „The Last Jedi“), Harrison Ford (Han stirbt in „Das Erwachen der Macht“) und gezwungenermaßen von der 2016 ganz real verstorbenen Carrie Fisher ab.

Event vom Fließband

Ab Episode IX, der 2019 unter der Regie von J.J. Abrams in die Kinos kommt, werden also exklusiv die neuen Helden im Zentrum stehen. Angesichts der alternden Darsteller und einem dringend benötigten Übergang zu einer neuen Generation ist das auch völlig in Ordnung. Durch die Enthüllungen und Abschiede in „The Last Jedi“ sehen wütende Fans aber den Kanon der Sternensaga entwertet: „Für lange Zeit war ‘Star Wars‘ eine Geschichte über zwei Dinge, die Jedi und Luke Skywalker. Nach 260 Romanen, in denen wir den Helden begleiteten, habt ihr, Disney, entschieden, all die Werte aus dem Kanon zu entfernen – und habt damit drei Jahrzehnte Geschichte vernichtet“, schreibt Walsh in seiner Petition.

Tatsächlich hat Disney all die Bücher und Videospiele, die um die „Star Wars“-Filme entstanden sind, für irrelevant erklärt. Disney hätte den Fans, die das Franchise überhaupt erst so groß gemacht haben, die Entscheidungsgewalt und den Einfluss weggenommen, die Fantasie von Autoren eingeschränkt, nur um nun ein relativ geradliniges Filmuniversum aufzubauen, das sich leicht ausschlachten lässt – und das auf mittlere Sicht kein Ende nehmen wird. Den kleinen Jungen mit dem Besen, so sagen einige Fans jetzt schon zynisch, sehen wir dann irgendwann in „Star Wars 19“ wieder. Und natürlich auf diversen Produkten und Spielzeugen.

Denn mit der Entscheidung, theoretisch überall im Universum neue Figuren mit der Kontrolle über die Macht aufpoppen zu lassen, droht die größte Befürchtung vieler Zuschauer inhaltlich legitimiert worden zu sein: „Star Wars“ wird wie am Fließband produziert und droht den Reiz des „besonderen Films“, des großen Events verlieren. Erfolgreich ist „Die letzten Jedi“ dennoch: Zur Jahreswende hat der Film bereits mehr als eine Milliarde US-Dollar weltweit eingespielt. Mit einem Einspiel von 1,3 Milliarden Dollar wurde der Film zum erfolgreichsten Start des Jahres 2017. In China ist „The Last Jedi“ aber überraschenderweise für Disney gefloppt. 

„Star Wars: Die letzten Jedi“-Kritik: Planlos im Weltall


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