ME 11/17

European Son: Die Erzählkunst von Destroyer in 7 Songs

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Seit mehr als 20 Jahren spielt Dan Bejar mit Destroyer eine verwirrend versponnene Musik. Der Klang dieser Band ändert sich permanent, das Gesamtwerk ufert aus, bei aller Brillanz. Doch eigentlich bleiben die Bezüge des Kanadiers konstant. In der Welt seiner Songs dreht sich alles um die Filmkunst, wie man sie in Europa schätzt. Logisch also, dass Dan Bejar beim Namen des neuen Albums KEN, das am 20. Oktober erschienen ist, nicht an Barbies Typen denkt, sondern an britische Sozialisten und den besten Song von Suede.

In der Musikexpress-Ausgabe 11/2017 hat ME-Autor André B0ße ein Porträt über Dan Bejar entworfen, in dem er sich dessen Welt nähert. Wer es direkt über die Musik tun will, kann das hier tun: Wir werfen einen Blick auf die sieben besten Songs von Destroyer und die Erzählkunst, die in ihnen steckt.

„Destroyer’s The Temple“

aus THIEF (2000)

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Aus Bejars Soloding wird eine Band, dies ist die Regierungserklärung. Bejar etabliert seine Vorliebe, weibliche Vornamen zu droppen. Hier heißt die Heldin Madeline und ist eine von drei guten Frauen, von denen sich der Sänger göttliche Erlösung verspricht.

„English Music“

aus STREETHAWK: A SEDUCTION (2001)

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Bowie aus der HUNKY DORY-Phase ist das musikalische Vorbild. Im Text bringt Bejar Katholizismus und George Michael zusammen: „You’ve got to have faith.

Schauplatz ist ein kanadischer Küstenort mit dem sehr englischen Namen Ambleside By The Sea, am Ende definiert Bejar die britische Indie-Pop-Kultur mit nur einem Satz: „Brillance has a taste for suffering.“

„Holly Going Lightly“

aus THIS NIGHT (2002)

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Eine Mehrfachreferenz: an Truman Capotes Romanfigur Holly Golightly, Audrey Hepburns Darstellung in „Breakfast At Tiffany’s“ sowie die Garagerock-Musikerin Holly Golightly, die bürgerlich tatsächlich so heißt.

Die Musik verzieht sich in die Nacht, die Räume werden größer, Bejars Wege verlieren sich. Orientierung bieten die lyrischen Hooks, die der Sänger überall dort einbaut, wo niemand sie erwartet.

„An Actor’s Revenge“

aus YOUR BLUES (2004)

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Plötzlich barockes Drama, Trompeten, Harfen, Becken, Trommelwirbel. Der Schauspieler, um den es geht, verlangt nach Rache an allen, die ihn jahrelang mit schlechten Drehbüchern und miesen Rollen gefüttert haben.

Am Ende entschließt er sich, selbst ein Stück zu schreiben – als wenn das besser werden würde: „Oh no, here we go again…

„European Oils“

aus DESTROYER’S RUBIES (2006)

Destroyer – European Oils (Live on KEXP) auf YouTube ansehen

Bei den Konzerten ist das eines der Stücke, auf das die Fans warten. Es gibt sogar eine Mitsingstelle, wenn Bejar sehr dringlich „The fucking maniac“ flüstert und damit den Henker meint, dessen Tochter der Protagonist gerne lieben und befreien möchte.

Der Text ist irre, nichts hängt zusammen – die Amerikaner empfinden dieses Collagieren als typisch europäische Kunst. Bejar geht da gerne mit und gibt Öl dazu.

„Blue Flower/Blue Flame“

aus TROUBLE IN DREAMS (2008)

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Bejars blaue Periode, Picasso ist einer seiner Lieblingsmaler. Zusammen mit Freundin Sydney Vermont gründet er in dieser Phase auch das akustische Sophisticated-Pop-Duo Hello, Blue Roses.

Vermont, hauptberuflich Malerin, hat auch das Bild auf dem Cover des meisterhaften Albums TROUBLE IN DREAMS gemalt, es zeigt eine vom Schnaps blau gewordene Frau mit blauem Hut. Titel des Gemäldes: „Maria Braun“, deren Ehe Werner Fassbinder 1979 fürs Kino dramatisiert hat.

„Bay Of Pigs“

aus KAPUTT (2011)

Elf Minuten Ambient-Indie-Pop, Bejar beginnt den Text als Beichte eines Betrunkenen: „Listen, I’ve been drinking.“ Wie Herman Melville lässt er sich von seinen eigenen Worten davontragen, die Frauen heißen Nancy und Christina White.

Mehr über Destroyer findet Ihr im ME 11/17. Und übrigens:  Destroyer gehen auch auf Tour. Präsentiert vom ME.

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