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Themeninterview

„Ich möchte, dass die Leute sich ertappt fühlen“: Wir haben mit Faber über Provokation gesprochen

Der 1993 in Zürich geborene Julian Pollina alias Faber, Sohn des italienischen Liedermachers Pippo Pollina, hat sich 2017 gleich mit seinem Debütalbum SEI EIN FABER IM WIND als eigenständiger Singer/Songwriter etabliert. Das liegt nicht nur an seiner Musik, die sich erfreulich beherzt bei Chanson, (Balkan-)Folk, Jazz und Pop bedient, sondern genauso an seinen herausfordernden, durchaus umstrittenen Texten. Auch die Vorabsingle „Das Boot ist voll“ zu seinem neuen Album I FUCKING LOVE MY LIFE sorgte für Aufregung: Darin wurde fremdenfeindlichen (Un-)Menschen mit sexueller Gewalt gedroht, doch nach nur einem Tag zog Faber die entsprechende Zeile zurück und dichtete sie um.


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Musikexpress: Auf dem Plattencover dei­nes neuen Albums trägst du einen weißen Anzug, ein weit geöffnetes wei­ßes Hemd, Goldkette und Einstecktuch. Was willst du damit darstellen?

Faber: Das Cover soll an einen Boulevard-Magazin-Titel erinnern. Es ging mir um die Königsdisziplin der Selbstdarstellung. Wo es nicht mehr darum geht, unbedingt gut rüberzukommen, sondern wo man für mehr Aufmerksamkeit sogar Negativschlagzeilen riskiert. Es gibt aus der gleichen Reihe noch einen Shot, auf dem ich versoffen auf einem Boot liege, auf einem anderen bin ich nackt festgekettet an einem Balkon. Es sollten alles Bilder sein, die einem unangenehm sind.

Unangenehm? Auf mich wirken die Bilder eher glamourös. So richtig unangenehm wäre es, jemanden zu zeigen, der sich im Türrahmen seiner Sozialwohnung einge­kotet hat…

Okay. Das können wir vielleicht beim nächsten Mal machen. Aber ja, alle Fotos haben diesen Möchtegern-Glamour-Charakter, weil ich den ein bisschen witzig finde. Wir sind für die Fotos nach Monte Carlo gefahren. Alles sollte so nach dem Motto „Gold angemalt, aber blättert schon ab“ aussehen. Eine coole Ästhetik, aber auch eine sehr traurige…

Deine Texte handeln immer wieder von machistischen Männern. In „Wem du’s heute kannst besorgen“ hast du aus der Sicht eines Typen gesungen, der mit einer 16­Jährigen Sexszenen dreht. In deinem neuen Stück „Top“ heißt es: „Baby, zieh dein Top aus, mach’s wie mit einem Lollipop, dann kauf ich dir was Schönes bei Top­shop.“ Was ist für dich so reizvoll daran, in solche Rollen zu schlüpfen?



„Never Forget – der 90er-Podcast“, Folge 4: Wir schwelgen mit Nilz Bokelberg in Grunge-Erinnerungen
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