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Pop x Politik

Frank Spilker (Die Sterne): „Liebe und Hass sind immer noch die stärksten Motivationen, um den Stift in die Hand zu nehmen“

Kurz vor der Bundestagswahl 2017 wollten wir wissen: Wie viel sagt die Musik über das Land aus, in dem sie entsteht? Wie politisch ist deutscher Pop kurz vor der Bundestagswahl und zwei Jahre nach „Wir schaffen das“? In einer Zeit, die geprägt ist von einer Rückkehr in nationalstaatliches Denken, von Europakrise, islamistischem Terror, Klimawandel und zunehmender gesellschaftlicher Spaltung.

Also haben wir Fragebögen an 150 deutsche Künstler und Künstlerinnen verschickt. 29 Antworten kamen zurück, darunter auch die von Frank Spilker von Die Sterne.

ME: Versteht Ihr Euch als Band als politisch? Schreibt Ihr politische Songs?

Frank Spilker: Wir schreiben gerne Songs, die irgendeine Relevanz haben. Das kann sehr persönlich, aber auch von allgemeinerer Bedeutung sein. Das nennt man dann wohl politisch.

Warum schreibt Ihr politische Songs oder warum verzichtet Ihr darauf?

Ich stelle mir als Autor die Frage für wen und zu welchem Zweck ich das tue, was ich tue und ich würde mich schämen, wenn es nur darum ginge den aktuellen Gefühlsstau heraus zu lassen. Obwohl Liebe und Hass immer noch die stärksten Motivationen sind, um überhaupt den Stift in die Hand zu nehmen.

Können politische Inhalte in Songs tatsächlich etwas beeinflussen? Welche Wirkung können sie haben?

Popmusik wird in dieser Hinsicht gleichermaßen belächelt, wie gefürchtet. Hauptsächlich wird sie aber deswegen belächelt, weil sie gefürchtet ist. Was prägt den Wertekosmos eines Heranwachsenden mehr, als die Auseinandersetzung mit Erzeugnissen der Popkultur, in denen Werte verhandelt werden? Und was prägt die Zukunft mehr, als Leute die sich über Werte und deren Herkunft Gedanken machen? Nicht umsonst wurden noch in den sechziger Jahren Popmusikerzeugnisse wie Beatles-Platten von empörten religiösen Aktivisten verbrannt. Auch in Deutschland.

Fühlt Ihr Euch durch die politischen Entwicklungen der letzten Zeit (Flüchtlingsentwicklung, erstarkender Nationalismus, Autokraten in politischen Führungen, Klimawandel usw.) herausgefordert, Euch künstlerisch und/oder als Person(en), die im Licht der Öffentlichkeit steht/stehen, politisch zu äußern?

Wenig davon ist wirklich neu und es gibt fast nichts, über das wir nicht im Prinzip schon geschrieben hätten. Das würde mich allerdings nicht davon abhalten es mit einer anderen Taktik hier oder da noch einmal zu probieren. Wenn die Politik ihre Taktiken und Kommunikationsformen ändert, stellt sie die Kunst vor neue Herausforderungen, aber besser wäre es natürlich, es wäre umgekehrt. Überhaupt muss man gerade sehr vorsichtig sein und sich überlegen, welche von den vielen Nebelkerzen, die gerade gezündet werden, im nächsten Jahr überhaupt noch im kollektiven Gedächtnis sein werden.

Status: Es ist kompliziert – der deutsche Pop und sein Verhältnis zu Politik und Gesellschaft

Eine ausführliche Analyse darüber, wie es um den deutschen Pop und sein Verhältnis zu Politik und Gesellschaft steht, findet Ihr im Essay von Torsten Groß im Musikexpress 10/2017, der am 14. September erschienen ist. Der komplette Text ist jetzt auch online nachzulesen:

Status: Es ist kompliziert

Die weiteren Antworten auf unsere Fragen:


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