Interview mit Bread & Butter-Vize Hennecke: „Müssen mit Musikfestivals mithalten können“

von
Fuerza Bruta

Als sich musikalische Subkulturen noch klar von einander abgrenzten, war Mode Provokation um die Massenkultur wachzurütteln. Und aus diesen Milieus kamen auch die stärksten Impulse für Designer. In Zeiten, in denen Plattenfirmen gerade mal ein Album eines Newcomers vorfinanzieren, dass dann zwingend erfolgreich werden muss, haben sich die Allianzen verändert – jetzt sind es oft Modebrands, die mit ihrem Marketing-Etat Bands die Mittel zur Verfügung stellen, damit sie sich in eigenem Tempo entwickeln. Auch die Bread & Butter setzt seit mehreren Jahren auf ein gewichtiges musikalisches Line-Up, dass alle sechs Monate den Auftakt zur weltweit größten Streetwear-Messe im Flughafen Tempelhof bildet. Wir sprachen mit Sebastian Hennecke, Vice President der BBB, über Auswahlkriterien, Gagenvorstellungen und warum Mos Def sich 15 Minuten vor Stagetime entschied, sich mit seinem Fahrer auf den Weg zum Potsdamer Platz machen.

Müssen Musiker Modegeschmack haben?
Ich denke nicht, dass Musiker zwangsläufig Modegeschmack haben müssen, Musiker sollten in erster Linie guten Musikgeschmack haben! Denn am Ende geht es ja um gute Musik. Es gibt wahrscheinlich unendlich viele Beispiele für gute Musik von wirklich mies gekleideten Musikern. Bei den wenigsten, wie im Falle von Little Dragon (HUGO) oder Theophilus London (Tommy Hilfiger) gibt es einen direkten Modezusammenhang. Die Bread & Butter versteht sich als Popkultur für ein Lifestyle-interessiertes Publikum. Wir zeigen natürlich Mode. Am Ende wollen wir jedoch Menschen mitreißen und motivieren. Entsprechend wichtig ist das musikalische Line-up. Am Ende geht es uns aber um einen kollektiven Ausnahmezustand. Wir wollen den Horizont aller Beteiligten jedes Mal etwas erweitern und tun unser Bestes, um die Besucher einen Moment erleben zu lassen, der sie denken lässt: Wow, Bread & Butter, du bist krass!

Was war das kurioseste BBB-Erlebnis bisher mit einem Musiker?
Also, ich würde sagen, eher schwieriger aber nicht dramatisch: Mos Def. Es ging bereits mit den Verträgen los, die nach unserem Empfinden und auch dem unserer Anwälte ziemlich windig waren. Er kam dann aus L.A., hat auf dem Weg nach Europa mehrere Flugzeuge verpasst, und bis einen Tag vor der Veranstaltung war nicht klar, ob der wirklich irgendwann in Berlin ankommen würde. Deshalb gab es dann natürlich jede Menge Gossip in der Stadt, ob er kommt oder nicht. Das war wiederum sehr schlecht für die Laune aller Beteiligten. Irgendwann kam dann aber das Go von seinem Manager und Mos mit ordentlicher Verspätung zum Rehearsal. Alles lief, bis er 15 Minuten vor Stagetime spontan entschied, noch mal andere Schuhe zu holen und sich mit seinem Fahrer aus Tempelhof auf den Weg zum Potsdamer Platz machte. Ziemlich viele Leute haben dann sehr aufgeregt unseren Fahrservice angerufen, da die Running Order wegen des Feuerwerkes und den öffentlichen Genehmigungen minutiös getimed war. Am Ende ging alles gut. Mos gab als Vollprofi ein großartiges Konzert, und alle Vollprofis bei uns waren um fünf Jahre gealtert.

Man hat den Eindruck, dass Modefirmen heute mehr Geld in Bandpräsentationen stecken als Plattenfirmen es tun.
Das kann ich weder bestätigen noch widerlegen. Sicher ist, dass gute Bands heute für Live-Sets sehr hohe Honorare erhalten und Plattenfirmen dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Speziell in unserem Fall stellen wir das immer wieder fest. Eine Plattenfirma kann heute noch eine Empfehlung aussprechen, die Entscheidung trifft jedoch das Band Management und im Zweifel der Terminkalender. Leider sind wir aufgrund unseres By-invitation-only-Status für die meisten Bands aus dem Musikbereich immer noch ein „Industrie Event“, und dementsprechend corporate sind dann die Gagenvorstellungen. Wenn ich unsere Produktionsbudgets mit denen der großen deutschen Festivals vergleiche, können und müssen wir da von Set-up bis Qualität überall mithalten können oder besser sein. Trotz 25.000 Besuchern des Night-Festivals im letzten Sommer gibt es bei uns sicher noch eine Menge Luft nach oben. Wir arbeiten daran und hoffen, dass die Musikindustrie das Potential der Messe erkennt.

Stimmt es, dass DJ Hell zur aktuellen Messe nicht auflegen wollte, weil zu wenige Zuschauer geblieben waren um ihn zu sehen?
Mir ist das nicht bekannt. Ich habe DJ Hell als sehr professionellen Entertainer kennengelernt. Noch vor gut vier Wochen hat er auf einem Preview-Event zu einer Neueröffnung unseres Ladenkonzeptes 14 oz. im Haus Cumberland am Kurfürstendamm, nach Helge Schneider im Übrigen, vor etwa 150 Freunden und Partnern aufgelegt. Ich denke also, da gibt es keine zu erreichende Raver-Mindestanzahl. Unsere Abendevents erreichen je nach Format und Wochentag zwischen 3.000 und 10.000 Besuchern.

www.breadandbutter.com
www.14oz-berlin.com



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