Kay One mit Gedächtnisschwund vor Gericht

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Der Endlos-Prozess zwischen Bushido und Arafat Abou-Chaker ging am Mittwoch, den 15. Juni 2022, in die 72. Runde – so viele Prozesstage gab es nämlich schon. Dieses Mal war erneut prominenter Besuch geladen. Kay One nahm im Berliner Amtsgericht Tiergarten vor Richter Martin Mrosk Platz. Der Rapper hatte lange mit Bushido zusammengearbeitet, bis er sich 2012 von ihm trennte. Darauf folgten einige Disstracks beider Seiten, von denen vor allem „Leben und Tod des Kenneth Glöckler“ von Bushido eine Art Legendenstatus in der Deutschrapszene erlangte. Was konnte Kay One dem Prozess am Mittwoch beisteuern?

„Komischen Atmosphäre“ im Gerichtssaal

Tatsächlich ziemlich wenig. Wie auch andere prominente Zeugen in dem Prozess, leidet Kay One offensichtlich an einem sehr schlechten Gedächtnis. Zu Beginn sprach der Rapper zunächst einmal von einer „komischen Atmosphäre“ im Gerichtssaal, die vier Abou-Chaker-Geschwister Arafat, Rommel, Nasser und Yasser, die auf der Anklagebank saßen, sehe der ehemalige DSDS-Juror „zum ersten Mal wieder seit zehn Jahren“. Kay One und Bushido seien damals „beste Freunde“ gewesen, bis sich der Musiker aus Friedrichshafen dazu entschied, das Label „Ersguterjunge“ zu verlassen. Die Gründe dafür blieben bei der Vernehmung vage: „Wir hatten keinen Streit, aber er war nur zu Hause und ich wollte was erleben, unterwegs sein“, sagte Kay. Der Musiker wollte zukünftig allein Musik machen, was zu einem Streit mit Arafat Abou-Chaker und Bushido geführt habe.

Der Streit soll aber nicht auf einer physischen Ebene ausgetragen worden sein: „Ich wurde nie von jemandem aus Berlin verprügelt“, sagte Kay One vor Gericht. Die Staatsanwältin beließ es dabei aber nicht. Sie hielt dem Rapper eine Polizeiaussage aus dem Oktober 2013 vor, in der er behauptete, dass Arafat Abou-Chaker ihn einmal 15 Minuten lang mit einem Baseballschläger verprügelt hätte. Der angebliche Anlass: Der Rapper soll mit drei Frauen aus einer bekannten Girlgroup Sex gehabt haben, was Arafat so gar nicht gepasst haben soll.

Richter zu Kay One: Das ist doch Blödsinn!

Wie passen diese beiden widersprüchlichen Aussagen zusammen? Kay One hatte vor Gericht keine wirklich überzeugende Erklärung. Er behauptete schlicht, sich an die Aussage nicht mehr erinnern zu können. Daraufhin mischte sich der Richter mit klaren Worten ein: „Das ist doch Blödsinn. Entweder Sie haben damals etwas Falsches gesagt, oder heute etwas Falsches gesagt“, artikulierte er den offensichtlichen Logikfehler für Kay One noch einmal. Der Rapper blieb aber bei seiner Aussage.

Womit sich die Staatsanwältin nicht zufriedengeben wollte. Sie bohrte weiter und stellte fest, dass Kay One  2013 der Polizei gegenüber auch ausgesagt haben soll, dass Arafat Abou-Chaker ihn bei den Vertragsverhandlungen eingeschüchtert habe. Laut seiner Aussage habe er gedacht: „Da komm ich nicht mehr lebend raus“. Vor Gericht räumte er ein, dass die Auseinandersetzung heftig gewesen sein soll, bestritt aber weiterhin jegliche Form gegen ihn gerichteter physischer Gewalt: „Ja, die waren sauer, es gab auch Stress, aber ich kann mich nicht erinnern“. Die Staatsanwältin zog öffentlich in Erwägung, eine Anzeige wegen Falschaussage gegen den Rapper einzuleiten.

Die 73. Runde des Prozesses wird am 27. Juni stattfinden – womöglich erneut mit Kay One.


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