"Music Sounds Better With ME" - der neue Podcast vom Musikexpress:
Highlight: Welches Equipment verwendet eigentlich… James Blake?

Neuerscheinungen

Mit Rammstein, Lana Del Rey und Co.: 10 Alben, auf die wir uns 2019 freuen können

2018 waren zwölf popkulturell ereignisreiche Monate: Pop(musik) wurde endlich wieder glaubhaft und einflussreich politisch, in Chemnitz wurde eines der größten eintrittsfreien Konzerte der bundesdeutschen Geschichte organisiert, sowohl klar links positionierte Bands wie Feine Sahne Fischfilet als auch Mainstream-Größen wie Herbert Grönemeyer nutzten ihre Stimme gegen rechtspopulistische Stimmungsmache und Hetze. Auch im englischsprachigen Raum war die Musik 2018 immer dann am besten, wenn sie eine Meinung hatte; sei es Idles‚ Migrationshymne „Danny Nedelko“ oder Childish Gambinos afro-amerikanischer Schwanengesang „This Is America“. Und ganz leise, auf Zehenspitzen, spielte sich das Ruhrpott-Trio International Music mit seinem Debütalbum DIE BESTEN JAHRE in die Herzen der ME-Redaktion und an die Spitze unserer 50 besten Platten des Jahres.

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Hoffen wir also auf ein mindestens ebenso spannendes Pop-Jahr 2019 – genug Gründe, die uns daran glauben lassen, gibt es auf jeden Fall. Etwa in Form dieser 10 Alben, die das neue Jahr dominieren könnten. Wir stellen sie Euch bereits jetzt vor:

Kooperation

James Blake – ASSUME FORM

Anfang Januar ploppten in London und New York Werbeclips kryptisch anmutende Werbeclips an Wänden auf, die neben dem vermeintlichen Titel ‚ASSUME FORM‘ einzig das Gesicht des Post-Dubstep-Zauberers im Halbdunkel zeigen. Auch eine dazugehörige Website ist online gegangen, auf der sich angefixte Fans einen wenige Sekunden langen Piano-Loop anhören können. Aussagen zum Klang der Platte lassen sich daraus jedoch nicht schließen.

Nach der Viral-Kampagne ist nun klar: ASSUME FORM wird tatsächlich das vierte Studioalbum James Blakes sein und am 18. Januar erscheinen. Auch die Tracklist ist bereits bekannt. Ihr findet sie hier im Überblick:

  1. Assume Form
  2. Mile High (feat. Travis Scott & Metro Boomin)
  3. Tell Them (feat. Moses Sumney & Metro Boomin)
  4. Into The Red
    Barefoot In The Park (feat. ROSALÍA)
  5. Can’t Believe The Way We Flow
  6. Are You In Love?
  7. Where’s The Catch? (feat. André 3000)
  8. I’ll Come Too
  9. Power On
  10. Don’t Miss It
  11. Lullaby For My Insomniac

Die bereits im vergangenen Jahr veröffentlichten „If The Car Beside You Moves“ und „Don’t Miss It“ haben den Weg auf ASSUME FORM nicht geschafft. Spannend könnte das neue Werk werden, sollte es James Blake geschafft haben, seine fruchtbare Freundschaft mit Kendrick Lamar in seine Tracks einfließen zu lassen. Für ihre Zusammenarbeit „King’s Dead“ sind die beiden gemeinsam mit Jay Rock für zwei Grammy Awards nominiert. Seine Liebe zu HipHop ist auf ASSUME FORM zumindest unübersehbar eingeflossen, wie sich an den Featuregästen Travis Scott und André 3000 erkennen lässt.

Dendemann  – DA NICH FÜR!

Dende wirkt eher so wie der gemütliche Typ, doch man sollte nicht den Fehler begehen und daraus schließen, dass der Eins-Zwo-Rapper arbeitsfaul ist. Es mag zwar sein, dass seit seinem zweiten Solo-Album VOM VINTAGE VERWEHT bereits neun Jahre vergangen sind, doch in der Zwischenzeit produzierte und remixte er, machte sich als Bandleader und Sidekick in Jan Böhmermanns „Neo Magazine Royale“ einer neuen Zielgruppe bekannt und horchte genau, wie es um die Befindlichkeiten im Merkel-Deutschland steht. Starker Beweis: Die Vorab-Single „Keine Parolen“, die anklingen lässt, dass Dendemann aus den Fehlern einiger alternder 90er-Deutschrapper gelernt hat (Beginner, lookin‘ at you…).

Dass Dendemann mit DA NICH FÜR!, das am 25. Januar erscheint, ein Chartserfolg gelingen könnte, lässt die Gästeliste der Platte vermuten: Mit Casper und Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß als Teutilla hat er gleich zwei Akteure, die ihm in Duktus und Dynamik nahestehen, mit dem viel gefeierten Spätzünder Trettmann greift er den Zeitgeist auf (auch wenn ihr gemeinsamer Track „Littbarski“ ein ziemlich öde produzierter Egal-Track geworden ist). Auf diese Platte kann eigentlich nur die Eins-Zwo-Reunion folgen.

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Lana Del Rey – NORMAN FUCKING ROCKWELL

Lana Del Rey lässt einmal mehr nicht allzu viel Zeit zwischen zwei Jahren verstreichen: Keine zwei Jahre nach LUST FOR LIFE steht mit NORMAN FUCKING ROCKWELL ihr bereits sechstes Studioalbum in den Startlöchern. Dank ihrer scheinbaren Ungeduld kennen wir bereits mindestens drei Songs, die es auf die Tracklist schaffen werden: „Mariners Apartment Complex“, „How To Disappear“ und „Venice Bitch“, wobei es insbesondere letzterer ist, der aufgrund seiner Überlänge von neun Minuten und seinen psychedelischen Fuzz-Gitarren im Gedächtnis bleibt. Ein Erweckungsmoment, wie es „High By The Beach“ mit seinem HipHop-Beat 2015 schaffen konnte, gelingt „Venice Bitch“ jedoch nicht.

Lana Del Rey beschreibt den Charakter des von „Hit-Maschine“ Jack Antonoff produzierten NORMAN FUCKING ROCKWELL als „leichter“ und humorvoller – was auch immer das in ihrer von Gewaltfantasien und Morbidität durchzogenen Lyrik bedeuten soll.

Bilderbuch – VERNISSAGE MY HEART

Die Sorge, das Bilderbuch sich überheben, war da. Kurz, aber sie war da. Ende November 2018 kündigten die österreichischen Styler gleich zwei neue Alben an – und das gerade einmal knapp drei Monate nach dem Ende ihrer ausgiebigen Tour zu MAGIC LIFE. Dass die Männer um Maurice Ernst trotz aller Live-Verpflichtungen die Zeit zum Musik machen, schreiben und aufnehmen finden, bewies bereits im Frühjahr 2018 die Off-Single „Eine Nacht in Manila“. Aber eine Single macht noch kein Album, geschweige denn zwei. Mit dem Mitte Dezember 2018 veröffentlichten MEA CULPA legte sich die Aufregung dann schlagartig. Zu gebannt war man von Songs wie „Sandwishes“, „Memory Card“ und „Checkpoint (Nie Game Over)“. Bilderbuch zeigten sich in herausragender Verfassung, vollgepumpt mit Leben und Lust. „Crazy, sexy, cool“, nannte das ME-Redakteur Jochen Overbeck in seiner Rezension. Die Karten, dass es so auch auf dem am 19. Februar erscheinenden VERNISSAGE MY HEART weitergeht, stehen gut.

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Rammstein – tba.

Mit ihrem siebten Studioalben wollen Rammstein in eine neue „musikalische Dimension“ vorstoßen. Das behauptet zumindest ihr Gitarrist Richard Kruspe in (gefühlt) jedem Interview, das er in den vergangenen Wochen gegeben hat – und das waren nicht wenige. Die Band, die das Genre „Neue Deutsche Härte“ (mit-)begründet und in die Welt getragen hat, will nach fast 30 Jahren weg von den repetitiven Dreiakkordern, die von ihrer raumgreifenden Körperlichkeit und von unnachgiebigen Basswalzen leben und live von ausgiebiger Pyro-Nutzung flankiert werden. Wie das noch titellose Endprodukt klingt? Wir werden uns wohl gedulden müssen. Bekannt ist jedoch, dass die Band im weißrussischen Minsk mit einem lokalen Orchester und Chor aufgenommen hat.

Childish Gambino – tba.

2018 war das Jahr von Childish Gambino – und dafür benötigte er gerade einmal vier Minuten. Sehr eindringliche, verstörende, aufrüttelnde, kontroverse Minuten. Sein Track „This Is America“ entzündete erst mit dem dazugehörigen Video seine gesamte Sprengkraft, katapultierte die Diskussion um das gesellschaftliche Zusammenleben in den USA wieder in den öffentlichen Diskurs und Donald Glovers Musikprojekt erstmals an die US-Chartsspitze.

Doch mit diesem großen Erfolg kommt nun auch die große Erwartungshaltung, das Childish Gambino es sich nicht im kuschelig eingerichteten HipHop-Olymp gemütlich macht, sondern weiter aneckt und große Kunst schafft. Wie groß der Druck auf Schauspieler und Comedian Glover, der Childish Gambino einst eher zum Zeitvertreib begann und sich über die Jahre von harten, an Battle-Rap erinnernden Tracks („Bonfire“), über Funk’n’Rap (AWAKEN MY LOVE) und 808&HEARTBREAKS-beeinflussten Neonröhren-RnB („Summer Pack“ EP) versuchte, wirklich ist, ein ganzes Album auf „This Is America“-Niveau abzuliefern, beweist nichts mehr als sein Booking als Headliner des prestigeträchtigen Coachella-Festivals 2019.

Solange – tba.

Noch so ein Act, der über seine selbst gesetzten Ansprüche stolpern könnte – sie aber wohl eher noch höher hängen wird. Solange schuf 2016 mit A SEAT AT THE TABLE das Album, das wie kaum ein anderes zum musikalischen Symbol des Black Lives Matter Movements wurde. In Songs wie „Don’t Touch My Hair“ und „F.U.B.U.“ feierte die oftmals zu Unrecht im Schatten ihrer großen Schwester Beyoncé stehende Solange ihre Selbstermächtigung als starke, stolze schwarze Frau und Künstlerin, ohne den moralischen Zeigefinger, den Kritiker darin durchaus ausfindig machen können, zu plakativ einzusetzen.

Im Oktober 2018 kündigte Solange noch an, das Album werde kurzfristig und bald erscheinen. Seitdem sind jedoch schon fast zwei Monate ins Land gezogen und wir warten immer noch auf ihr viertes Studioalbum, das der Künstlerin nach jazzlastig sei, „aber mit elektronischem und HipHop-Drum-And-Bass“ spiele. Eine Wiederholung hätten wir von Solange auch nicht erwartet.

SZA – tba.

Ihr zweites könnte auch ihr letztes Album werden. Das hat SZA zumindest in einem Interview 2018 angedroht. Das liegt ganz sicher nicht daran, dass ihr Debütalbum CTRL kein Erfolg war – Platz 3 in den US-Billboard-Charts, weit über 1 Million verkaufter Kopien und Platinstatus sprechen ganz klar dagegen. Dennoch hat SZA noch eine Rechnung offen mit der (US-amerikanischen) Musikbranche.

Für gleich 5 Grammys wurde sie 2018 nominiert. Nach Hause nahm sie keinen einzigen. Statt ihr, die auf ihrem Album auf nahbar-verletzliche Weise über Sex, Liebe und andere nostalgische Gefühle in der digitalen Welt spricht, erhielt beispielsweise Def-Jam-Zögling Alessia Cara mit ihrem Haushaltsradio-tauglichen RnB das Goldene Grammophon als Bester Newcomer. SZA wird auch auf ihrem zweiten, vielleicht ja wirklich letztem Album einmal mehr ihr Herz ausschütten und, unterstützt von ihrer Top-Dawg-Familie, eines der RnB/HipHop-Highlights des Jahres abliefern. Dann werden auch die Grammy-Verantwortlichen nicht mehr um sie herumkommen können.

Tame Impala –tba.

Sonderlich gut kam ihr aktuelles Album beim Musikexpress nicht an. „Nur“ 3,5 von 6 Sternen vergab ME-Autor Ivo Ligeti im Sommer 2015 für das dritte Tame-Impala-Album und machte ungeahnte Schwächen im Psychedelia-Luftschloss Kevin Parkers aus. Ein Erfolg wurde CURRENTS dennoch: Platz 1 in Parkers Heimatland Australien, Platz 4 in den USA, Platin in Australien, Gold in den USA. Mit „The Less I Know The Better“ hatten Tame Impala sogar einen Radiohit samt funky Leadgitarre und schön-süßlichem Falsettgesang vorzuweisen.

Daran wird Kevin Parker mit ziemlicher Sicherheit auch mit Album Nummer vier anknüpfen, schließlich sind Tame Impala aus dem Nichts zu einer der größten Bands der Welt geworden – sagen zumindest ihre Headliner-Bookings bei Festivals wie Hurricane, Primavera Sound und Coachella. Und Headliner brauchen Hits, um ihren Status verteidigen zu können. Die hat Kevin Parker in den vergangenen Jahren bereits produziert, für so diverse Künstler wie Lady Gaga, Kanye West und Travis Scott. Daraus zu schließen, dass wir ein poppiges HipHop-Album von Tame Impala erwarten dürfen, wäre dann aber wohl doch etwas zu weit gedacht.

The Raconteurs –tba.

Jack White hat wohl mal wieder das Gefühl den Karren Rock aus dem Mist ziehen zu müssen. Anders lässt sich die Wiedergeburt der Ranconteurs, der breitbeinigsten der vielen Jack-White-Rockbands, eigentlich nicht erklären. Die beiden Vorab-Singles „Sunday Driver“ und „Now That You’re Gone“ geben dementsprechend unmissverständlich vor, wofür das mit großer Wahrscheinlichkeit 2019 folgende dritte Studioalbum der Raconteurs klingen wird.

Während „Sunday Driver“ ein Feel-Good-Uptempo-Rocker der ganz alten Riffrock-Schule ist, lässt Brendan Benson in „Now That You’re Gone“ den Blues aus der Kiste und trauert in sehnsüchtigen Slow-Jam-Akkorden einer Verflossenen nach. Die US-amerikanische Trucker-Vereinigung bedankt sich im Voraus für ihren Soundtrack des Jahres 2019.

Und ach: Kanye West will ja auch noch den YE-Nachfolger YANDHI raushauen. Irgendwann.

>>> Coming Soon: Welche Alben 2019 erscheinen werden <<<


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