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Live-Eindrücke

Musikmarathon auf Sankt Pauli: Unterwegs auf dem Reeperbahnfestival 2019


Auf dem Spielbudenplatz beim Reeperbahn Festival 2019
Auf dem Spielbudenplatz beim Reeperbahn Festival 2019

Gefühlt wird das vor 14 Jahren gestartete und nach eigenen Angaben mittlerweile größte europäische Clubfestival immer diverser, das Programm mit mehr als 600 Veranstaltungen in 50 Venues sprichwörtlich zum Musikmarathon und das kulturelle Gesamtangebot zum Happening, zu dem in diesem Jahr insgesamt rund 50.000 Menschen strömen. Es gibt also viel zu sehen, hören und erleben. 

Schwerpunktland Australien hat ebenfalls Dutzende Newcomer mitgebracht, die fast alle das erste Mal in Deutschland auftreten. Wilde Energiebündel am Mikrofon sind beim „Aussie BBQ“ im Molotow zu entdecken: Mid-City-Sänger Joel Griffith und Frontfrau Natalie Fosters von der Band Press Club lassen schnell erkennen, warum ihre Rockshows zuhause in Down Under längst jeden Club zum Kochen bringen.

Beim „Dutch Impact Showcase“ im Molotow sticht Jeangu Macrooy schon durch seine Körpergröße heraus. Auf der Bühne zeigt der Amsterdamer Sänger mit surinamischen Wurzeln dann, dass er auch eine große Stimme hat: Soul meets Pop in bester Manier. Nicht nur die Agenten von Motown Records werden sich diesen Namen wohl merken.

Sea Girls aus Leicester spielen im Knust ihren ebenfalls ersten Gig in Hamburg. Die Band um Sänger Henry Camamile und Drummer – Achtung! – Oli Khan, klingen nach einer frischen Mischung aus The Killers und den White Lies und überzeugen das Publikum sofort.

Auch Inhaler, die Band des Sohnes von U2-Sänger Bono, soll einen starken Auftritt hingelegt haben – den wir aber leider verpasst haben. Auch das ist das Reeperbahn Festival: zu viele Shows für zu wenig Zeit. Weil auch die Schlange vor dem Docks so lang ist, entdecken wir zufällig Andrea Poggio im Sommersalon beim La Festa Italiana Showcase – Glück gehabt! Zusammen mit zwei asiatischen Bandmitgliedern präsentiert das Trio schrillen Retro-Italo-Pop mit elektronischen Synthie Beats.

Ebow spricht Klartext

EBOW beim Reeperbahn Festival 2019

Auf dem Spielbudenplatz, dem Open-Air-Zentrum des Festivals, geben Provinz eine Kostprobe ihres Könnens. Das Quartett aus der Nähe von Ravensburg hat sich mit seiner Debüt-EP „Reicht dir das“ bereits einen Platz in der heimischen Folk-Pop-Landschaft gesichert.

Dass Ebow polarisiert, zeigt sich nicht nur in den Kommentaren unter ihren Videos auf Streamingplattformen. Auch in der Spielbude spricht die in München geborene und in Wien lebende Rapperin mit türkischen Wurzeln Klartext: „Ihr hasst mich, ihr hasst mich so richtig, denn diese Kanakin hier macht sich zu wichtig, Ist zu gebildet, sieht zu gut aus.“ Ok!

Michael Rathmayr
Svenja Mohr RBF


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