Conor Oberst

Salutations

Salutations Nonesuch/Warner

Das ehemalige Wunderkind stattet seine neuen Folk-Songs zum Glück wieder üppiger aus, vertont aber weiterhin First-World-Problems.

Auf RUMINATIONS ließ uns Conor Oberst erst vor einem halben Jahr ganz tief in seine Seele blicken – mit Songs, die äußerst minimalistisch instrumentiert waren: Akustikgitarre oder Piano – gepaart mit gelegentlichem Mundharmonika-Spiel. Dass man aus den Liedern allerdings mehr herausholen kann, als der Home-Recording-Appeal von RUMINATIONS erahnen ließ, beweist nun das neue Album SALUTATIONS. Darauf enthalten: 17 Songs, darunter aber auch die zehn bereits bekannten Stücke des vorangegangenen Albums, nun aber in neuen Arrangements. Für die Instrumentierung holte sich das ehemalige Folk-Wunderkind Oberst alte Weggefährten ins Boot, darunter auch die Felice Brothers.

Mit der Hilfe mäandert SALUTATIONS musikalisch irgendwo zwischen Americana, Country und traditionellem Folk. So kommt der schwelgerisch-schöne Opener „Too Late to Fixate“ mit Irish-Folk-Attitüde und in einem 3/4-Takt daher – es ist das Highlight des Albums, direkt zu Beginn. Dass die Songs trotz der breiteren Instrumentierung zu keinem Zeitpunkt überladen daherkommen, beweist beispielsweise die Neuvertonung von „Tachycardia“, bei der die auf RUMINATIONS noch etwas aufdringliche Mundharmonika nun besser eingegliedert wirkt.

Man könnte dem Album eine gewisse Beiläufigkeit unterstellen, sind die musikalischen Motive doch allzu bekannt und das Album an sich etwas zu lang. Doch Oberst vermag aus dem Songpotpourri eine kohärent klingende Einheit zu bilden, die dem Hörer eine vertraute Stimmung vermittelt. SALUTATIONS umarmt gleichermaßen die Sehnsucht zur Flucht wie auch die Schönheit des Moments – ein Konflikt, der Obersts Œuvre schon immer inhärent war.

Schön reflektiert wird das auch mit dem Cover, das einen jungen Mann zeigt, der an einem strahlenden Sommertag in Toter-Mann-Position in einem Swimming-Pool treibt. Das Bild erinnert an die berühmte Einstiegszene von „Die Reifeprüfung“: Damals war es der von Dustin Hoffman gespielte Benjamin Braddock, der sich im Wasser treiben ließ, gleichermaßen gelangweilt aber auch zufrieden ob seiner Privilegien, ein Symbol für die verdorbene Gesellschaft. Heute ist es eben Conor Oberst, der immer noch nicht müde wird, First-World-Problems zu vertonen.

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