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Album der Woche

James Blake Assume Form


Polydor/Universal (VÖ: 18.01.)

Erinnern wir zuerst daran, wie wichtig das Debütalbum von James Blake für die musikalische Entwicklung der Dekade war, die in zwölf Monaten zu Ende gehen wird. JAMES BLAKE (2011) war Höhe- und Endpunkt des Dubstep, es war nicht nur ein Meilenstein in der Evolution des Genres, es hatte auch den Sound vorgegeben, der die fortschrittliche Popmusik der 10er-Jahre dominieren sollte – bis in den Mainstream hinein. Post-Dubstep wurde R’n’B wurde HipHop. Beyoncé, Drake, Frank Ocean, Kendrick Lamar, Travis Scott, Vince Staples  – alle arbeiteten sie mit dem blassen Wunderkind aus London zusammen, damit sich ein wenig vom Glanz des musikalischen Untergrunds auf sie übertragen möge; die Grenzen der Genres verschwammen mehr und mehr.

Von seinen frühen, experimentellen Singles und EPs ab 2009 und über drei Alben hinweg hat Blake eine Entwicklung hingelegt, die nicht immer folgerichtig war und auch keine radikal anderen Ergebnisse zeitigte, aber doch den Willen zur Veränderung gezeigt hat. Auf ASSUME FORM schließt sich der Kreis.

Die Frankoceanisierung des 30-Jährigen schreitet voran, der Befruchter wird zum Befruchteten. Tempo und Ambiente der Tracks sind eindeutig James Blake, aber die Form, die sie angenommen haben, verweisen deutlich auf den postmodernen R’n’B der 10er-Jahre. Es gibt eine Menge Featurings von Alt (André 3000) bis Jung (Travis Scott, Metro Boomin, Moses Sumney und das New-Flamenco-Wunderkind Rosalía), die dem Gesamtbild eher zu- als abträglich sind.

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Dazu hat sich Blake ein paar liebgewordene Sachen abgewöhnt. Die Sounddekonstruktionen sind weniger offensichtlich, sie spielen sich im Hintergrund der Instrumentierungen ab, Manipulationen der Stimme bleiben rar, der Einsatz von Auto-Tune dezent. Wir hören verschleppte HipHop-Beats, Anklänge an Dancehall und die typisch ätherischen Piano-Balladen. Nach elf Tracks, die den Minimalismus so weit ausreizen, dass er gerade noch so genannt werden darf, zieht das finale „Lullaby For My Insomniac“ vorbei wie ein flüchtiges Gas, die Strukturen lösen sich auf, Ende, aus. ASSUME FORM gibt ein ähnliches Bild ab, wie das Frank-Ocean-Album BLONDE aus dem Jahr 2016: Es ist eigentlich ein ultra-heterogener Stilmix, der aber von einer sehr einheitlichen Sound­ästhetik zusammengehalten wird.

Der Wunsch, den wir im Mai 2016 anlässlich der Veröffentlichung des dritten James-Blake-Albums THE COLOUR IN ANYTHING in den Raum gestellt hatten, ist in Erfüllung gegangen: Der Künstler hat sich etwas anderes einfallen lassen.

James Blakes neues Album „ASSUME FORM“ hier im Stream hören:

James Blakes 2018er-Video zu „Don’t Miss It“:


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