Neil Young & Crazy Horse Barn


Reprise/Warner (VÖ: 10.12.)

von

Auf dem Cover steht sie schon einsam im Nirgendwo, Onkel Neils BARN, die alte Scheune in den Rocky Mountains, die Neil Young mit seiner Ehefrau Daryl Hannah restauriert hat, um dort − wie absolut neilyounghaft − sein neues Album aufzunehmen. Wenn die Mundharmonika im ersten Stück, dem „Song Of The Seasons“, von Wehmut und Blicken über Canyons erzählt, könnte man sich genauso gut im Jahr 1972 befinden, zu besten HARVEST-Zeiten.

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Später wird die Berghütte unter Strom gesetzt. Es trifft also Laurel-Canyon-Folk auf den kratzigen, bratzigen Proto-Grunge von Crazy Horse, das Young’sche Yin und Yang. Die Fistelstimme klingt in Momenten ein wenig belegter als einst, sonst scheint die Zeit in der Scheune still zu stehen. Wieder dankt irgendwo ein König ab, wieder werden die „good old days“ beschworen und die Liebe gefeiert.

Es sind Youngs uralte Themen, uralte Harmonien, aber halt auch: die uralte Magie, wenn man denn empfänglich für sie ist. Oder es jemals war. Weil Neil Young zwar ein stolzer yesterday’s man ist, aber einer, der auch morgen noch zu den Guten gehören wird, und der deshalb irgendwie herzlich gern sein eigenes Klischee sein darf, rumpelt und ruckelt man gern mit ihm durch seine eigene Vergangenheit. Findet zwar keinen Übersong, aber die eine oder andere hübsche Melodie am Wegesrand. Und schläft irgendwann in der Bergsonne ein.


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