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The xx I See You

Young Turks/XL/Beggars/Indigo

von
The xx – I SEE YOU, VÖ: 13.01.2017

The xx sind auf verschiedenen Ebenen die wichtigste Band des aktuellen Jahrzehnts. Zum Beispiel was identitätsstiftende Maßnahmen angeht. In ihrer maximalen Introvertiertheit stellen Romy Madley Croft, Oliver Sim und 
Jamie xx nicht die ultimativen Role-Models einer Generation dar, sondern eine immer aktuelle, Generationen übergreifende, individualisierte Outsider-Version des Jungseins, als Option einer sanften Rebellion gegen das Klischeebild von der Jugend als maximal durchgedreht, verrückt, nihilistisch und vergnügungssüchtig. Und dann ist da auch noch die Musik: Als Indie Ende der Nullerjahre am Boden lag, haben sie dem Genre mit ihrem Debütalbum THE XX 2009 einen Stoß in eine andere Richtung gegeben mit ihrem minimalistischen Dream Pop, den sanften Elektronik-
Infusionen und den gefühlten R’n’B-Verweisen.

Dieser strenge Minimalismus und die Soundarchitektur hat den Boden bereitet für Elektronik-Acts wie James Blake, die nach wie vor bestimmend für den Sound des laufenden Jahrzehnts sind. Dabei blieben die drei EngländerInnnen immer hübsch uneindeutig zwischen den Welten Indie und postmoderner elektronischer Musik. Nach dem grandiosen Debütalbum THE XX musste man sich Sorgen machen, ob diese Band in ihrer scheinbar limitierten Stilistik auf dem zweiten Album COEXIST aus dem Jahr 2012 ihrer musikalischen Sprache noch etwas Wesentliches hinzufügen können würde. Die Sorgen waren unbegründet.

Auf I SEE YOU werden The xx nicht unbedingt leichter zuordenbar

Dass dies auch für das dritte Album I SEE YOU gilt, hat Jamie xx zu verantworten. Sein Soloalbum IN COLOUR aus dem Jahr 2015 zeigte den Uninformierten, dass der Beatmacher von The xx als Produzent von Elektronik-Tracks längst ein respektierter Bestandteil dieser „anderen“ Welt war. Auch ohne entsprechende Bekundungen, die Jamie xx in diversen Interviews zu seinem Soloalbum machte, war klar, dass das dritte Album der Band von IN COLOUR beeinflusst sein würde. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wir wünschen uns die Veröffentlichung der „I See You Instrumentals“, um nachzuprüfen, ob das Album als „Stand-Alone“ ohne die Stimmen von Romy Madley Croft und Oliver Sim Bestand hätte.

Auf I SEE YOU werden The xx nicht unbedingt leichter zuordenbar. Das Album stellt die maximalen Möglichkeiten der Vermischung beider Welten dar. Die erste Single „On Hold“ mit den flatternden Beats und der Closer „Test Me“ mit seinen entschleunigten Soundscapes stellt den Einfluss von Produzent Jamie xx auf die Indie-Band The xx am deutlichsten heraus.

Romy Madley Crofts Gesang wirkt befreiter und stärker

The xx bleiben die große, kleine Band, die den Minimalismus in einem musikalischen Segment mehrheitsfähig gemacht hat, in dem andere scheinbar einem Naturgesetz folgend – sich im Lauf der Zeit zu stinknormalen Rockbands entwickeln. Der vielleicht deutlichste Unterschied auf I SEE YOU im Vergleich zu „früher“: Der Gesang von Romy Madley Croft wirkt befreiter und stärker. Die Fangemeinde muss sich also keine Sorgen machen, es sei denn, sie lässt sich abschrecken durch eine Vielzahl an variationsreichen, ausgeklügelten Beats.

The xx sind bekannt für den Gebrauch von Samples von Musik, die in Indie-Kreisen als unmöglich gilt. „On Hold“ ist um ein Sample aus „I Can’t Go For That (No Can Do)“ von Hall & Oates herumgebaut. Könnte gut sein, dass das amerikanische Soft-Pop-Duo aus den 70ern durch diesen Move von der ADHS-Generation in den nächsten zwei Wochen als das große, alte Ding durchs digitale Dorf getrieben wird.

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