Interviewmitschnitt: Der Spiegel wehrt sich gegen Morrissey – mit der Wahrheit

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Der „Spiegel“ hat am Dienstagabend den Audiomitschnitt seines kontroversen Interviews mit Morrissey veröffentlicht. Die Redaktion reagiert damit auf Morrisseys wiederholte Dementis, er habe die darin zu lesenden Antworten nie gegeben – und auf seinen Vorwurf, dass die Tatsache, dass der „Spiegel“ den Gesprächsmitschnitt nicht rausrücke, einem Schuldeingeständnis gleichkomme.

Auf Spiegel.de heißt es über ihren Schritt: „Um dem entgegenzutreten, haben wir uns entschlossen, das Gespräch nun online zu stellen – auch, wenn es aus unserer Sicht selbstverständlich ist, dass im SPIEGEL veröffentlichte Interviews keine falsch oder irreführend wiedergegebenen Zitate enthalten.“

Morrissey hatte am Montag zum wiederholten Male beteuert, dass er seine kontroversen Antworten im Interview mit dem „Spiegel“ so nie gegeben habe. In einem Facebook-Post dementieret er nicht nur angeblich Gesagtes, er bezichtigte den „Spiegel“ indirekt auch, ihm Böses zu wollen. Seine Anfrage, ihm den Audiomitschnitt des Interviews vorzulegen, sei abgelehnt worden. „Let that alone be your answer“, so Morrissey.

Morrissey schrieb unter anderem: „A few weeks ago I foolishly allowed Germany’s Der Spiegel into my life. Since they eagerly flew from beloved Berlin to beloved Los Angeles in order to talk and laugh, I assumed a common understanding. Would I kill Donald Trump? No, never. Would I support Kevin Spacey’s private proclivities? No, never. Would I ever support abuse of children? No, never. Would I support sexual harassment? No, never. Would I support rape? No, never. Would Der Spiegel convey my views fairly? No, never. Would I ever again speak to print media? No, never.“

Auf dem nun veröffentlichten Mitschnitt hört man, dass in dem Interview tatsächlich viel gelacht und wenig nachgehakt wurde – man hört aber auch, dass Morrissey die kontroversen Antworten über einen Mord an Donald Trump, über die mutmaßlichen Opfer von Harvey Weinstein und Kevin Spacey und über die „Vergewaltigungshauptstadt“ Berlin tatsächlich so getätigt hat, wie sie zu lesen waren.

Anlässlich seines neuen Albums LOW IN HIGH SCHOOL hatte Morrissey der „Spiegel“-Journalistin Juliane Liebert am 15. November 2017 ein exklusives Interview gegeben, das weltweit für Aufregung sorgte. Morrissey verteidigte darin indirekt Harvey Weinstein und Kevin Spacey, beschuldigte deren mutmaßliche Opfer, bezeichnete Berlin wegen Angela Merkels Flüchtlingspolitik als „Vergewaltigungshauptstadt“ und bestätigte, dass er Donald Trump töten würde, wenn dafür ein Knopfdruck reiche. Einige dieser Aussagen traf er danach erneut.


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