Spezial-Abo
Highlight: Disney+: Das sind die Originals des neuen Streaming-Anbieters

Neues Modell: Wie Streamingdienste Musiker fairer bezahlen wollen

Das vergangene Jahr war für den deutschen Musikmarkt eine Art Zeitenwende: 2018 wurde in Deutschland erstmals mehr Geld durch digitale Musikformate generiert, als durch physische Tonträger. Laut Informationen des Bundesverbands Musikindustrie e.V. lag der Branchenumsatz bei insgesamt 1,582 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hatte das Streaming: Alleine für das Jahr 2018 wurden 79,5 Milliarden Streams gezählt; der reine Streaming-Anteil am Gesamtumsatz lag bei 46,4 Prozent. Zum Vergleich: Der Verkauf aller Arten von physischen Tonträgern machte zusammengerechnet nur noch 43,3 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Streamingdiensten muss deshalb inzwischen eine außerordentliche Bedeutung für die Branche zugeschrieben werden. Sie trugen ferner dazu bei, das Zeitalter der illegalen Downloads durch Filesharing und Co. zu beenden. Doch wie findet beim Streaming eigentlich die Entlohnung für Musiker statt? Und was bekommen sie im Endeffekt für ihre Musik?

Das aktuelle Ausschüttungsmodell, dargestellt in einer vereinfachten Grafik.

Aktuell arbeiten die großen Anbieter alle nach dem gleichen Ausschüttungs-Prinzip: Sie verteilen die Gelder an Künstler basierend auf deren Marktanteil. Sprich: Die Künstler mit dem höchsten Marktanteil bekommen die meisten Gelder. So kann es sein, dass man als Abonnent bei einem Streamingdienst beispielsweiße ausschließlich obskure Post-Punk-Bands hört, aber am Ende etwas vom eigenen Beitrag bei einem überaus erfolgreichen Cloud-Rapper landet, den man sich nie angehört hat. Der Streamingdienst behält sich einen vorab vereinbarten Betrag ein.

Das führt im Folgeschluss dazu, dass man mit seinem eigenen Hörverhalten nicht immer einen direkten Einfluss darauf hat, ob etwas vom eigenen Geld bei den Lieblingskünstlern landet. Im Gegenteil: Die Zahlungen werden im aktuellen System am Gesamtmarktanteil orientiert, was zur Folge hat, dass bekannte Künstler*innen oder beliebte Genres im Vergleich zu kleineren Acts oder eher experimentellen Genres bevorzugt behandelt werden.

So soll das Ausschüttungsmodell unter UCPS funktionieren. Dargestellt in einer vereinfachten Grafik.

Der französische Streamingdienst Deezer versucht dem aktiv entgegenzuwirken und gab daher im vergangenen Monat bekannt, dass er ein nutzerbasiertes Abrechnungssystem namens UCPS (kurz für User-Centric Payment System) entwickelt habe. Mit UCPS sollen Einnahmen nur noch an die jeweiligen Acts gehen, die sich die Nutzer*innen auch wirklich angehört haben. Deezer möchte durch das System Fairness schaffen und eine musikalische Vielzahl von lokalen und internationalen Künstlern sowie Genres gerecht unterstützen. Die Initiative wird durch das Hashtag #MakeStreamingFair begleitet.

Ein neues Modell soll unfairer Bezahlung und Bots entgegenwirken

Mit UCPS soll auch die Bekämpfung von Streaming-Betrug vorangetrieben werden. Da es sich bei dem nutzerbasierten Abrechnungsmodell um ein weit entwickeltes System handeln soll, will Deezer dadurch dem Einfluss von manipulierten Konten, geläufig „Bots“ genannt, entgegenwirken. Das Verhalten sogenannter „Bots“ schlägt sich meist im unverhältnismäßig häufigen Abspielen von bestimmten Tracks nieder, was langfristig die Gesamtmarktanteil-Bilanzen erheblich verzerren kann. Berechnen sich die Auszahlungen jedoch auf dem nutzerbasierten Abrechnungssystem, sprich: auf dem Verhalten der einzelnen Nutzer, könnte Streaming-Betrug weiter reduziert werden, da die Bot-Aktivitäten nur die Einnahmen von diesen speziellen Bot-Accounts verteilen würden. Betrug könnte somit leichter sichtbar gemacht werden.

www.deezer.com/ucps
www.deezer.com/ucps


Sind Alben noch relevant? Studie zeigt: Babyboomer wollen Mix, Millennials auch mal Alben
Weiterlesen