Stuttgarter Rap-Legenden im gemeinsamen Kampf gegen „Querdenker 711“

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Am Samstag, den 7. November, fand in Leipzig eine Großdemonstration von Corona-Leugner*innen, Verschwörungstheoretiker*innen und Rechtsextremen statt. Sie alle vereinte eine „kritische“ Haltung gegenüber den Corona-Maßnahmen und eine allgemeine Abwehr gegen die Politik der Bundesregierung im Umgang mit der Pandemie. Insgesamt wurden 27 Versammlungen angemeldet. Teilweise wurde zur Gewalt aufgerufen. Nun schloss sich in Stuttgart ein Bündnis zusammen, das sich gemeinsam gegen die „Querdenker 711“-Bewegung, deren Ideologie und die Vereinnahmung der Stuttgarter Vorwahl zur Wehr setzen möchte. Darunter befinden sich auch viele bekannte Namen der Stuttgarter HipHop-Szene.

Initiiert wurde das Bündnis von der „Kolchose“, einem lockereren Zusammenschluss von Künstler*innen, die vor allem in den 1990er-Jahren den Kern der Stuttgarter HipHop-Szene ausmachten. Darunter befanden sich namhafte HipHop-Artists wie Max Herre sowie Freundeskreis, Massive Töne, Afrob und viele Weitere. 1996 wurde zusätzlich das 0711Büro gegründet, aus dem später dann die Firma 0711 Entertainment entstand. Die Vorwahl „0711“ war somit stets fester Bestandteil der Stuttgarter HipHop-Kultur. Dass diese Zahl nun von der „Querdenker“-Initiative verwendet wird, die somit den Zusammenhalt der Stadt hinter der Bewegung suggerieren möchte, stößt den Mitgliedern der „Kolchose“ verständlicherweise bitter auf. Auf ihrer offiziellen Seite setzen sie nun ein Statement in Form eines offenen Briefs:

„In den 1990er Jahren, der goldenen Ära der deutschen Hip-Hop-Kultur, wurde aus 0711, der Vorwahl Stuttgarts, ein Symbol für eine weltoffene, verbindende und tolerante Stadt. Seit Dekaden steht 0711 für ein Stuttgart der Solidarität und der Gemeinschaft, für ein Konzept von Stadt, in dem Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Hintergründe friedlich miteinander leben. (…) Wir verurteilen den Missbrauch des Symbols 0711 für populistische Zwecke und den Versuch, Popkultur aus hetzerischen und spalterischen Gründen umzudeuten, auf das Schärfste. Die Corona-Maßnahmen kritisch zu hinterfragen, ist wichtig. Auf Demos Seite an Seite mit Reichskriegsflaggenträgern zu marschieren, ist dagegen untragbar.“

Zusätzlich findet man dort eine Liste mit Namen, die den Brief bereits unterschrieben haben. Darunter befinden sich Rapper wie Max Herre, Kaas, Maeckes, Fanta 4 und die Massiven Töne. Ergänzt wird die Liste durch weitere Kulturschaffende, Wissenschaftler*innen, Journalist*innen, Gastronom*innen und viele andere Namen, die zum Teil von den harten Corona-Maßnahmen selbst betroffen sind. Somit möchten die Unterzeichnenden ein Zeichen für Solidarität, Zusammenhalt und gegen Demokratiefeindlichkeit setzen.


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