Hintergründe

„Verblendung“: Alles, was Ihr über David Finchers Thriller wissen solltet

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Aus der „Millenium“-Trilogie wurde schon eine Menge Material herausgepresst: Drei schwedische und eine amerikanische Verfilmung existieren bereits von der Weltbestseller-Buchreihe des 2004 verstorbenen Autoren Stieg Larsson. Eine Filmadaption des vierten Teils „Verschwörung“ (geschrieben von Autor David Lagercrantz) folgte im Jahr 2018 – und nun kündigte Amazon Prime Video dieses Jahr außerdem noch eine Serienadaption des Psycho-Thriller-Franchises an. Schon drei Schauspielerinnen wurden für die ikonische Rolle der Lisbeth Salander verplichtet: Noomi Rapace, Rooney Mara und Claire Foy. Wer die frauenrächende Hackerin in der neuen Serie spielen wird, ist allerdings noch unklar.

Welche filmische Adaption aus diesem Konglomerat definitiv heraussticht, ist David Finchers Vefilmung „Verblendung“ aus dem Jahr 2011. Der Thriller mit Daniel Craig und Rooney Mara in den Hauptrollen wurde durchweg positiv aufgenommen und brachte sogar zwei Oscar-Nominierungen ein – eine für den „Besten Schnitt“ und eine für Mara als „Beste Hauptdarstellerin“. Werfen wir also einmal einen Blick zurück – und schauen uns die Entstehungsgeschichte des Films an.

Fünf Fakten: Was Ihr über David Finchers Film „Verblendung“ unbedingt wissen solltet:

1. Die Vorbereitungen für die Verfilmung waren langwierig und kompliziert

Zunächst dauerte es einige Monate bis das Studio „Sony Pictures Entertainment“ die Rechte an dem Roman erwerben durfte. Für das Schreiben des Drehbuchs gingen weitere sechs Monate drauf – darunter drei, in denen das Buch ausschließlich analysiert wurde. Bei diesem Prozess hatte Drehbuchautor Steven Zaillian vor allem Angst, der Geschichte des Romans nicht gerecht werden zu können. So sagte er: „Mit jeder Entscheidung, die man trifft, entfernt man eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten, wohin diese Geschichte gehen oder was diese Figur tun kann.“ Inhaltlich fokussierten sich David Fincher und Zaillian primär darauf, die psychologischen Unterschiede zwischen einem Serienmörder und einem Vergewaltiger herauszuarbeiten. Zaillian erzählte: „Bei einem Vergewaltiger, oder zumindest bei unserem Vergewaltiger, geht es darum, seine Macht über jemanden auszuüben. Bei einem Serienmörder geht es um Zerstörung; es macht ihm Spaß, etwas zu zerstören.“

2. Daniel Craig und Rooney Mara mussten sich gegen zahlreiche Hollywood-Stars durchsetzen

Auch das Casting für die beiden Hauptcharaktere Mikael Blomquist und Lisbeth Salander sei in der Vorproduktion zehrend und anstrengend gewesen, heißt es in offiziellen Erklärungen. So standen für die Rolle des attraktiven Investigativ-Journalisten Blomquist unter anderem George Clooney, Johnny Depp, Viggo Mortensen und Brad Pitt zur Auswahl – doch „James Bond“-Darsteller Daniel Craig konnte sich letztlich durchsetzen. Bei der Rolle der Lisbeth Salander war die Konkurrenz noch härter: Neben Rooney Mara wurden unter anderem auch Natalie Portman, Mia Wasikowska, Emily Browning, Anne Hathaway, Emma Watson, Eva Green, Scarlett Johansson, Léa Seydoux, Keira Knightley, Jennifer Lawrence, Kristen Stewart, Carey Mulligan, Elliot Page, Vanessa Hudgens, Sarah Snook, Olivia Thirlby, Evan Rachel Wood und Yolandi Visser in Betracht gezogen. Fincher entschied sich letztendlich für die damals 26 Jahre alte Mara, die er bereits für seinen Film „The Social Network“ gecastet hatte.

3. Der Song „Orinoco Flow“ von Enya, der während der Folterszene gespielt wird, wurde von Daniel Craig ausgewählt

Achtung, es folgen Spoiler! Der cineastische Höhepunkt von „Verblendung“ ist ohne Zweifel die Szene, in der Henrik Vanger Mikael Blomquist in seinem Keller gefangen hält und ihn zu foltern droht. Dies geschieht allerdings nicht, bevor Vanger den Song „Orinoco Flow“ von Enya auf seinem iPod anmacht – eine auf den ersten Blick absurd erscheinende Wahl für einen Folter-Song, oder nicht? Und ja, das fand David Fincher zunächst auch. Wie der Regisseur erklärte, stammte die Idee, den Track der irischen New-Age-Sängerin auszuwählen, von niemand Geringerem als Daniel Craig. Fincher erzählte: „Wir haben uns alle fast vollgepisst, so sehr haben wir gelacht. Nein, eigentlich war es noch schlimmer als das. Er sagte: „Orinoco Flow!“ Alle sahen sich an und fragten sich: „Wovon redet er da?“ Und er sagte: „Versteht ihr? ‚Sail away, sail away…“ Und ich dachte: „Der Kerl macht aus Blomkvist die perfekte Metapher für uns.“

4. Um sich mit Schweden vertraut zu machen, reiste Produktionsdesigner Donald Graham Burt einen Monat lang durch das Land

Die einmonatige Expedition war für Burt notwendig, um die schwedische Kultur in all seinen Facetten erfassen zu können. So sagte er: „Es braucht Zeit, bis man die Nuancen einer Kultur wirklich wahrnimmt, bis man die Themen sieht, die in der Architektur, der Landschaft, den Stadtgrundrissen und den Gewohnheiten der Menschen wiederkehren. Ich hatte das Gefühl, ich müsse mich wirklich in diese Welt integrieren, um ein echtes Gefühl für den Ort des Films zu entwickeln. Es ging nicht nur darum, die Körperlichkeit der Schauplätze zu verstehen, sondern auch ihre Metaphysik und die Art und Weise, wie das Leben der Menschen durch das Design zum Ausdruck kommt.“

5. Aufgrund von Zensurbedenken durfte „Verblendung“ in Indien und Vietnam nicht veröffentlicht werden

Die Weltpremiere von „Verblendung“ fand am 12. Dezember 2011 im Odeon Leicester Square in London statt, gefolgt von der amerikanischen Premiere am 14. Dezember im Ziegfeld Theatre in New York City und einen Tag später in Stockholm. Der offizielle Kinostart in den USA erfolgte am 21. Dezember 2011, weitere Länder reihten sich danach ein – nur in Indien und Vietnam wurde der Thriller nicht freigegeben. Der Grund? In einer Presseerklärung des „Central Board of Film Certification“ hieß es damals: „Sony Pictures wird „Verblendung“ in Indien nicht veröffentlichen. Das Zensurkomitee hat den Film in seiner unveränderten Form als für die Öffentlichkeit ungeeignet beurteilt, und obwohl wir uns verpflichtet haben, die Vision des Regisseurs zu erhalten und zu schützen, werden wir wie immer die vom Komitee festgelegten Richtlinien einhalten.“ Auch in Vietnam weigerte man sich, den Film zu zeigen – allerdings nicht aus Zensurbedenken, sondern aus anderen, nicht weiter genannten Gründen.

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