Von Parks und Penunzen


Blöd, dass man sich als Künstler mit Geldfragen herumschlagen muss. Infadels meinen: Manchmal heiligt der Zweck die Mittel.

Mit Geld ist es wie mit Sex: Je mehr man darüber redet, um so weniger kommt rum. Fragen Sie dazu ruhig mal die Infadels. Die singen auf ihrem zweiten Album Universe in Reverse nämlich auffallend oft über Geld beziehungsweise darüber, wie es einem wie Sand durch die Finger rinnt. Das ist nicht nur bösen Erinnerungen geschuldet – die Bandmitglieder plagten sich früher als Fensterputzer, Kurier und Postbote – sondern hat einen aktuellen Anlass, wie Sänger und Songschreiber Bnann Watts erzählt: „Nachdem wir letztes Jahr über 300 Gigs gespielt hatten, mussten wir feststellen, dass unser Tourmanager mit all unseren Einnahmen abgehauen war.“

Auch wenn Bassist Wag Marshall-Page bereits wieder darüber scherzt („Wir waren gebrochene Männer“), der Vorfall hat die Band in ihrem ohnehin gestörten Verhältnis zum Musikbiz nur noch bestätigt. „Es ist, als würde man pausenlos Achterbahn fahren“, sagt Bnann, „du erhältst eine gute Nachricht und kaum freust du dich, kommt jemand um die Ecke, der dich mit Grabesstimme fragt:,Hast du schon von dieser furchtbaren Sache gehört?‘ Du brauchst echt ein dickes Fell.“ Mit diesem müssen sich die Infadels womöglich schneller wieder wappnen, als ihnen lieb ist. Wird doch nicht unbedingt jeder Fan vor Freude jauchzen, der erfährt, dass sich die Band vor den Karren eines japanischen Autoherstellers hat spannen lassen: Werbespots, Tour-Präsentation, Backstage-Pass-Verlosung und Klingelton-Tralala inklusive. Der Konzern möchte damit „die Marke emotionalisieren und die anvisierte junge Zielgruppe besser erreichen“. Und was hat die Band davon? Wag: „Dadurch, dass Musik heute überall kostenlos aus dem Internet geladen werden kann, verkaufen sich immer weniger Platten. Wenn also eine Firma anbietet, uns zu sponsern, damit wir weiter touren können, ist das schon okay.“ Bnann ergänzt: „Die Leute, die sich alles aus dem Netz saugen, verstehen oft nicht, dass sie Bands dadurch die Chance verwehren, ein neues Album zu machen. Wenn das so weitergeht, wird alle Kunst über kurz oder lang nur noch durch Werbung zu finanzieren sein.“ Grausige Aussichten, deshalb schnell zurück zu dem, was wirklich zählt. So sehr der schnöde Mammon auch die Gedanken beschwert, letztlich geht es hier ja um Musik. „Ein Leben ohne Musik ist wie London ohne seine Parks – das wäre ziemlich rauh zum Leben“, sagt. Bnann und wird geradezu philosophisch: „Das Tolle ist ja gerade, dass ein Park keinen Zweck hat, außer sich selbst.“

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