20 Jahre Harry Potter: Alle „Harry Potter“-Filme im Ranking

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Vor ein paar Wochen feierte einer der größten Kinderfilm-Klassiker aller bisherigen Zeiten sein 20. Jubiläum: „Harry Potter und der Stein der Weisen“ erschien im November 2001 und machte die drei Hauptdarsteller:innen Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma Watson bereits mit zehn Jahren zu Weltstars. Doch das war nur der Anfang: Die Verfilmung von J.K. Rowlings erstem „Harry Potter“-Roman war der Auftakt zu einer Filmreihe, die sich über zehn Jahre und acht Filme erstrecken sollte und Millionen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in ihren Bann zog.

Nun sind 20 Jahre vergangen – und Rowlings Universum ist noch immer am Expandieren: Nachdem der bisher letzte Film „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ im Jahr 2011 in den Kinos anlief, folgte ein inoffizieller achter Teil als Drehbuch und Theaterstück und die „Phantastische Tierwesen“-Filmreihe, die in derselben Welt angesiedelt ist, versuchte sich (erfolglos) als wertiger Nachfolger zu etablieren. Und obwohl J.K. Rowling in den vergangenen Jahren leider mehr mit transfeindlichen Aussagen als mit neuen Büchern auf sich aufmerksam gemacht hat, scheint die Faszination mit der magischen Welt von Harry Potter noch immer nicht abzunehmen. Anlässlich des 20. Jubiläums – und der neu erschienenen Cast-Reunion „Harry Potter – Return To Hogwarts“ – präsentieren wir euch deshalb ein Ranking aller acht Filme. Komplett objektiv und unvoreingenommen, versteht sich.

Und auch, wenn es für eine zwanzig Jahre alte Filmreihe eigentlich nicht mehr nötig sein sollte: An dieser Stelle wird nochmal eine große Spoiler-Warnung für alle „Harry Potter“-Filme ausgesprochen!

8. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 

Es sagt schon viel über die Filmreihe aus, wenn dieser Teil ganz unten auf der Liste landet. Denn „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ ist kein schlechter Film. Im Gegenteil: Die Einsamkeit, die Harry nach dem Tod Dumbledores empfindet und der Druck, der auf ihm lastet, wird in diesem Film extrem gut rübergebracht. Es gibt einige fantastische Sequenzen, wie etwa ihr Eindringen ins Zauberei-Ministerium und die Tanz-Szene zwischen Harry und Hermine. Das ist nicht das Problem. Der Film leidet schlichtweg unter der Entscheidung der Studios, den siebten Band in zwei Teile zu verwandeln. Dies führt dazu, dass „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ einfach keinen wirklichen Höhepunkt hat, wodurch er zäh und an einigen Stellen sogar langweilig erscheint. Er ist dadurch leider nichts anderes als die Vorbereitung für den zweiten, wesentlich besseren Teil.

7. Harry Potter und der Orden des Phönix

„Harry Potter und der Orden des Phönix“ hatte die schwere Aufgabe, den Übergang zwischen den wohlig warmen, kindlichen Filmen und düstereren, ernsteren Themen zu schaffen. Nicht nur muss Harry in diesem Teil seine Traumata von der Rückkehr Voldemorts bewältigen, er wird außerdem von fast der ganzen Zauberer-Welt des Lügens bezichtigt und Dolores Umbridge verbreitet Angst und Schrecken in Hogwarts (und ist unter Fans dafür fast mehr verhasst als Voldemort). All diese Probleme bringt Regisseur David Yates zwar authentisch und stark rüber – er lässt allerdings auch gar keinen Raum mehr für schöne Momente. Ja, das Buch ist düster, ja, die Geschichte wird erwachsener. Ein paar Szenen der alten Verspieltheit und Magie hätten dennoch nicht geschadet. Schließlich gibt es auch im Roman einigen Grund zur Freude: Harrys erster Kuss mit Cho Chang oder Rons anfängliche Versuche beim Quidditch etwa. So ist „Harry Potter und der Orden des Phönix“ vor allem eines: deprimierend.

6. Harry Potter und die Kammer des Schreckens 

Die ersten beiden Teile der „Harry Potter“-Reihe wurden von Chris Columbus verfilmt. Der „Kevin – Allein zu Haus“-Regisseur ist bekannt für seine Detailliebe und lieferte damit den perfekten visuellen Einstieg in die magische Welt von J.K. Rowling. „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ ist stilistisch somit genau die Fortsetzung zum ersten Teil, die es gebraucht hat – wenn auch mit einigen Makeln. Im Gegensatz zu späteren Filmen, die sich mehr Freiheiten nehmen, hat sich Columbus bei „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ strikt an das Original gehalten. Das ist einerseits schön, weil dadurch keine Storylines außer Acht gelassen werden, führt aber leider auch zu dramaturgischen Talfahrten. Kurzgesagt: Der Film ist einfach zu lang. 161 Minuten dauert „Die Kammer des Schreckens“ – was erschreckend ist, wenn man bedenkt, dass es sich dabei eigentlich um das zweitkürzeste Buch handelt.

Inhaltlich ist „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ eine der stärksten Geschichten; als Zuschauer:in erfährt man erstmals mehr von Voldemorts Vergangenheit und der Historie von Hogwarts, lernt Dobby und Professor Lockhart kennen und erlebt mit den Riesenspinnen und dem Basilisken einige der gruseligsten Momente der frühen Bücher auf großer Leinwand. Wie schade nur, dass einige Sequenzen davon nicht etwas pointierter erzählt wurden.

5. Harry Potter und der Feuerkelch 

„Harry Potter und der Feuerkelch“ ist bis heute unter Fans der meist gehasste Film des Franchises. Das hat gute Gründe: Zum Einen lässt dieser Teil einige wichtige Handlungsstränge des Romans komplett weg, wie etwa die Hauselfe Twinky oder Hermines selbstgegründete Organisation B.ELFE.R. Zum Anderen werden einige Charaktere anders gezeichnet als im Buch – was vielen Fans sauer aufstößt. Trotz dieser (durchaus validen) Kritikpunkte hat „Harry Potter und der Feuerkelch“ eine Sache geschafft, die vielen anderen Filmen der Reihe nicht gelungen ist: eine gute Coming-of-Age-Geschichte zu erzählen.

Die erste Verliebtheit, der erste Streit zwischen Harry und Ron, Eifersucht – all diese typischen Teenager-Probleme werden in dem Film genauso ernst behandelt wie Harrys lebensgefährliche Aufgaben beim Trimagischen Turnier. Und sie wirken umso bedeutsamer und kostbarer, wenn der Film am Ende komplett seine Tonalität ändert, als Voldemort zurückkehrt. Der Regisseur Mike Newell hat es bei „Harry Potter und der Feuerkelch“ geschafft, Harrys viertes Schuljahr in all seinen bunten Facetten darzustellen – ohne diese in dem Moment von Voldemorts Rückkehr und Cedric Diggorys Tod zu trivialisieren. Und das muss man ihm durchaus hoch anrechnen.

4. Harry Potter und der Halbblutprinz

Beim sechsten Teil der Filmreihe ist Regisseur David Yates richtig angekommen. Hier stimmt einfach fast alles: Der Ton des Films ist düster und schwer, ohne jedoch beschwerlich zu wirken. Malfoys Geschichte ist brillant in den Erzählbogen eingewoben, ohne den Fokus von Harry, Ron und Hermine zu nehmen. Und die verschiedenen  Liebesgeschichten der Charaktere sind selbstironisch genug erzählt, um nicht nervig oder gar kitschig zu wirken. Auch der tragische Höhepunkt des Films wird geschmackvoll und zart umgesetzt – mit einer der schönsten Szenen aus der gesamten Reihe, als die gesamte Schule Dumbledore Tribut zollt.

Trotz seiner vielen vielen starken Momente gibt es jedoch auch eine große Schwäche, die an dieser Stelle einmal benannt werden muss: Die Beziehung von Ginny und Harry. Richtige Potterheads wissen, dass Ginnys Charakter in der Verfilmung dem Original leider überhaupt nicht gerecht wird. Anstatt des coolsten Mädchen der Schule, die sich innerhalb eines Jahres von Rons kleiner Schwester in eine hübsche, beliebte und lustige Quidditch-Spielerin verwandelt, ist die Ginny aus dem Film leider nur unscheinbar, einseitig und langweilig.

3. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2

Wie schwer es ist, ein Grand Finale einer mehrteiligen Serie zu drehen, weiß nicht nur Peter Jackson. Auch David Yates musste sich bei „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ der harten Aufgabe annehmen, eine siebenteilige Romanreihe zu Ende zu bringen, ohne Fragen offen zu lassen oder Fans zu enttäuschen. Und wie beeindruckend, dass er es geschafft hat. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ schließt direkt an den Vorgänger-Film an und erzählt die Geschichte von der Horkrux-Suche spannend zu Ende. Der große Kampf am Ende ist visuell spektakulär und temporeich und nimmt sich dennoch Zeit für ruhige Momente, die dadurch umso emotionaler nachwirken. Besonders bemerkenswert ist die Art und Weise, wie Yates sich Zeit nimmt, um Snapes Geschichte aufzulösen. Es ist eine der schönsten und tragischsten Szenen in der ganzen Filmreihe.

2. Harry Potter und der Stein der Weisen

„Harry Potter und der Stein der Weisen“ ist der Klassiker schlechthin. Es ist das erste Mal, dass die Zuschauer:innen einen Einblick in die magische Welt bekommen und der Film setzt alle Voraussetzungen für das, was noch kommen wird. Ab der ersten Minute wird augenscheinlich, wie viel Herzblut Chris Columbus in die Gestaltung der Sets gesteckt haben muss – sei es bei dem spießigen Einfamilienhaus der Dursleys, der von fliegenden Kerzen erleuchtete Große Halle von Hogwarts oder dem kaminrot getäfelte Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Auch inhaltlich schafft es „Harry Potter und der Stein der Weisen“, dem Alter ihrer Hauptfiguren gerecht zu werden und trotzdem spannend und (für Kinder) mitunter sogar gruselig zu werden.

Einzig die verschiedenen Räume, durch die Harry, Hermine und Ron am Ende gehen müssen, um zum Stein der Weisen zu gelangen, hätten deutlich spannender inszeniert werden können – und der Raum mit den Zaubertränken wurde sogar komplett weggelassen. Doch insgesamt wird man unter Harry-Potter-Fans kaum jemanden finden, der den ersten Teil nicht wenigstens aus nostalgischen Gründen liebt. Und selbst diejenigen, denen die Story des ersten Teils zu kindlich oder zahm ist, müssen anerkennen, dass es einzig Chris Columbus zu verdanken ist, welche Darsteller:innen und visuelle Umsetzung für die Verfilmung ausgesucht wurden.

1. Harry Potter und der Gefangene von Azkaban

Nachdem sich Chris Columbus nach dem ersten und zweiten Teil als Regisseur verabschiedet hatte, stand die Filmreihe zunächst in der Schwebe. Wer könnte dazu in der Lage sein, die Bücher auf einem ähnlich hohen Niveau weiter zu verfilmen? Die Rettung kam in der Gestalt des heute fünffachen Oscar-Gewinners Alfonso Cuarón, der sich „Harry Potter und der Gefangene von Azkaban“ annahm – und daraus den besten Film der gesamten Reihe machte. Lange Kamerafahrten, Transitions und Perspektivwechsel machen aus dem dritten Teil einen wahren visuellen Genuss; das zeigt sich vor allem in der ersten Szene der Dementoren, bei dem Grimm, der in verschiedenen Varianten immer mal wieder im Film auftaucht oder in der gesamten Sequenz, wo Harry und Hermine durch die Zeit reisen, um Seidenschnabel – und damit Sirius – zu retten.

Aber auch inhaltlich setzt Cuarón andere Akzente als sein Vorgänger: Die Stimmung ist ernster, die Atmosphäre düsterer, und dennoch bleibt eine gewisse Unschuld erhalten. Auch emotionalen Themen wie der Tod von Harrys Eltern und seinen väterlichen Beziehungen zu Lupin und Sirius wird mehr Raum gegeben, was der einst kindlichen Welt auf einmal eine tiefere Ebene gibt. Kein anderer Film des Harry-Potter-Universums hat es geschafft, neue Elemente so wunderbar mit Materialtreue zu verknüpfen wie dieser. Und dafür muss man vor allem Alfonso Cuarón danken.


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