Logo Daheim Dabei Konzerte




Blackout Tuesday
Highlight: „SCHW31NS7EIGER: MEMORIES – VON ANFANG BIS LEGENDE“: Wohlfühl-Doku eines Weltfußballers

Kritik

„Homecoming“ Staffel 2 auf Amazon Prime Video: Weniger ist mehr

Außerdem verbindet die Serie geschickt alte Mystery-Tradition mit frischer Ästhetik. Im orchestralen Score spielen mal Streicher, in spannenden Momenten unterstreicht eine Oboe das Geschehen. Sparsam setzt die Serie Dolly Zooms à la Hitchcocks „Vertigo“ ein oder vertikale Shots, wenn Charaktere die Treppe hinunterlaufen. Am Episodenende bleibt die Kamera stehen, während der Creditsong schon einsetzt. An anderer Stelle verfolgt man dank befestigter Kamera eine Melone im Supermarkt. Sam Esmail hat sich zwar im Gegensatz zur ersten Staffel als Regisseur zurückgezogen, doch das „Mr. Robot“-Gefühl bleibt auch unter der Inzsenierung von Kyle Patrick Alvarez bestehen.

Janelle Monáe als Getriebene

Letztlich trägt aber vor allem Janelle Monáe, bekannt etwa aus dem Oscar-prämierten „Moonlight“, die gesamte Serie. Die kurzen Episoden beschränken sich auf viele Dialoge, in der ihre kühle Präsenz überzeugt. Auch hier ist sich das Format des Podcastsursprungs bewusst, was sich außerdem auch in schönen Splitscreen-Aufnahmen widerspiegelt, etwa wenn die Protagonist*innen telefonieren. Verglichen mit Julia Roberts in Staffel 1 ist Monáe jedoch eher von den Ereignissen getrieben. Weniger Reaktion, mehr Aktion: das hätte der Serie gut getan. Schade daher, dass Julia Roberts in den aktuellen Episoden nur noch als auführende Produzentin agiert und nicht mehr selbst spielt. „Homecoming“ war ein Lichtstreifen, nachdem ihre Karriere schon etwas zu verblassen drohte. Die Serie bewies auch, dass Hollywood-Größen sich nicht für TV-Serien zu schade sein sollten.

In Staffel 1 war Julia Roberts Charakter Heidi Bergman maßgeblich als Therapeutin an dem „Homecoming“-Projekt beteiligt und entwickelte eine innige Beziehung zu ihrem Patienten Walter. Diese freundschaftliche Dynamik besteht in der zweiten Staffel zwischen keinen der Charaktere. Stephan James als traumatisierter Soldat spielt bedeutungsvolle Entscheidungen mit einer Leichtigkeit, die einen gar nicht erst nachdenken lässt – trotzdem mangelt es ihm am Konterpart, den Julia Roberts als Therapeutin darstellte. Das Herz der ersten Staffel ist damit genommen, die nicht nur wegen ihrer zehn statt nunmehr sieben Folgen ein tieferes Eintauchen in die Figuren bot.

Fazit: Immer noch eine Ausnahmeserie, aber mit Ausbaufähigkeiten

„Homecoming“ ist ein 30-Minuten-Drama, derer es mehr bedürfte. Der Trick, ein Vor- und Nachher zu spiegeln und sich langsam auflösen zu lassen, verblasst im zweiten Durchlauf dennoch etwas. Hier hat die Serie Déjà-vu allzu wörtlich genommen, die letzte Folge lautet ironischerweise „Again“. Aber endlich zeigt sich, wer wirklich hinter „Geist“ steckt. Und darauf haben wir echt gewartet! Außerdem merkt Leonard Geist, dass ihm sein Baby ein für alle Male über den Kopf gewachsen ist. Das Gedächtnis auszulöschen scheint einfach zu schön, um wahr zu sein. Sollte es eine dritte Staffel geben, wäre es ratsam, mal etwas von der Formel abzuweichen. Die Hochzeiten verlorener Identitäten (wie mit der „Bourne“ -Reihe) sind nun ja auch etwas her.



„Girl With The Dragon Tattoo“ wird zur Serie auf Amazon Prime
Weiterlesen